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Auch das Line-Up ließ keine Wünsche offen und versprach einige Leckerbissen.
Am Freitagabend startete das Festival mit der Woodstock-Anti-Vietnam-Legende Country
Joy McDonald, der es damals provokativ wagte, 500.000 Leute öffentlich
"Fuck" buchstabieren zu lassen. Auf der Loreley sang er mit Mundharmonika,
Gitarre und eindringlicher Stimme einige kraftvolle Rock- und Bluesnummern. Im
Anschluss zogen Ten Years After mit "Choo choo moma"
und weiteren Bluesrock-Songs erdig druckvoll ab. Neben typisch trockenen Riffs
bot zudem Gründungsoldie Rick Lee mit "Hobbit" ein wuchtig wirbelndes
Drum-Solo. Auch Nazareth mit Rockröhre Dan McCafferty haben
nichts verlernt, mit knackigem Heavysound und eingängigen Balladen sorgten
sie für tolle Abendstimmung. Spätestens "Love Hearts" und
"This Flight Tonight" sangen dann alle Fans im Chor vor der Bühne
mit. Manfred Mann's Earthband bot nach Sonnenuntergang eine phänomenale
Show mit dem unverkennbaren tragenden Keyboardsound vom Meister selbst. Ein perfekter
Live-Leckerbissen mit vielen Mann-Evergreens in rot-blauem Lightshow-Gewand.
Der Samstag startete am sonnigen Vormittag mit einem Gig voller starker Gitarrenriffs
von den Blues- und Heavyrockveteranen Man, die sich in sehr starker
Live-Form präsentierten. Abgrundtiefe Bässe gepaart mit jaulend schönen
Gitarrenbreaks brachten zeitlos schönes Rockfeeling zu den Fans vor der Freilichtbühne.
In der glühenden Mittagshitze kamen dann Focus – und
wie! Drum-Maestro Pierre van der Linden bestach mit zischenden Snare-Soli, dazu
Thijs van Leers Stoßseufzer an seinen vielen Flöten, gepaart mit Soundakrobatik
an der leider selten gewordenen Original-Hammondorgel. Focus spielten ihren berühmt
witzigen Klassik-Rock und ernteten zurecht viel Szenenapplaus von den angetanen
Fans.
Düster mit schwarzer Maske und provokantem "Dieter-Bohlen-T-Shirt"
erschien am Nachmittag der "God of Hellfire" Arthur Brown,
60er-Ikone und Schockvorbild von Alice Cooper bis Marilyn Manson, gutgelaunt on
Stage. Sein amüsantes Äußeres mit tiefer Reibeisenstimme hinterließ
trotz Hitze wohlige Rückenschauer auch in den hinteren Reihen. Folk-Star
Suzanne Vega kam zwischen zwei ausverkauften Konzerten in Holland und France extra
zu ihrem einzigen Deutschlandkonzert auf die Loreley. Mit sanfter Ausstrahlung,
Akustikgitarre und warmer Stimme beeindruckte sie mit berührend starken Songperlen
(z.B. "Luka") und nahm viele Besucher auf eine ruhige und sehr intensive
Traumreise mit.
10cc sagten wegen des Festivals und der einmaligen Loreley-Bühne
ihren weltweit einzigen Auftritt in diesem Jahr zu und konnten mit mehrstimmigen
Funk-Soul-Gesang und vielschichtigem Soundteppichen voll überzeugen. Bei
einigen ihrer zeitlosen Juwelen (z.B. "I Am Not In Love") wollte fast
jeder Besucher diese magievollen Soundmomente selbst ganz nah vor der Bühne
miterleben. Den folgenden Gig der arg schnulzigen Softrocker Barclay James
Harvest nutzten viele Besucher doch lieber für ein gutes Abendessen
mit kühlem Bier, um sich für den grandiosen Sonnenuntergangs-Auftritt
von Hawkwind zu stärken. Mit komplett neuer abgefahrener
Space-Show, unterstützt von genau passender, kunstvoller Tanzchoreografie,
kosmischen Filmclips und fantastischem Sound zogen sie als Headliner an diesem
Sommerabend alle in ihren Trance-Bann. Dabei quälten Masterhawk Dave Brock
und seine Mannen Gitarrensaiten und verschiedene Effektgeräte derart abgefahren,
dass es ein Hochgenusserlebnis war. Nach Meinung vieler Fans war dieser hinreißende
Loreley-Gig einer der besten Auftritte in ihrer langen Bandgeschichte. Wenn Hawkwind
so gut bei ihrer noch nicht bestätigten Herbsttour spielen sollten, kann
mensch sich jetzt schon freuen.
Kaum waren die Leute nach diesem Space-Zuckerl vom Vorabend am Sonntagfrüh
aufgewacht, boten Iron Butterfly mit einem starken kurzen Auftritt
- und dabei mit dem fantastischen 18-Minuten-Kultstück "In-A-Gadda-Da-Vida"
(Im Garten des Lebens) als Höhepunkt - Live-Frühstückskost vom
Allerfeinsten. Dieses geniale Trip-Meisterwerk von 1968 mit fetten Basstupfern,
arrogantem Gesang und diversen Soli genossen viele Fans dann auch wild tanzend
direkt vor der Bühne. Die nach dreißig Jahren gerade in Originalbesetzung
reformierten Pavlov's Dog bewiesen in der Mittagsglut mit Löffelperkussion,
Hallgeräten und erdigem Gitarrensound, dass sie auch aktuell noch erstaunlich
gut drauf sind. Anschließend entführten Caravan das Publikum einfühlsam
melodisch ins "Land of Grey and Pink" auf den Spuren ihres großen
Erfolgsalbums aus den frühen 70ern. Ihre neueren Stücke jedoch wirkten
leider etwas blutleer und ohne wirklichen Pepp.
Canned Heat brachten in der Nachmittagshitze zeitlosen, bestens
tanzbaren und sehr abwechslungsreichen California-Blues- und Boogiesound on Stage.
Ein weiterer Höhepunkt war der Gig des Septetts Jefferson Starship mit Gründungsoldie
David Freiberg. Mit ihrer abgefahrenen Westcoast-Gitarrenmusik, gepaart mit Elektro-Folk
und psychedelischen Exkursen spielten sie sich und Fans phasenweise regelrecht
in Ekstase. Nachhaltig berührte dabei die ausdrucksstarke Stimme von Jefferson-Sängerin
Diana Mangano. Zur Erinnerung: ihr Nichtauftritt auf der Loreley Ende der 70er,
damals noch als Jefferson Airplane, hatte seinerzeit den Brand der Bühne
durch wütende Fans zur Folge
Mut zur Besinnung, im wahrsten Sinn des Wortes, hatte am frühen Abend Ex-Genesis-
Gitarrenmaestro Steve Hackett, der, nur von wunderschönem
Flötenspiel und Minisynthesizer unterstützt, an diversen Akustikgitarren
anmutig romantische Klanglandschaften hingebungsvoll zauberte. Standing Ovations
plus Zugabe waren ihm sicher.
Den den Abend krönenden Auftritt im warmen Sommerabendlicht legten schließlich
die leidenschaftliche Funk'n'Rollband Mother's Finest, deren mitreißende
Live-Gigs schon zum Markenzeichen geworden sind, hin. In Topform voll unbändiger
Spielfreude und unter teils betörendem Gesang der diesmal weißhaarigen
Joyce "Baby Love" Kennedy mit ihrer dynamischen Soul-Gospel-Stimme boten
sie mit einem zweistündigen fetzig funkigem "Abschlussfeuerwerk"
eine beeindruckende Show, die auch die müdesten Besucher von der Liegewiese
zum Tanzen vor die Bühne lockte. Bei ihrer zweiten Zugabe ließ es sich
dann selbst Steve Hackett nicht nehmen, noch einmal auf die Bühne zu kommen
und mit ihnen zusammen eine knackige Rocknummer zu improvisieren.
Fazit: Ein gelungenes Festival-Happening in wunderschönem Naturgelände
zum günstigen Eintrittspreis. Dazu großartige Kultbands, die trotz
(oder gerade wegen?) ihres Alters "voll im Saft" spielten. Mit viel
Platz zum schattigen Abliegen oder Bewegen für die sehr zufriedenen Besucher.
Ein Festival, das wegen all dieser Voraussetzungen natürlich auch deutlich
mehr Gäste verdient gehabt hätte. Laut Veranstalter soll es im nächsten
Jahr eine Fortführung des Events geben. Hingehen lohnt auf alle Fälle
– natürlich auch wegen des einmaligen Veranstaltungsortes.
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Links:
>> Festival-Info 3 Days Of Love And Peace (mit Bandinfos) bei POP FRONTAL
>> Homepage 3 Days Of Love And Peace
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