Kurz und schmerzlos
Text: Mathias Frank
Dienstagabend, der Hamburger Hafen, ein seltsames Bild - ein sympathisches Bild:
dem Rentenalter nahe Geschäftsmänner in teuren Anzügen überqueren
gemeinsam mit tätowierten Jugendlichen in viel zu weiten Hosen die Straße.
Pikfeine Damen schauen neugierig in den Hafenklang, die Punks schauen Richtung
Nobelrestaurant. Die einen trinken Bier, die anderen führen ihre reinrassigen
Hunde Gassi und freuen sich auf ein kühles Glas Champagner. Der Hafenklang,
ein winziger Punkrock-Schuppen, liegt zwischen hohen, neuen, teuren Gebäuden
fast direkt an der Elbe, und niemanden stört es.
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Against Me! haben sich angesagt, um die letzte Show ihrer Europa-Tour zu spielen.
Die beginnt erst um 22.30 Uhr, die ersten Fans kommen aber schon um acht, schlürfen
ihr Astra und pflanzen sich auf die Bänke oder ans Wasser. Als das Quartett
aus Florida dann loslegt, ist der Laden rappeldickelvoll. Nichts geht mehr, keiner
kann sich bewegen, nicht wenige sehen kaum noch die Bühne. Es ist heiß,
es ist stickig, es ist Punkrock. Against Me! spielen als erstes, denn sie müssen
direkt nach der Show nach Frankfurt, um dort in den Flieger zu steigen. Von da
aus fliegen sie über Texas (!) nach Florida.
Von Hektik oder Zeitdruck ist aber nichts zu spüren, die Show ist schlichtweg
ein Hammer. Ein Hit nach dem anderen wird hingerotzt, sowohl aktuelle Nummern
von "The Eternal Cowboy" als auch Semi-Klassiker ihres Debüts
"Reinventing Axl Rose". Die Folk-, Blues- oder Country-Zutaten werden
sehr sparsam benutzt, meist gibt es auf die allseits beliebte Zwölf. Doch
das macht nichts, das passt!
Das Volk dreht durch, wirft Konfetti, und immer wieder verirrt sich ein Surfer
über die Köpfe des recht FatWreck-untypischen Publikums, das sich aus
wenigen Kids, aber vielen erwachsenen Punkrockern und Musikliebhabern zusammensetzt.
"Wir brauchen sofort Jägermeister", sagt Sänger und Gitarrist
Tom. "Wer uns vier Jägermeister auf die Bühne bringt, bekommt
nachher eine CD. Oder ein T-Shirt. Oder was er will." Irgendwie sind eben
doch alle Amerikaner gleich...
Tom und Bassist/zweiter Sänger Andrew stehen seitlich zum Publikum,
schauen sich beim Singen und Schreien an und bieten eine energetische Mörder-Show,
wie man sie selten gesehen hat. Jeder der vier ist stets in Bewegung, animiert
zum Klatschen, springt und schreit. Tom wird getragen, singt A-Capella, und der
Schweiß tropft von der Decke und aus den Ärmeln der Band. Jeder ist
begeistert, und selbst als nach bereits 35 Minuten Schluss ist, ist niemand sauer
– schließlich stehen der Band sechs Stunden im Auto und ca. 15 im
Flieger bevor. Jeder freut sich, an diesem Abend dabei gewesen zu sein. Und mindestens
genauso auf die frische Luft danach!
Vor dem Konzert gab es ein Interview mit Sänger und Gitarrist Tom und Schlagzeuger Warren:
>> Zum Interview
Links:
>> Homepage Against Me!
>> Against Me! - As the Eternal Cowboy: Reinhören und Kaufen bei amazon.de
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Against Me!
Against Me! - As the Eternal Cowboy(Fat Wreck/SPV)
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