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Gesehen! Arrested Development / 3.8.2004, Hamburg, Mandarin-Kasino

Frieden und Flip Flops im Kasino

Text: Alexandra Beck   

Es ist der 3. August und endlich Sommer. Sogar in Hamburg. 30° und keine Wolke am Himmel. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sich am Dienstagabend ordentlich Volk auf der Hamburger Reeperbahn tummelt. Verwunderlich aber ist, dass viele dieser Menschen sich nicht auf dem Weg in die Beach-Clubs an der Elbe befinden, sondern ins Mandarin-Kasino drängen. Stickige Luft, schwarz gestrichen und verdammt eng, nicht gerade der richtige Ort um einen lauen Sommerabend zu verbringen! Doch der Grund ist ein wirklich guter: nach zehn Jahren haben Arrested Development ihr neues Studioalbum "Among the Trees" auf den Markt gebracht. Das nahm sich der Radiosender NJoy zum Anlass, ein exklusives Konzert mit den Hip-Hoppern zu veranstalten, für das es die Karten nur zu gewinnen gab.

Arrested Development

Gegen 20.30 Uhr ist das Mandarin-Kasino proppevoll. Während sich im hinteren Barbereich wenige Gewinner, sondern eher die geladenen Gäste von der Presse, den Labels und anderen aus der Ich-kenn-jemanden-der-jemanden-kennt-Szene tummeln, warten in den ersten Reihen geduldig die Fans auf Speech und seine Band. Das nicht alle 19 kommen werden, ist klar, dafür ist die Bühne im Mandarin-Kasino viel zu klein. Und mit dem DJ-Pult, Schlagzeug, Bongos, Gitarren und drei aufgebauten Mikros eigentlich auch ohne Künstler schon gut ausgelastet.

Doch Speech, die Sängerin Nicha und Rapper Spencer Love komplettiert durch DJ, Drummer und Gitarristen haben genug Platz um auf die Bühne zu stürmen. Gleich der erste Song ist natürlich von ihrem neuen Album. Alle, die sich das Album noch nicht am Vortag, dem Veröffentlichungstermin gekauft haben, erleben eine positive Überraschung. Der soulig, warme Sound der frühen Jahre ist geblieben, trägt dabei aber ein erfrischend modernes Gewand. Ebenso wie die Protagonisten des Abends. Der Kleidungsstil ist ein Gemisch aus traditioneller Bekleidung und Streetwear. Bei Speech finden wir eine Hommage an Bob Marley auf seinem Khaki-Hemd, das er über bunte Hosen trägt, Spencer mag es umgekehrt und trägt lieber Jeans zu seinem Gewand. Und über Nicha in ihrem aus Tüchern und Kleid kombinierten Outfit ist nur zu sagen: wie kann man so umwerfend sexy sein und so eine irre Stimm- und Tanz-Perfomance hinlegen?!

Wie bei den meisten Konzerten kann man doch leider auch hier das Hamburger Phänomen beobachten, dass auf der Bühne großartige Künstler alles geben und das Publikum gepflegt mit dem Bierchen in der Hand den Kopf nicken und den Fuß wippen lässt. Im Gegensatz zu Pharrell von N.E.R.D. hält sich Speech zurück und ermahnt das Publikum nicht. Er setzt auf altbewährte Techniken und Phrasen wie, "Clap your Hands" und "Hey Ho". Und tatsächlich, ein wenig wirkt es auch. Ebenfalls ein durchaus weiter zu empfehlender Trick: bei den Refrain-Einsätzen des Publikums die an der Saaldecke angebrachten Mikros voll aufdrehen und so den Gästen suggerieren, dass es toll laut ist, und alle dadurch noch mehr Schreien.

Die aktuelle Single-Auskopplung "Honeymoon Day" lässt den Knoten platzen und weckt auch die letzten Rumsteher aus ihrer Lethargie. Wer die Album-Version hört, wird verstehen, dass bei diesem Song definitiv nicht mal der noch so coolste Mensch seinen Körper vom Tanzen abhalten kann, und durch die unglaubliche Live-Energie potenziert sich die Wirkung des Songs noch. Natürlich dürfen aber auch ihre größten Hits aus den frühen Tagen wie "Mr. Wendal" und "Tennessee" nicht fehlen. Während die ganze Show druckvoll nach vorne geht, gibt es nochmal eine Verschnaufpause und eine gehörige Portion Gänsehaut, als Speech und Nicha eine von der Akustik-Gitarre begleitete Version von Bob Marleys "Redemption Song" anstimmen. Ein paar mahnende Worte für den Frieden gibt es auch mit auf den Weg - und welche Hip-Hop-Band außer Arrested Development kann derzeit von sich behaupten, dermaßen die Ärsche zu bewegen und dabei nicht von selbigen zu singen. Ihre Musik nennen sie selbst Life-Musik - ein gelungenes Wortspiel, das den Geist dieser Band auf den Punkt bringt. Zeitgemäße Musik mitten aus dem Leben, die auf einem ausgeprägtem Wertesystem und einer ehrlichen Message beruht.

Mit "People Everyday" gibt es dann eine gelungene und frenetisch gefeierte Zugabe, die eigentlich gelangt hätte, um den Abend perfekt zu machen. Doch A.D. setzen noch einen drauf und laden ihre Fans ein, noch eine weitere Stunde zu bleiben, um mit ihnen das neue Video zu drehen! Als Fazit bleibt: den restlichen Sommer könnt ihr A.D. noch auf wenigen Konzerten und Festivals sehen. Seht zu, dass ihr Tickets kauft - ausgenommen für Frankfurt, denn dies ist auch ein exklusives Radio-Konzert von You FM, und Ihr müsst die Tickets gewinnen - und Euch dieses Ereignis nicht entgehen lasst. Denn wer weiß, vielleicht dauert es wieder zehn Jahre bis zum nächsten Album. Und für alle Hamburger, die keine Tickets gewonnen haben: am 13. September gibt es noch ein reguläres Konzert im Mandarin-Kasino!

 

Links:

>> Künstlerinfo Arrested Development bei POP FRONTAL

>> Tourdaten Arrested Development bei POP FRONTAL

>> Homepage Arrested Development

>> Arrested Development - Among The Trees: Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

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Arrested Development - Among The Trees

(Edel/Edel)

 

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