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In diesem Jahr waren bei schönstem Sommerwetter gut 7000 Besucher der Veranstalter-Einladung
ins "Land of Milk and Honey" in freier Natur gefolgt. Zwischen orientalisch
bunten Basaren, leckeren Essensständen und vielen Infobuden feierten sie
an vier Tagen und Nächten das schöne "Love & Peace"-Leben,
untermalt von gut 25 teils hochkarätigen Bands.
Zu den musikalischen Highlights des ersten Abends gehörte dabei zweifelsohne
der Mitternachtsgig am Donnerstagabend von The Amber Light, die
mit ihrem verspielten Psychedelic-Rock, eingängigen Songs und einer abgefahrenen
Lightshow viele Fans magisch in ihren Bann zogen. Am Freitagnachmittag dann wurde
es richtig voll auf dem Festivalgelände, die Anekdoten aus
Schweden standen auf dem Programm. Sie spielten eindringlichen, recht schrägen
und melodisch düsteren Neorock mit viel Mellotronsound. Nachdem sie sich
vom "King Crimson-Stil" in den vergangenen Jahren lösten, finden
die vier Musiker mittlerweile sehr eigenständige Facetten in ihrem Soundkosmos.
Der spätere Abend gehörte dann ganz dem britischen Space-Rock. Zuerst
mit Ozric Tentacles, die dem Artrock der 70er durch Wordmusic-Elemente
und viel Keyboard-Gewabber auch live ihren ganz eigenen Stempel aufdrückten.
Später folgte dann die Late-Night-Show der mit Spannung erwarteten Hawkwind-Ableger
Space Ritual. Ex-Hawkwind- Saxophonist Nik Turner scheint mit
dieser Band endgültig sein neues Zuhause gefunden zu haben. Er holte schier
Unglaubliches aus seinem Saxophon hervor und trieb "seine Jungs" mit
der Zeit in einen geradezu sphärischen Spielrausch, der auch die vielen Fans
vor der Bühne mitnahm und bis gegen drei Uhr früh anhielt.
Der Samstagnachmittag stand dann erst einmal im Zeichen des guten alten Krautrocks.
Die auch privat enger befreundeten Deutschrockgrößen Epitaph
und Jane (Gitarrist Klaus Waltz spielte lange in beiden Formationen)
traten in sengendheißer Sonne nacheinander auf. Wie bereits beim WDR-Krautrockfestival
im letzten Winter präsentierten sich beide Bands in hervorragender Form,
und besonders Jane konnte die vielen ausflippenden Fans voll überzeugen.
Ihre großen Hits wie "Daytime" oder "Out in the Rain"
wurden von vielen auf der Wiese lautstark mitgesungen. Grandios auch das knapp
20minütige "Windows", mit dem bestens aufgelegten Werner Nadolny
an den Keyboards.
Eine echte Überraschung waren danach die drei schwedischen Musiker von Siena
Root. Sie spielten ein hervorragendes Heavyrock-Set im Stil von Led Zeppelin
und Deep Purple, mit vielen gekonnten Improvisationen, harten, melodischen Gitarrenriffs
und einem wahrhaft brennenden Schlagzeugsolo: dabei wurden die Sticks des Drummers
sogar angezündet!
Nach der lebenden Bluesrock-Legende Ten Years After und der in
diesem Jahr fast überall anzutreffenden Manfred Mann's Earth Band
(leider diesmal mit technischen Soundproblemen bei ihrem sonst starken Gig) galt
es am späten Abend neben den Ohren besonders auch die Augen weit zu öffnen,
denn IQ traten auf die für eine Lightshow mit Filmen und
Bildern leider zu kleine Festivalbühne. IQ sind mit ihrem Artrock-Sound zwischen
Marillion und Yes hierzulande nur Insidern ein Begriff, obwohl sie nun schon seit
gut 20 Jahren zusammenspielen. Ihr überzeugender Frontmann Peter Nicholls
verstand es in der milden Mondnacht großartig, mit wilden Gesten und starken
Songs das Publikum vor der Bühne in seinen Bann zu ziehen. Seine Mitmusiker
boten zudem starke Soloeinlagen, und das Ganze wurde von berauschenden Filmclips
mit satter Lightshow bestens untermalt.
Gegen 2.30 Uhr morgens kam mit Korai Öröm aus Ungarn
der Überraschungs-Geheimtipp des Festivals auf die Bühne. Neun begnadete
Musiker rollten einen psychedelischen Drum- Percussion-Soundteppich aus, der richtig
göttlich krachte und blubberte. Trance-Acidmusik vom Feinsten, mit spacigen
Keyboardeinlagen und mächtigen Basslines, dazu fantastisch kosmische Film-
und Diaclips. Von Müdigkeit war bei den ekstatisch tanzenden Fans keine Rede.
Erst im ersten Morgenrotlicht gegen 4 Uhr früh ging dieser Rausch dem Ende
entgegen.
Kaum waren die ersten Freaks am Sonntagmorgen aus den Zelten gekrochen, spielten
Psycho Key aus der Dominikanischen Republik ihren rockigen Worldgroove
zum Frühstück. Feinste Reggae-Beats mit heulenden Gitarren, indischer
Sitar und der begnadeten russisch-kanadischen Sängerin Kyra Jolliet, sorgten
direkt für beste Tanzlaune.
Später am Nachmittag kam mit der deutsch-liberischen Songwriterin Zoe
ein echtes Funk-Reggae-Soul-Energiebündel auf die Bühne. Coole Soundvibes,
starke, manchmal melancholische Songs mit eindringlicher Stimme und überaus
anmutige Tanzeinlagen sind ihre Markenzeichen, mit denen sie das Publikum zu wildem
Tanz einlud. Optimal dazu passend folgte später das Bukovina Star
Orkestar: mit Pauken und Posaunen brachte hier der Musiker Shantel "Balkan-Technomusik"
auf die Bühne, die dem heute discoüblichen Ravesound voll das Wasser
reichen kann. Nur ist dieser Sound mit natürlichen Instrumenten erzeugt und
kein Elektronik-Mix und verwandelte die Festivalwiese in ein zuckendes Tollhaus
– und das ganz ohne die sonst üblichen Szenedrogen.
Am Abend gab es gutgelaunten, bodenständigen Southern Rock von Tito
& Tarantula. Zum Abschluss des Festivals präsentierte sich die
Band um den charismatischen Frontmann Tito Larriva in einer energiegeladenen und
schweißtreibenden Show den vielen wild tanzenden Fans vor der Bühne.
Fazit: Ein starkes Festival mit einer bunten Vielfalt großartiger musikalischer
Entdeckungen, guter Laune und spannenden neuen Begegnungen, das alles in einer
ganz eigenen exotischen Welt. Die Veranstalter haben auch diesmal wieder ein gutes
Händchen bei der Bandauswahl und Organisation bewiesen, nur die Bühne
dürfte gerne ein wenig größer werden. Der WDR-Rockpalast sendet
auf WDR III übrigens am 13.09. von 1.00 – 3.00 Uhr morgens Highlights
des Herzberg-Festivals.
Links:
>> Festivalinfo Burg Herzberg Festival 2005 bei POP FRONTAL
>> Homepage Burg Herzberg Festival
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