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Gesehen! Immergut Festival 2006 feat. Jason Collett - Prove it All Night!

24.5.06, Hamburg, Tanzhalle / 26. - 27.05.06, Neustrelitz

Text / Live-Fotos: Michael Kellenbenz      

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Überschriften wir einen Bericht über das Immergut Festival ausgerechnet mit dem eher hemdsärmeligen Bruce Springsteen, mag das zunächst verwundern. Nimmt man sich aber den Liederschreiberkollegen Jason Collett mit auf die Reise, respektive auf die Straße, wird ein Schuh daraus. So wird die Strecke Hamburg – Neustrelitz – Hamburg zu einem musikalischen Trip zwischen dessen "Hangover Days" und Bossens "Prove it all Night". POP FRONTAL legt Colletts Album "Idols of Exile" auf und weiß warum!

Jason Collett @ Immergut

Jason Collett

"Almost Summer"

Collett stammt aus Toronto/Kanada und bezeichnet seine pubertierende Familie im unfertigen Haus auch schon mal als "Hottest rock band". Mit der gesamten Broken Social Scene-Posse ist er hinübergejettet in dieses Europa. Genauer ja Deutschland. Ein Landstrich, der sich stürmisch und regnerisch zeigt. Zumindest noch zwei Abende vor dem Immergut, als er Hamburgs kleine große Tanzhalle bespielt. In schmaler Bandbesetzung auf enger, niedriger Bühne ein ideales Warm-Up für die luftige Festivalbühne. Die übersichtliche Zuschauergemeinde gibt sich freundlich erwachsen, aber auch stoisch ernst. Als müsse er ihr den Frühling in Klängen beweisen, zeugen gleich die ersten drei Songs vom neuen Album ("Fire", "We all lose one Another" und "Hangover Days") von substanziell blühendem Selbstbewusstsein. Mit einem Zitat aus Springsteens Album "Darkness on the Edge of Town" (1978) und hochgekrempelten Ärmeln schickt er uns mit geschulterter Gitarre hinaus in die Nacht. "Prove it all night/Girl there's nothing else that we can do/So prove it all night, prove it all night/And girl I'll prove it all night for you."

 

"I'll bring the Sun"

Zwei Tage später. Sie tut sich schwer. Essentielle Grundlage eines jeden Festivals ist und bleibt nun mal die Sonne. Rund um die Neustrelitzer Seenplatte jedoch wirkt es, als hätten kanadische Nachwuchsholzfäller viele Blätter und manchmal gar ganze Äste von den Bäumen gerupft. Midlake eröffnen das Festival dennoch im Trockenen, und die dunklen Wolken glänzen im tiefen Sonnenschein. Kanadische (!) Coldplay-Assoziationen leiten über zu Klez.e und Radio 4, die beide staubtrocken durch ihr Set grasen. Viele entscheiden sich für den Zeltplatz und etwas Verpflegung aller Sorten, als Tom Liwa seine Flowerpornoes auferstehen lässt. Spannend ist das, verliert sich aber nach und nach ein wenig. Art Brut donnern wie gewohnt mit dem kleinen Bruder durch die Kinderstube und formen an diesem Abend eine ansehnlich aufgestellte Band. Erfrischend und auf bunten Socken Eddy The Party Eagle! Dann hinüber zu Pale ins Zelt oder auf Blumfeld warten. Einen Spannungsbogen wissen sie zu erzeugen, die "Immerguten". Wer nämlich denkt, der Rückzug wäre vor den packenden Appleseed Cast auf der Zeltbühne empfohlen, der verpasst druckvoll aneinander gereihte Fragmente ihrer ganz eigenen Landschaft. Oder durchgeknallte Yeah Yeah Yeahs um Frontwiesel Karen O als lebendige Implosion ihrer selbst.

 

 

"These are the Days"

Der Tag darauf. Jason Collett, der sich in Hamburg noch als wahrer Geschichtenerzähler erwies, steht leicht genervt am späten Samstagnachmittag auf der Neustrelitzer Bühne. Irgendein verdammtes Kabel fehlt, und während viele arbeitslose Musiker die Bühne bevölkern, bemühen sie sich um die Kommunikation mit Peter. Peter steht nur 80 Meter weiter und dirigiert wiederum die Bühnencrew. Wir erinnern uns zurück in die Tanzhalle. Kanadisches Picknick und gestohlenes Bier. Joints mit dem Mädchen während des Abschlussballs im Auto und ein in Brand geratener Anzug. Zwischendrin zuppelt er eine Blume aus seinem Sakko. Alles das zwischen diesen wundervollen Songs, die ihm zuhauf Vergleiche mit Dylan oder Petty einbringen. Erneut gibt Collett den jungen Springsteen. So wie er es uns nach dem Hamburger Konzert mit einem entschiedenen "Probably!" versprochen hatte. Mew haben zuvor mit ihrem hymnischen "Comforting Sounds" für einen echten Hinhörer gesorgt, Fotos die Schule gerockt und Amy Millan ein wenig zu sehr das Tempo aus dem Tag genommen. Insgesamt zieht sich das Programm eine gute Dreiviertelstunde nach hinten. Mia. redet viel, begeistert aber die Menge und bringt auch neues Material an den Start. Vorher zeigen Okkervil River mit ihrem jugendlichen Leichtsinn (im besten Sinne des Wortes), was Verzauberung bedeutet. "Tilman's Army" also known as Die Regierung startet ihr Konzert neu, als ("Ich kann so nicht arbeiten!") Nebelschwaden über die Bühne ziehen, und entschuldigen ihre knapp bemessene Spielzeit mit den noch folgenden Auftritten weiterer "zehn kanadischer Bands". Und Tomte? Stehen beim zweiten Stück plötzlich ohne Gitarren da und improvisieren. Später das seltene "Mofa nach England" angeworfen und empathische Reminiszenzen an den kranken Vater zu Hause, die "kanadische Band" und natürlich an das Immergut.

 

"Pink Night "/"We all lose one Another"

Als Broken Social Scene das Festival galant in den Endspurt leiten, haben die Regenwolken schon wieder einen Teilsieg errungen. Nachts wird es noch wie aus Kübeln schütten und stürmen. Einige dürften ihre Umgebung derweil blumig bunt wahrnehmen. Wie die Maiglöckchen, welche am Rande der Bühne eingetopft sind. Tags drauf leert sich der Zeltplatz geradezu gemütlich. Schwere Köpfe und herumliegendes Geäst erleichtern den Aufbruch nicht wirklich. Das Immergut am Rande dieser wirklich freundlichen und gemütlichen Kleinstadt bleibt seinem Namen treu. Nicht durchweg sonnig wie in der Vergangenheit. Etwas Trotz und eigenes Zutun darf es dieses Jahr schon sein. "That's what we call 'Hemdsärmeligkeit' in Germany!" Ohne Karohemden. Stattdessen toben Indieschnecken mit ihren Strolchen auf nassem Gras. So einfach und schön ist das!

 

Some folks are born into a good life
Other folks get it anyway anyhow
I lost my money and I lost my wife
Them things don't seem to matter much to me now
Tonight I'll be on that hill 'cause I can't stop
I'll be on that hill with everything I got
Lives on the line where dreams are found and lost
I'll be there on time and I'll pay the cost
For wanting things that can only be found
In the darkness on the edge of town

Bruce Springsteen - Darkness on the Edge of Town

 

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Links:

>> Festival-Info Immergut 2006 bei POP FRONTAL (mit Band-Infos)

>> Homepage Immergut

>> Festivalbericht Immergut 2005 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Immergut 2004 bei POP FRONTAL

 

 

Art Brut

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Flowerpornoes

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Blumfeld

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Yeah Yeah Yeahs

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Amy Millan

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Fotos

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Okkervil River

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Tomte

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Broken Social Scene

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