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6 Jahre Maria: The Fall, Peaches, NMFarner / 03.09.2004, Berlin, Maria am Ostbahnhof

Geburtstagsparty im Nebel der Polytoxikomanie

Text: Mikel Plett

Der Berliner Club "Maria am Ostbahnhof" feiert seinen sechsten Geburtstag, und alle gehen hin. Sogar pünktlich! Die Schlange reichte um kurz nach elf bereits bis hoch auf die Straße. Aber was als kurioses Phänomen begann, schlug bald in Unverständnis bis Ärger um, denn bis zum Auftritt der ersten Band sollte es noch beinahe zwei Stunden dauern. Eine Herausforderung an Kondition und Willensstärke, denn wer nicht von einer harten Woche lädiert der physischen Erschöpfung nahe war, der lief Gefahr, die Auftritte von NMFarner, Peaches und The Fall nur noch durch den dichten, schweren Nebel der Polytoxikomanie zu erleben. Deshalb darf es nicht verwundern, wenn an dieser Stelle die Berichterstattung über den weltgrößten Nuschler der Musikgeschichte samt seiner jungen Band etwas kurz ausfällt.

Mark E. Smith / The Fall

Mark E. Smith / The Fall

Immerhin knapp drei Uhr morgens war es bereits, als sich Herr Smith zum Rest der aktuellen Besetzung von The Fall auf die Bühne begab. Die reizende Begleitung des Berichterstatters war bis dato schon (und nicht als einzige) auf den gemütlichen Ledersofas eingeschlafen. Das restliche Publikum in der ausverkauften Maria dankte allerdings mit frenetischem Beifall. Hin und her gerissen zwischen Freude und Gefasstheit war die Spannung der Besucher mit Händen greifbar. Jedoch wich sie schon beim ersten Song, denn höchstens halb so fertig wie erwartet, aber mit dem bekannt schauerlichen Gesichtsausdruck überraschte Mark E. Smith alte und neue Fans mit einer Agilität, die ihm so wohl niemand zugetraut hätte. Vielleicht lag es auch an der aktuellen Besetzung von The Fall, die zwar im Durchschnitt 20 Jahre jünger als ihr Frontmann ist (bzw. 40 Jahre jünger, als er aussieht), aber problemlos die Maria rockte. Unbeantwortet bleiben muss an dieser Stelle, ob damit das Rekordtief der vergangenen Jahre überstanden ist. Zu hoffen wäre es ja. Bleibt nur die Aufforderung, sich eines der Konzerte im Oktober anzuschauen. Es lohnt sich, so oder so.

Gut zwei Stunden früher war es Peaches, die den vorläufigen Höhepunkt des Abends gestaltete. Statt wie angekündigt Platten aufzulegen, wirbelte die Exil-Berlinerin in gewohnter Manier über die Bühne, wechselte nach oder während der Stücke die knappen Kostüme, prügelte auf ihre Gitarren ein und gab eine kleine Bondage-Show zum Besten. Unterstützung bekam sie von ihren beiden mal dildobehangenen, mal bestrapsten, mal in Lack und Leder gehüllten Assistentinnen. Während "Rock’n’Roll" stürzte sie plötzlich und blieb einen Moment auf der Bühne liegen. Anscheinend unter Schmerzen brachte sie das Lied zu Ende, bevor sie noch einen Mund voller (hoffentlich) Kunstblut ins Publikum spuckte und ohne weiteren Kommentar die Bühne verließ.

Und dann waren da noch NMFarner, das neue Projekt von Mascha Qrella (Komeit, Mina), Norman Nitzsche (Mina) und Chrigel Farner, der schon bei Knarf Rellöm und Fingerpoke am Schlagzeug saß und ganz vortreffliche Comics zeichnet. Beängstigend gut war das, was die drei da als undankbarerweise erste Band des Abends ablieferten. Zwar hatten sie etwas Pech mit dem Gitarrenverstärker und spielten zwei Stücke fast ganz ohne Gitarre, überzeugend war das Dargebotene aber trotzdem. Norman Nitzsches Gesang klingt wie eine Mischung aus dem frühen Knarf Rellöm und dem aktuellen Schorsch Kamerun. Indie-Punk-Rock par excellence. Von denen werden wir garantiert noch hören, zum Beispiel im Oktober als Support der Sterne.

Nicht vergessen werden sollen an dieser Stelle auch die zahlreichen DJ’s: Gudrun Gut, Chefin vom Berliner Monika-Label, war ebenso mit von der Partie wie die Berliner Housemeister, die schon fast zum Inventar der Maria gehören. Weitere Plattendreher waren M. Freese & Preed, DJ Coop, Andre Herzig & Maurice und DJ Lobotomy, der übrigens den Auftritt von The Fall mit einem mehrminütigen Loop von Mark E. Smiths Stimme ankündigte. Leo Cubanero und André Gardeja brachten währenddessen die Lounge mit straighter bis housiger Konservenmusik zum Kochen.

Der Berichterstatter allerdings befand sich da schon auf dem Heimweg, verwirrt und übermüdet, die schläfrige aber stets charmante Begleitung stützend und die gesammelten Eindrücke des Abends verarbeitend. Wer auch immer in 20 Jahren die Uralt-Rock-Legende sein wird, wenn sie sich so schlägt wie Herr Smith, wird’s schon nicht so schlimm werden.

 

Links:

>> Homepage Maria am Ostbahnhof

>> Fotostrecke 6 Jahre Maria bei berlin.nachtagenten.de

>> Festival-Tip! (01.09.04): 6 Jahre Maria - ein Berliner Club feiert Geburtstag

>> Tourinfo The Fall bei POP FRONTAL

>> Tourinfo Peaches bei POP FRONTAL

>> Tourinfo NMFarner bei POP FRONTAL

>> Konzerte @ Maria bei POP FRONTAL

 

 

Maria am Ostbahnhof

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The Fall

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Peaches

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NMFarner

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