Im Mekka der düsteren Riffs
Text: Carlo G. Reßler
Die Pioniere des Heavy-Rocks haben in ihrer 35-jährigen Bandgeschichte alle
Höhen und Tiefen des Rockbusiness durchlebt und waren Vorbild für zig
Bands nach ihnen. Mit ihren schweren, bleiernen Riffs, hymnischen Songs und ihrem
ekstatischen Frontmann spielten Black Sabbath in den 70ern lauter, härter
und oft besser als die anderen. In Dortmund, der ersten Station ihrer überraschenden
Europatour wollten sie in Originalbesetzung unter Beweis stellen, dass ihre lange
Abwesenheit nur wie "ein kurzer Urlaub" war.
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Kurz nach 21 Uhr erklang plötzlich unsichtbar ein vielfaches "Olé,
Olé, Olé" aus dem Off der Bühne. Wild Ozzy hatte sich
in der Garderobe das Mikro schon vorab geschnappt und stimmte so sich und die
knapp 10.000 mitsingenden Fans in der riesigen Westfalenhalle auf den Beginn einer
grandiosen Show ein. Mit "NIB" und "After forewer" starteten
die Jungs sodann direkt voll durch: glasklarer wuchtiger Sound, effektvolle Lightshow,
passgenaues Drum- und Gitarrenspiel und dazu die abgefahrene Stimme von Ozzy produzierten
Freudentränen und Gänseschauer zugleich bei den enthusiastisch mitgehenden
Fans.
Die folgende, nichts an Brisanz verlorene Antikriegshymne "War Pigs"
brachte zweierlei zutage: Drummer Bill Ward prügelte ab da für den Rest
des Gigs seine Doppelbass-Drums nur noch mit bloßem Oberkörper, und
Ikone Ozzy ließ mit dem Slogan "Same assholes, different shit"
kurz die Hosen runter, um den Fans unter riesigem Jubel seinen knackigen Allerwertesten
zu präsentieren. Überhaupt schien "Iron Man" Osbourne in Bestlaune
zu sein, der von Drogenexzessen und einem schweren Unfall mit einem Quad genesene 56-jährige
zuckte orgastisch im schwarzen Overall inbrünstig singend vor dem Mikro,
animierte ständig die Fans zum Mitgehen ("Fucking louder!"), trank
während der Show literweise Tee, rannte wie ein Wiesel über die Bühne
und liebte Wasserspiele: mindestens zwölf große Eimer schüttete
er während der Show auf sein Haupt und – zur Freude aller – immer
wieder in die Ordner vor der Bühne. Übrigens hat die Band extra für
die Tour einen "Waterman" engagiert, der stets neue Wassereimer auf
die Bühne schleppte.
Von "In the Void" und "Sweet Leaf", über "Black
Sabbath", "The Wizard" und "Paranoid" bis hin zu "Children
of the Grave" als Zugabe: fast alle grandiosen Sabbath-Hymnen feierten während
der Show unter lautem Mitgesang der Fans ein überzeugendes Live-Comeback.
Fazit: auch ohne neues Album ist die Band zweifellos in der Live-Form ihres Lebens.
Geezer Butlers knackige Bassläufe kamen donnernd stets punktgenau im Bauch
an, Toni Iommy flankierte ihn dabei gelassen mit seinen göttlichen Gitarren-Riffs,
dazu ließen Bill Wards Drum-Orgien viele Besucher zu "Luftschlagzeugern"
werden und Ozzys röhrende ekstatische Stimme samt Showeinlagen haben absolut
nichts an ihrer Dynamik und Faszination verloren. Zurecht folgten minutenlang
Standing Ovations der Fans. Wohl dem, der dieses besondere Event miterleben konnte
oder noch rare Tickets für eine der kommenden Shows ergattern kann.
Links:
>> Künstlerinfo Black Sabbath bei POP FRONTAL
>> Homepage Black Sabbath
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Black Sabbath
Black Sabbath: Reunion
(Epc / Sony BMG)
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