Startseite POP FRONTAL

Gesehen! The Whitest Boy Alive, Festland / 24.05.06, Hamburg, Uebel & Gefährlich

S.U.R.P.R.I.S.E. - That's Entertainment

Text: Julia Kussius

Nicht so einfach, das mit dem Nachtleben. In Erinnerung an ewige Wartezeiten bei Konzerten der Weltbühne, die mit mehrstündiger Verspätung begannen, lag es nahe, auch im Uebel & Gefährlich (als heimliche Nachfolgelocation) derartiges zu erwarten. Weit gefehlt, Pünktlichkeit zahlt sich hier nämlich aus, und so war von dem eingeladenen Support Festland keine Spur mehr zu sehen, geschweige denn zu hören, als sich die Aufzugstür im obersten Stock des Bunkers an der Feldstraße öffnete. Zur hellen Freude der späten Besucher lud dafür das Trio um Kings of Conveniences Erlend Øye - bereits euphorisch am Beatshuffeln und Gitarre schwingen – um so eindringlicher ein, den angenehm gefüllten Saal zu betreten.

Erlend Oye

Und exakt ab diesem Moment bot sich für die Dauer eines knappen, aber um so intensiveren Auftritts exzellente Kurzweil und musikalisches Können. Zwischen behändem Dancerhythmus und schmeichelndem Gesang schlich sich im Laufe dieses mitreißenden Konzerts das Gefühl ein, hier einer ganz besonderen Veranstaltung beizuwohnen. Die Band in klassischer Besetzung gab sich nicht nur euphorisch bei der Sache, sondern vermittelte eine Art Jamsession-Gefühl und damit den Eindruck, dass so mancher Part genau jetzt in diesem Augenblick improvisiert wurde und vielleicht in dieser Form noch nie live statt gefunden hat. Faszinierend. Die Mischung aus Funk, Jazz, Dance und Indiegitarren präsentierte sich vor allem tanzfreudig, was auch eine beherzte Coverversion eines unsäglichen (wie Teile des Publikums verlauten ließen) Dancesmashers kaum änderte. Das Publikum goutierte einen wild auf der Bühne tanzenden Erlend ebenso wie flamencohaftes Händeklatschen. Das fügte sich im Gegensatz zu sonst peinlich empfundener Stimmungsmache hier als rhythmisches Element wunderbar in ein ausgefeiltes Set ein. Die Freude an der Musik war sowohl bei Band als auch bei den Zuschauern eben echt und überschwänglich.

 

 

Kein Wunder, denn stellenweise erweckte diese Show das Gefühl, dass die Band mit realen Instrumenten ein perfektes DJ-Set mal eben locker toppen kann. Die Beine wollten nicht still stehen, jedes neue Stück sorgte gerne für eine Überraschung. Am beeindruckendsten (und vielleicht auch am deutlichsten die Stimmung im Raum ausdrückend) war der Moment, als "The Whitest Boy Alive" dankend die Bühne verließ und die wild applaudierende Menge sich nicht wieder beruhigte und auch den Moderator, der eigentlich nur für den weiteren Verlauf des Abends zum Tanzen mit Erobique einladen wollte, so lange nicht zu Wort kommen ließ, bis auch die Band wieder strahlend die Bühne betrat und zur Zugabe ansetzte. Treffender, überzeugender und einstimmiger konnte gar nicht demonstriert werden, dass sich keiner damit abfinden wollte und konnte, dieses berauschende Konzert bereits als beendet zu betrachten.

Auch die drei jungen Herren schienen sichtlich angetan von der Sympathie, die ihnen eine Schar sehr herzlicher Fans entgegen brachte. Angesichts eines derart innovativen Abends erscheint die Erinnerung an ein Forum auf der Leipziger (Pop Up Messe letzte Woche, in dem Musikjournalisten lamentierten, dass es nichts Neues mehr zu entdecken gebe, umso bizarrer. Denn hier spielte die Musik, frisch, ideenreich und emphatisch. Der schlaksige Sympathieträger Herr Øye mit Riesenbrille und charmantem Grinsen ließ uns glauben, dass er auch mit 66 Jahren noch einen facettenreichen Innovationscocktail aus dem musikalischen Ärmel schütteln kann. Es bleibt zu betonen: The Whitest Boy Alive lohnt sich, lohnt sich, lohnt sich!

 

Links:

>> Künstlerinfo The Whitest Boy Alive bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Kings Of Convenience @ Hamburg (01.12.04) bei POP FRONTAL

>> Homepage The Whitest Boy Alive

>> Homepage Erlend Oye

 

 

The Whitest Boy Alive

 

The Whitest Boy Alive

 

Startseite | Tickets | Konzertsuche: Genres | Konzertsuche: Städte | Konzertsuche: Bands A-Z | Konzertsuche: Festivals |

Magazin | Rundbrief | Live-Tipps | Archiv: Live-Berichte |

Konzerte eintragen | Content-Broking | Impressum | Datenschutz

© POP FRONTAL, 2003-2019; Design by Akupower!