Beschreibung/ Presseinfo: |
Während Bands aus dem Untergrund sich oft ziemlich schnell aufreiben und in ihre menschlichen Bestandteile auflösen, weil der Weg an die Öffentlichkeit ein sehr beschwerlich anstrengender ist, halten wenige durch. Eine dieser
Durchhalte-Combos ist The Ex aus den Niederlanden. Ursprünglich in der Hausbesetzungsszene angesiedelt und schnell der
aufbrausend-aufgeregt-aufregenden Musik verfallen, sind sie nun schon fünfundzwanzig Jahre unterwegs. Dieses unterwegs unterstreichen mehr als eintausendeinhundert gespielte Konzerte. Und während Punk Rock nur noch wiederkäut, sind The Ex im stetigen Wandel und Willen zum Experiment jung und wild geblieben. Für inspirierte Kollaborationen stets offen,
zwischen Improvisationsmusik und Begegnungen in aller Welt, zeigt sich auch dieses jetzt erscheinende
Geburtstags-Doppel-Album von einer zwar im kollektiven Vortrags-Verständnis urtypischen und doch kaum auf Dauerhaft-Charakteristika zu reduzierenden
Vielschichtigkeit. Vom Klangbild, stark von zwei elektrischen Gitarren
geprägt, und den Strukturen ihrer Stücke her - eher repetetiv und manisch drückend, mit wenigen Tönen, die umspielt werden und klaren rhythmischen
Eckdaten -, sind The Ex am ehesten mit Sonic Youth zu den Zeiten von
Confusion Is Sex und Bad Moon Rising oder den Crass - mit denen sie auch Ideen und Ideale verbinden -, zu vergleichen. Singt Schlagzeugerin Katherina, wie etwa im Prism Song, könnte
Turn tatsächlich eine Fortsetzung des "krassen" Penis Envy-Albums sein. Wobei dem Suchen und Finden von Tönen oder anderen Klangereignissen mehr Raum gewährt wird. Freispiel löst auf, unterbricht, bahnt neue Wege: so etwa in The Pie, dem Zentrum der ersten CD. Anders als bei den eher verkopft, verkrampft und ernst wirkenden Crass - die
sehr wohl Spaß verstanden - entsteht bei The Ex ein Gleichgewicht zwischen
Musik und Text. Keinesfalls steht die nüchterne Botschaft im Vordergrund. Sie liegt in auf, an den Tönen. Kann auch im Feedback untergehen, muss sich
ihren Weg zur Verständlichkeit bahnen: 3:45 AM. Verliert dabei keine Unze
Gewicht. Was ist so besonders an diesem Jubiläums-Zweiling? Das Zusammenspiel, nach
25 Jahren Probe und Auftritt, ist traumwandlerisch, ohne in Gefälligkeit zu
wabern oder
Belanglosigkeit abzudriften. Die Mittel des Krachs sind weiterhin
unabdingbar. Intensität bricht über das Hör-Publikum herein. Auch heute. Für
die filigran melodisch summenden und zirpenden bis orkanisch tobenden
Druckverhältnisse sorgt Steve Albini. In nur drei Tagen haben The Ex in
Chicago vierzehn Stücke bei ihm eingespielt. Auch dies ein Grund zum Feiern,
ohne vor Freude das notwendige Um-Gestaltungs-Bestreben, welches nach einer
besseren Welt schreit, zu vergessen. Es gibt viel
zu kritisieren, viel zu tun, viel zu schaffen, in der Kunst, auf der Straße,
in den Köpfen, überall, gegen Gleichschaltung, für die Freiheit:
"We Need Poetry And Paintings / Narrow Minds Are
Weapons Made For Mass Destruction / Sheep With
Crazy Leaders, Heading For Disaster / We Need
Filmers, And Writers, Dancers, Musicians, Actors,
And Sculptors, Bakers, Electricians, Thinkers,
And Doctors, Cyclists, And Builders, Lovers,
Friends, And Neighbours"
(Text: Presseinfo) |