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Gesehen! Black Sabbath / 09.06.2005, Dortmund, Westfalenhalle

Im Mekka der düsteren Riffs

Text: Carlo G. Reßler

 

Die Pioniere des Heavy-Rocks haben in ihrer 35-jährigen Bandgeschichte alle Höhen und Tiefen des Rockbusiness durchlebt und waren Vorbild für zig Bands nach ihnen. Mit ihren schweren, bleiernen Riffs, hymnischen Songs und ihrem ekstatischen Frontmann spielten Black Sabbath in den 70ern lauter, härter und oft besser als die anderen. In Dortmund, der ersten Station ihrer überraschenden Europatour wollten sie in Originalbesetzung unter Beweis stellen, dass ihre lange Abwesenheit nur wie "ein kurzer Urlaub" war.

Black Sabbath

Kurz nach 21 Uhr erklang plötzlich unsichtbar ein vielfaches "Olé, Olé, Olé" aus dem Off der Bühne. Wild Ozzy hatte sich in der Garderobe das Mikro schon vorab geschnappt und stimmte so sich und die knapp 10.000 mitsingenden Fans in der riesigen Westfalenhalle auf den Beginn einer grandiosen Show ein. Mit "NIB" und "After forewer" starteten die Jungs sodann direkt voll durch: glasklarer wuchtiger Sound, effektvolle Lightshow, passgenaues Drum- und Gitarrenspiel und dazu die abgefahrene Stimme von Ozzy produzierten Freudentränen und Gänseschauer zugleich bei den enthusiastisch mitgehenden Fans.

Die folgende, nichts an Brisanz verlorene Antikriegshymne "War Pigs" brachte zweierlei zutage: Drummer Bill Ward prügelte ab da für den Rest des Gigs seine Doppelbass-Drums nur noch mit bloßem Oberkörper, und Ikone Ozzy ließ mit dem Slogan "Same assholes, different shit" kurz die Hosen runter, um den Fans unter riesigem Jubel seinen knackigen Allerwertesten zu präsentieren. Überhaupt schien "Iron Man" Osbourne in Bestlaune zu sein, der von Drogenexzessen und einem schweren Unfall mit einem Quad genesene 56-jährige zuckte orgastisch im schwarzen Overall inbrünstig singend vor dem Mikro, animierte ständig die Fans zum Mitgehen ("Fucking louder!"), trank während der Show literweise Tee, rannte wie ein Wiesel über die Bühne und liebte Wasserspiele: mindestens zwölf große Eimer schüttete er während der Show auf sein Haupt und – zur Freude aller – immer wieder in die Ordner vor der Bühne. Übrigens hat die Band extra für die Tour einen "Waterman" engagiert, der stets neue Wassereimer auf die Bühne schleppte.

Von "In the Void" und "Sweet Leaf", über "Black Sabbath", "The Wizard" und "Paranoid" bis hin zu "Children of the Grave" als Zugabe: fast alle grandiosen Sabbath-Hymnen feierten während der Show unter lautem Mitgesang der Fans ein überzeugendes Live-Comeback.

Fazit: auch ohne neues Album ist die Band zweifellos in der Live-Form ihres Lebens. Geezer Butlers knackige Bassläufe kamen donnernd stets punktgenau im Bauch an, Toni Iommy flankierte ihn dabei gelassen mit seinen göttlichen Gitarren-Riffs, dazu ließen Bill Wards Drum-Orgien viele Besucher zu "Luftschlagzeugern" werden und Ozzys röhrende ekstatische Stimme samt Showeinlagen haben absolut nichts an ihrer Dynamik und Faszination verloren. Zurecht folgten minutenlang Standing Ovations der Fans. Wohl dem, der dieses besondere Event miterleben konnte oder noch rare Tickets für eine der kommenden Shows ergattern kann.

 

Links:

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Black Sabbath

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