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Gesehen! Berlin Festival 2011 / 09. - 10.09.2011, Berlin, Flughafen Tempelhof

Neustart: Das Berlin Festival 2011

Text: Michael Kellenbenz      Live-Fotos: Geert Schäfer (Pressefreigabe)

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Zweite Chancen schienen im Spätsommer 2011 Trend zu sein? Fragen Sie mal Guido Westerwelle, liebe Leser. Fragen Sie auch Bobby Gillespie, fragen Sie den Wettergott, Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad. Oder die Veranstalter des Berlin Festivals. Vor einem Jahr hatte sich das Event scheinbar selbst in die ewigen Jagdgründe geschossen: aus Sicherheitsgründen musste es gar abgebrochen werden. Entsprechend wackelig und hoch lagen verständlicherweise alle nur denkbaren Messlatten.

Beginner

Beginner

Nicht wirklich lange sollte es dauern, bis die Bedenken salzkornartig zerstreut waren und der Vorfreude auf ein delikates Line-Up für das geschmackssichere Indie-Publikum Platz machten. Und so perfekt der sanfte "Limit to Your Love"-Auftakt am sehr frühen Freitagnachmittag mit James Blake auf der Hauptbühne gemütlich-elektronische Verzauberung erzeugte, so sehr erwies sich der gesamte erste Tag noch als Mischung aus Hoffnung und Neugier. Hoffnung zum Beispiel auf einen fortan etwas weniger basslastigen Wumms, Neugier darauf, wie sich das neu konzeptionierte "grenzenlose Vergnügen" in der Praxis bewähren würde. Personenschleusen? Zäune? Bühnen in geschlossenen Hangars? Alles nämlich (und mit Erfolg) Fehlanzeige.

Stattdessen einladend ausladende Flächen auf dem Betonfeld des ausgedienten Flughafens Tempelhof, Bühnensicht von allen erdenklichen Seiten, abwechslungsreiches Gastro-Angebot. Nur das bereits erwähnte Salz schien sich auf den Getränkepreisen niedergelassen zu haben. Gegensätze wie die "Silent Disco" und ein Autoscooter am Rande standen Pate für das kontrastreiche Geschehen auf den drei Bühnen. Nachdem etwa das neue Cityslang-Signing Waters vor viel zu wenigen Indie-Nerds Albumveröffentlichung feierte (und andernorts das anwesende Popkomm-Fachpublikum lieber sich selbst), schleppten sich die Stunden mal mehr (Austra, Yelle, The Drums), mal deutlich weniger schluffig (The Rapture, Clap Your Hands Say Yeah) in Richtung Abend.

Ob in der Dunkelheit dann Primal Scream mit ihrer "Screamadelica"-Show oder doch die weitaus knackigeren Suede die bessere Nostalgie-Wahl waren, darüber dürfte sich im Publikum die Meinungs-Waage im Gleichgewicht gehalten haben. Die hinter furiosen Animationen im hochgeschlossenen Anzug fast unsichtbaren Kruder & Dorfmeister und ihre "Past vs. Present vs. The Future of G-Stone"-Show im Anschluss (und ausgelagert unter dem Dach der Arena-Halle) entzogen sich solcher Fragen dagegen wie von selbst.

Und was ist über den Sonnabend zu sagen, der am Ende vollends im Zeichen der Beginner-Reunion und einem überaus freundlichen Sonne-Wolken-Mix stehen sollte? Dass wir es mit einem nahezu perfekt getimeten Festivaltag zu tun hatten zum Beispiel. Zum Aufwärmen mit den hyperaktiven Retro Stefson und Kraftklub, einer Amy Winehouse-Toastbrotcollage im Art Village, mit den experimentell angekommenen Tune-Yards, dem aktuellen Soul-Standard Aloe Blacc, den herrlich psychedelischen The Black Angels, dem Anscheinend-immer-noch-Hype The Naked And "Auch wir spielen unseren Hit am Ende" Famous. Es war Beirut zu Beginn der Dunkelheit vorbehalten, für weiche Kontraste zum elektrolastigen Gesamtbild zu sorgen. Es war der Beat-Lawine Boys Noize überlassen, die Kraftverhältnisse und Lautstärke wieder einer Flughafen-Kulisse anzupassen. Und es waren die Beginner, die beinahe alle Besucher um sich vereinten.

Delay im schwarzen Shirt und im Dienst der großen Sache auf augenhöhegleicher Präsenz mit dem Kollegen Denyo. Darüber DJ Mad am Plattenthron in luftiger Höhe. Die Best-Of-Show mit Wiedersehens-Versprechen für das kommende Jahr passend zum allgemeinen Tenor durch angenehme Nuancen elektronischer Zugaben verfeinert, Finetuning in den Arrangements und nicht eben wenig Neunziger-Gefühl. Dass sie dazu Opus' "Live is Live" durch den Kakao zogen, ohne peinlich zu scheitern, Albernheiten über Sportschuhe zelebrierten und am Ende sogar die Viecher aus der "Blast Action Heroes"-Zeit auf die Bühne und zum Crowdsurfing baten, lässt sieben Jahre Pause beinahe vollends verdampfen. Dass zu allem Überfluss nach der enthusiastisch gefeierten Reunion noch ein paar letzte Mogwai-Klänge von der zweiten Bühne im Stroboskopgewitter herüber wehten, war dann nicht weniger, als eine letzte bedingungslose Ansage, dass es mit diesem urbanen Festival dringend weitergehen muss im kommenden Jahr.

 

 

 

Links:

>> Festival-Info Berlin Festival 2011 (mit Bandinfos) bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (18.07.11): Berlin Festival - Junk-Food und Konjunktur

>> Video "Berlin Festival 2011 @ Pop 10" bei youtube.com

>> Homepage Berlin Festival

 

Suede

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Boys Noize

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Primal Scream

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Beginner

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