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Gesehen! 3 Days of Love & Peace Festival / 17. - 19.6.2005, St. Goarshausen, Loreley

Im Garten des Lebens

Text: Carlo G. Reßler      Live-Fotos: Sati

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Auf dem sagenumwobenen Loreley-Felsen hoch über dem Rhein gelegen und mit fantastischer Aussicht über die malerischen Flusslandschaft fand bei heißem Frühsommerwetter ein in Deutschland dieses Jahr wohl einzigartiges Event statt. Beim dreitägigen "Love & Peace"-Festival spielten 20 hochkarätige Original-Bands und Solisten, die mit ihrem Sound schon seit mindestens dreißig Jahren ihre zahlreichen Fans begeistern. Leider nur gut 3000 Fans aus allen Landesteilen und dem Ausland waren bei 30 Grad im Schatten zu der wohl schönsten Freilichtbühne im Lande gepilgert, um an diesem idealen Ort ein Woodstock-Flair im Kleinen wieder aufleben zu lassen. Dabei wurden sie schon beim Einlass anstatt von den allseits bekannten "Stiernacken- Lederkontrollies" von netten Ordnerinnen freundlich begrüßt.

Hawkwind @ 3 Days Of Love And Peace

Hawkwind

Auch das Line-Up ließ keine Wünsche offen und versprach einige Leckerbissen. Am Freitagabend startete das Festival mit der Woodstock-Anti-Vietnam-Legende Country Joy McDonald, der es damals provokativ wagte, 500.000 Leute öffentlich "Fuck" buchstabieren zu lassen. Auf der Loreley sang er mit Mundharmonika, Gitarre und eindringlicher Stimme einige kraftvolle Rock- und Bluesnummern. Im Anschluss zogen Ten Years After mit "Choo choo moma" und weiteren Bluesrock-Songs erdig druckvoll ab. Neben typisch trockenen Riffs bot zudem Gründungsoldie Rick Lee mit "Hobbit" ein wuchtig wirbelndes Drum-Solo. Auch Nazareth mit Rockröhre Dan McCafferty haben nichts verlernt, mit knackigem Heavysound und eingängigen Balladen sorgten sie für tolle Abendstimmung. Spätestens "Love Hearts" und "This Flight Tonight" sangen dann alle Fans im Chor vor der Bühne mit. Manfred Mann's Earthband bot nach Sonnenuntergang eine phänomenale Show mit dem unverkennbaren tragenden Keyboardsound vom Meister selbst. Ein perfekter Live-Leckerbissen mit vielen Mann-Evergreens in rot-blauem Lightshow-Gewand.

Der Samstag startete am sonnigen Vormittag mit einem Gig voller starker Gitarrenriffs von den Blues- und Heavyrockveteranen Man, die sich in sehr starker Live-Form präsentierten. Abgrundtiefe Bässe gepaart mit jaulend schönen Gitarrenbreaks brachten zeitlos schönes Rockfeeling zu den Fans vor der Freilichtbühne. In der glühenden Mittagshitze kamen dann Focus – und wie! Drum-Maestro Pierre van der Linden bestach mit zischenden Snare-Soli, dazu Thijs van Leers Stoßseufzer an seinen vielen Flöten, gepaart mit Soundakrobatik an der leider selten gewordenen Original-Hammondorgel. Focus spielten ihren berühmt witzigen Klassik-Rock und ernteten zurecht viel Szenenapplaus von den angetanen Fans.

Düster mit schwarzer Maske und provokantem "Dieter-Bohlen-T-Shirt" erschien am Nachmittag der "God of Hellfire" Arthur Brown, 60er-Ikone und Schockvorbild von Alice Cooper bis Marilyn Manson, gutgelaunt on Stage. Sein amüsantes Äußeres mit tiefer Reibeisenstimme hinterließ trotz Hitze wohlige Rückenschauer auch in den hinteren Reihen. Folk-Star Suzanne Vega kam zwischen zwei ausverkauften Konzerten in Holland und France extra zu ihrem einzigen Deutschlandkonzert auf die Loreley. Mit sanfter Ausstrahlung, Akustikgitarre und warmer Stimme beeindruckte sie mit berührend starken Songperlen (z.B. "Luka") und nahm viele Besucher auf eine ruhige und sehr intensive Traumreise mit.

10cc sagten wegen des Festivals und der einmaligen Loreley-Bühne ihren weltweit einzigen Auftritt in diesem Jahr zu und konnten mit mehrstimmigen Funk-Soul-Gesang und vielschichtigem Soundteppichen voll überzeugen. Bei einigen ihrer zeitlosen Juwelen (z.B. "I Am Not In Love") wollte fast jeder Besucher diese magievollen Soundmomente selbst ganz nah vor der Bühne miterleben. Den folgenden Gig der arg schnulzigen Softrocker Barclay James Harvest nutzten viele Besucher doch lieber für ein gutes Abendessen mit kühlem Bier, um sich für den grandiosen Sonnenuntergangs-Auftritt von Hawkwind zu stärken. Mit komplett neuer abgefahrener Space-Show, unterstützt von genau passender, kunstvoller Tanzchoreografie, kosmischen Filmclips und fantastischem Sound zogen sie als Headliner an diesem Sommerabend alle in ihren Trance-Bann. Dabei quälten Masterhawk Dave Brock und seine Mannen Gitarrensaiten und verschiedene Effektgeräte derart abgefahren, dass es ein Hochgenusserlebnis war. Nach Meinung vieler Fans war dieser hinreißende Loreley-Gig einer der besten Auftritte in ihrer langen Bandgeschichte. Wenn Hawkwind so gut bei ihrer noch nicht bestätigten Herbsttour spielen sollten, kann mensch sich jetzt schon freuen.

Kaum waren die Leute nach diesem Space-Zuckerl vom Vorabend am Sonntagfrüh aufgewacht, boten Iron Butterfly mit einem starken kurzen Auftritt - und dabei mit dem fantastischen 18-Minuten-Kultstück "In-A-Gadda-Da-Vida" (Im Garten des Lebens) als Höhepunkt - Live-Frühstückskost vom Allerfeinsten. Dieses geniale Trip-Meisterwerk von 1968 mit fetten Basstupfern, arrogantem Gesang und diversen Soli genossen viele Fans dann auch wild tanzend direkt vor der Bühne. Die nach dreißig Jahren gerade in Originalbesetzung reformierten Pavlov's Dog bewiesen in der Mittagsglut mit Löffelperkussion, Hallgeräten und erdigem Gitarrensound, dass sie auch aktuell noch erstaunlich gut drauf sind. Anschließend entführten Caravan das Publikum einfühlsam melodisch ins "Land of Grey and Pink" auf den Spuren ihres großen Erfolgsalbums aus den frühen 70ern. Ihre neueren Stücke jedoch wirkten leider etwas blutleer und ohne wirklichen Pepp.

Canned Heat brachten in der Nachmittagshitze zeitlosen, bestens tanzbaren und sehr abwechslungsreichen California-Blues- und Boogiesound on Stage. Ein weiterer Höhepunkt war der Gig des Septetts Jefferson Starship mit Gründungsoldie David Freiberg. Mit ihrer abgefahrenen Westcoast-Gitarrenmusik, gepaart mit Elektro-Folk und psychedelischen Exkursen spielten sie sich und Fans phasenweise regelrecht in Ekstase. Nachhaltig berührte dabei die ausdrucksstarke Stimme von Jefferson-Sängerin Diana Mangano. Zur Erinnerung: ihr Nichtauftritt auf der Loreley Ende der 70er, damals noch als Jefferson Airplane, hatte seinerzeit den Brand der Bühne durch wütende Fans zur Folge

Mut zur Besinnung, im wahrsten Sinn des Wortes, hatte am frühen Abend Ex-Genesis- Gitarrenmaestro Steve Hackett, der, nur von wunderschönem Flötenspiel und Minisynthesizer unterstützt, an diversen Akustikgitarren anmutig romantische Klanglandschaften hingebungsvoll zauberte. Standing Ovations plus Zugabe waren ihm sicher.

Den den Abend krönenden Auftritt im warmen Sommerabendlicht legten schließlich die leidenschaftliche Funk'n'Rollband Mother's Finest, deren mitreißende Live-Gigs schon zum Markenzeichen geworden sind, hin. In Topform voll unbändiger Spielfreude und unter teils betörendem Gesang der diesmal weißhaarigen Joyce "Baby Love" Kennedy mit ihrer dynamischen Soul-Gospel-Stimme boten sie mit einem zweistündigen fetzig funkigem "Abschlussfeuerwerk" eine beeindruckende Show, die auch die müdesten Besucher von der Liegewiese zum Tanzen vor die Bühne lockte. Bei ihrer zweiten Zugabe ließ es sich dann selbst Steve Hackett nicht nehmen, noch einmal auf die Bühne zu kommen und mit ihnen zusammen eine knackige Rocknummer zu improvisieren.

Fazit: Ein gelungenes Festival-Happening in wunderschönem Naturgelände zum günstigen Eintrittspreis. Dazu großartige Kultbands, die trotz (oder gerade wegen?) ihres Alters "voll im Saft" spielten. Mit viel Platz zum schattigen Abliegen oder Bewegen für die sehr zufriedenen Besucher. Ein Festival, das wegen all dieser Voraussetzungen natürlich auch deutlich mehr Gäste verdient gehabt hätte. Laut Veranstalter soll es im nächsten Jahr eine Fortführung des Events geben. Hingehen lohnt auf alle Fälle – natürlich auch wegen des einmaligen Veranstaltungsortes.

 

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Links:

>> Festival-Info 3 Days Of Love And Peace (mit Bandinfos) bei POP FRONTAL

>> Homepage 3 Days Of Love And Peace

 

 

Suzanne Vega @ 3 Days Of Love And Peace

Suzanne Vega

 

Pavlov's Dog @ 3 Days Of Love And Peace

Pavlov's Dog

 

Jefferson Starship @ 3 Days Of Love And Peace

Jefferson Starship

 

Steve Hackett @ 3 Days Of Love And Peace

Steve Hackett

 

Mother's Finest @ 3 Days Of Love And Peace

Mother's Finest

 

Arthur Brown @ 3 Days Of Love And Peace

Arthur Brown

 

MM's Earthband @ 3 Days Of Love And Peace

MM's Earthband

 

Ten Years After @ 3 Days Of Love And Peace

Ten Years After

 

 

 

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