Beschreibung/ Presseinfo: |
Mit leichtem Gepäck reisen Phantom/Ghost auf ihrem inzwischen vierten Album durch eine heiter
gestimmte Welt, die diesmal nicht von Geistern, sondern freundlichen Querulanten, vertrödelten
Traumtänzern und sorglosen Müßiggängern bewohnt ist. Trotz dieses irdischen Personals und der
reduzierten Instrumentierung aller Stücke - (präpariertes) Klavier und Gesang - ist "Thrown Out Of
Drama School" ein überaus feierliches Album geworden, richtige Festtagsmusik.
Ihrer gemeinsamen Vorliebe für Erfundenes, Zusammengereimtes und Versponnenes gehen Dirk von
Lowtzow und Thies Mynther bereits seit zehn Jahren nach, und nun sind sie dort angekommen, wo
sich das Spiel mit Künstlichkeiten, Manierismen, exaltierten Zitaten und theatralen Posen in seiner
Reinform studieren lässt: auf der Bühne, in der Schauspielklasse, vor und hinter dem samtenen
Vorhang. Auch wenn "Thrown Out Of Drama School" kein "echtes" Highschool Musical ist, folgt es
doch lose der Idee einer durchgehenden "Aufführung" - ein kleines und wunderliches Konzert mit
neun Kompositionen, das allerdings nicht ohne störrische Momente verläuft. Denn nicht zuletzt singen
Phantom/Ghost ein Loblied auf renitente, ungehorsame Gesten, die von närrischem Witz, aber auch
großer Sanftmut bestimmt sind.
Noch bevor sich der Vorhang öffnet, erklingt ein scheuer Walzer. Das Intro zu "The Charge Of The
Light Brigade" ist eine verrutschte Kopie eines englischen Militärmarsches, dem aller martialischer
Zack ausgetrieben wurde. Der Tanz der leichten Brigade ist so etwas wie der erste Streich. Weitere
folgen, wobei "Thrown Out Of Drama School" wohl das ultimative Schelmenstück ist. Temporeich
und witzig wie eine Screwball-Comedy, beschwört es mit wirbeliger Fröhlichkeit die Kunst des
vorsätzlichen Herumlungerns. Thies Mynhters Klavier ist hier mit dem Gesang in enger
Komplizenschaft verbunden, spielt mal demonstrativ brav und naiv wie bei einer Tonleiterübung,
dann klimpert es wieder mit leicht divenhafter Genervtheit vor sich hin und parodiert dabei seine
Funktion als Begleitinstrument. Neben diesen bühnenartigen Musicalnummern finden sich auf dem Album aber auch Songs, die bildhaft funktionieren und geradezu filmische Erzählungen wachrufen.
Sie tragen den Hörer in fremde Regionen, nach Marokko oder noch weiter weg, in surrealistische
Traumwelten. So etwa die Literaturvertonung "The Process (after Brion Gysin)", die von einem
halluzinatorischen Trip durch die Sahara erzählt. Mal gibt das Klavier im Hintergrund dumpf flirrende
Klänge von sich, dann erinnert es wieder an ein heiseres Streichensemble, es röchelt und vibriert. Und das Duett mit der Berliner Künstlerin Michaela Meise (die auch bei einigen anderen Stücken mitsingt)
macht den Wüstenzauber noch vollkommener, wobei die Stimme Dirk von Lowtzows hier so dunkel
und umnebelt klingt, dass man fürchtet, er könnte niemals wieder zurückkommen von seiner Reise,
die weder Anfang noch Ende kennt. Doch ausgiebig lässt sich in diesen entrückten Sphären nicht
verweilen. "Thrown Out Of Drama School" wirft uns immer wieder in eine ganz greifbare
Wirklichkeit zurück - eine Wirklichkeit, die den Rahmen der Bühne allerdings nie verlässt. Applaus, eine Verbeugung, der Vorhang fällt. Auch wenn der Titel anderes behauptet: Die Schauspielschule
endet nie. (Text: Presseinfo) |