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Gesehen! Boysetsfire, The Menzingers / 23.08.2011, Hamburg, Markthalle
Ein Wort: grandios
Text: Mathias Frank Live-Foto: Mathias Frank (Hurricane 2011)
Das gut frisierte Jungvolk hat an diesem Abend etwas Besseres zu tun und pilgert geschlossen zu 30 Seconds To Mars auf die Trabrennbahn. Die alten Säcke haben dafür die Hamburger Markthalle für sich und füllen diese mehr als ansehnlich. Kein Wunder, denn die relativ frisch wiedervereinten Boysetsfire sind auf Tour und spielen zwischen Festivals auch ein paar Clubshows. In diesem Fall: eine grandiose Clubshow.
Kurzer Rückblick. 2007 hatten sich die Hardcore-Helden um Nathan Gray aufgelöst. Und so toll dessen Nachfolge-Projekte wie The Casting Out auch waren: der Split hinterließ ein Loch und machte eine ganze Szene traurig. Bis zum vergangenen Jahr. Die Band fand sich wieder zusammen, trat wieder auf und war im Sommer 2011 ausgiebig auch bei uns unterwegs. Unter anderem spielten sie das Hurricane Festival und konnten uns auch unter freiem Himmel überzeugen. Doch klar, Club ist Club und Festival ist Festival. Jeder weiß, wo Boysetsfire die noch bessere Figur machen. Im Club. Hier und heute. In Hamburg.
Den Anfang machen The Menzingers, aber irgendwie wollte die keiner sehen. Dabei sind sie gut - und das sogar so richtig. Aber an diesem Abend? Klappte es nicht und ihre Lieder zwischen Hot Water Music und dem Polar Bear Club verrecken leider in der Leere der Halle. Denn viele sind noch nicht am Start, sondern freuen sich an der frischen Luft oder im Foyer auf Boysetsfire. Das ist nicht gut für The Menzingers, und das ist schade. Aber sie haben es auch nicht leicht, vor SO einer Band an SO einem Abend spielen zu müssen.
Die Protagonisten lassen dann etwas auf sich warten, es gibt technische Probleme mit dem Intro oder so. Es stört keinen, es ist vollkommen egal. Auch Nathan lacht darüber und entschuldigt sich für die Unprofessionalität. Und legt dann los. Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Mit "Release The Dogs" oder "Eviction Article" geht es direkt knüppeldick los, die Meute setzt sich in Bewegung und feiert. Sie feiert gemeinsam, sie lacht und singt, und niemand macht hier auf Prollo. "Oh, war das dein Bier? Moment, ich hol dir ein neues." Die Atmosphäre ist fantastisch, die Band ist es auch und die Setlist sowie so. "Walk Astray", "Empire", "Pure" - schon früh verschießen sie eine Menge Pulver. Aber sie können es sich leisten.
Schnell verliert man das Gefühl von "Wir hier unten, die da oben", denn von Anfang an ist es ein gemeinsames Erlebnis. Band und Fan feiern gemeinsam, und Boysetsfire scheint das sichtlich zu gefallen. Fast wirken sie ein wenig peinlich berührt, wenn sie klatschen, sich bedanken oder einfach nur mal zufrieden lächeln. Doch viel Zeit zum Denken haben sie gar nicht. Sie zocken hier munter weiter und machen die vielleicht 1.000 Leute schlicht und ergreifend glücklich. Damit sie aber nicht auch komplett k.o. gehen, bauen sie ein ziemlich lässiges Akustik-Set ein: Nathan singt "Ten And Counting" und "With Every Intention" alleine. Und ja, das passt. Genau wie der Reigen an anschließenden Hits. "Requiem", "The Misery Index", später natürlich "My Life In The Knife Trade", zwischendurch Bassist Robert beim Stagediving und zum Abschluss "After The Eulogy" und "Rookie". Eben der Wahnsinn. Im Club. Grandios.