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Gesehen! Burg Herzberg Festival / 20. - 23.07.2006, Breitenbach bei Fulda

Nichts, was ihr seht, ist von Bestand!

Text: : Carlo G. Reßler       Live-Fotos: >> Sati & >> Christof Krackhardt

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Es begab sich zu jener merkwürdigen Zeit, die mehr und mehr von iPods und Handyklingelton-Hitparaden beherrscht wurde, dass alljährlich an den heißen Tagen und Nächten des Juli eine nicht enden wollende bunte Karawane zum Fuße des "heiligen" Herzbergs nach Osthessen pilgerte, um dort das freie Leben und sich selbst zu feiern sowie die zahlreich erschienenen "Götter der Musik" zu lobpreisen. Und es war eine besondere Zeit, die kaum jemand aus dem großen Volk der Angereisten missen wollte.

Orange / Rainer von Vielen

Orange / Rainer von Vielen

Und weil sich die einzigartige Magie dieses Festivals in unserem Lande herum gesprochen hatte, kamen in diesem Jahr in die idyllische Wald- und Wiesenlandschaft unterhalb der Burg Herzberg mit ca. 9000 Abgesandten aus dem schillernden Volk der Alt- und Junghippies noch mehr Besucher ins "land of milk and honey" als in den vielen Jahren zuvor. Dabei brachten sie viele kuriose Erscheinungen mit nach "FreakCity", wie etwa eine große Sofazeltlandschaft mit erlesenen Getränken unter dem Namen "Bar aller Sinne", die wichtige "Astrologische Notberatung" vor Ort, den riesigen Massage-Swimmingpool und auch das unwiderstehliche Angebot von "euterfrischer Ziegenmilch zum Bio-Schonkaffee".y

Auch musikalisch präsentierte sich mit über 30 Bands auf zwei Bühnen wieder ein erlesenes Potpourie alternativer Multikultimusik. Auf der kleineren Bühne "Freakstage" kamen eher innovative Newcomer-Bands zum Zuge, von denen sicher einige künftig auch in größerem Rahmen zu hören sein werden. Überzeugen konnten hier besonders die Progrocker Treacle People aus Mannheim, die Elektronik-Psychedeliker Zone Six und die Rumänen NU mit ihren gefühlvollen Worldmusic-Soundteppichen.

 

 

Bereits am ersten Abend zelebrierten auf der Hauptbühne Space Debris exzellente Livemusik mit spontanen Improvisationen. Ein Highlight des Folgetages war sicher die reformierte Symphonicrock-Band Hölderlin. Konnten sie schon im vergangenen WDR-Krautrockpalast (POP FRONTAL berichtete) voll überzeugen, gelang ihnen auch unter freiem Himmel eine wunderbare Symbiose aus alten und brandaktuellen Songs. Die Stimme von Sängerin Ann-Yü hob in der einfühlsamen Rockballade "You" in geradezu himmlische Sphären ab und sorgte damit bei vielen Fans für wohlige Rückenschauer am heißen Nachmittag. Übrigens arbeiten Hölderlin, genau wie die mit einem routinierten Set auf dem Festival nachfolgenden Jazzrock-Urgesteine Kraan, gerade an einem neuen Album.

Innovativer und teils überaus origineller Gitarrensound von Adrian Below, sonst der Gitarren-Counterpart von Robert Fripp bei King Crimson, bewegte zur abendlichen Primetime die Massen vor der Bühne. Natürlich durfte dabei auch der etwas modifizierte Klassiker "21st Century Schizoid Man" nicht fehlen. Für eine farbenfrohe Tanzparty zur Nachtzeit waren danach zunächst Berimbrown aus Brasilien mit ihren schweißtreibenden Samba-Funk-HipHop-Rhythmen verantwortlich, um später die Bühne "Groovemaker" Mani Neumeier und seiner Combo Psychedelic Monsterjam zu überlassen. Untermalt von einer einzigartigen spacigen Lightshow räumte das Trio mit psychedelischem Trancesound bis nach 3 Uhr früh mächtig ab.

Routinierte Auftritte boten am Samstag zunächst Ex-Scorpion Uli Jon Roth mit seiner selbst entwickelten Sky Guitar und anschließend die Altrocker Wishbone Ash. Ein profihaftes Comeback auf höchstem Niveau zelebrierten am Abend, trotz Magengrippe ihres sonst sehr vitalen Frontmannes Phil Mogg, die Heavyrock-Veteranen UFO. Mit ihrem engagierten Herzberg-Gig zeigten UFO unmissverständlich, dass diese Band nach wie vor zur 1. Liga des Genres gehört. Zu absoluten Abräumern in der Geisterstunde entpuppten sich schließlich The Gathering aus Holland. Sie zelebrierten in ihrem Gig melodiöse Pop-Balladen in verschiedensten Facetten, getragen von warmen, dunklen und erfrischenden Soundelementen mit einem Tupfer Gotik. Über allem schwebte die glasklare, erhabene Stimme von Sängerin Anneke van Giersbergen. Als einzige Band verbaten sie sich allerdings während ihres Gigs Aufnahmen durch Pressefotografen.

Passend in tiefer Nacht folgte dann mit den finnischen Spacetüftlern Hidria Spacefolk eine Band, die mit High-Energy-Psychedelicsound und zugehöriger abgedrehter Videoperformance das Festivalgelände sowohl akustisch als auch visuell in ein kosmisches Raumschiff verwandelte.

Mächtig Staub bei den verzückt ausflippenden Fans vor der Bühne wirbelte am Sonntag die Goa-Tranceband Orange aus dem Allgäu auf. Meist mit nackten, geschminkten Oberkörpern boten sie einen wilden, hypnotischen Trance-Beat-Soundcocktail, gemixt mit Didgeridoo-, Percussion-, Querflötenklängen und den genialen Oberton-Kehlkopfgesängen von Frontmann Rainer von Vielen. Der hatte mit seinen einprägenden Texten wie "Nichts, was ihr seht, ist von Bestand, nichts was ihr habt, habt ihr in der Hand!" sofort alle Tänzer im Publikum auf seiner Seite.

Als Highlight zum Abschluss wurde schließlich eine einmalige "EuropeanBluespowersession" geboten, die es in sich hatte. Extra für dieses zweistündige Event fanden sich die Herzberg Blues Allstars zusammen: eine gelungene Mixtur von zwölf europäischen Bluesgrößen, u.a. mit Ex-Cream-Texter Pete Brown, Alex Conti (Altlantis) und Mike Harrison (Spooky Tooth), geführt von Leadsänger Chris Farlowe (Collosseum). Blues "at his best" also, ein toller Abschluss eines außergewöhnlichen Festivals, zu dem sich sicher die meisten anwesenden "Pilger" auch im nächsten Jahr wieder in die große bunte Karawane der "FreakCity"-Besucher einreihen werden.

 

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Links:

>> Festival-Info Burg Herzberg 2006 bei POP FRONTAL

>> Homepage Burg Herzberg Festival

>> Festival-Bericht Burg Herzberg 2005 bei POP FRONTAL

 

 

Hölderlin

Hölderlin

 

Berimbrown

Berimbrown

 

Phil Mogg / UFO

Phil Mogg / UFO

 

Herzberg Blues Allstars

Herzberg Blues Allstars

 

Antibalas Afrobeat Orchestra

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Randszenen

 

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