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Gesehen! Chris Brokaw / 06.12.03, Hamburg, Kampnagel

For your ears only: Chris Brokaw privat

Text: Julia Kussius     Fotos: Sandra Kriebitzsch

Schon der Empfang im Hamburger Theater- und Kunsthaus Kampnagel ließ einen ganz besonderen Abend erahnen. Während das Theaterpublikum gerade eine gut besuchte Vorstellung verließ, wurden die kulturell Interessierten per Lautsprecherdurchsage auf das noch bevorstehende Konzert von Chris Brokaw hingewiesen. Dies hatte weniger eine eigens inszenierte Kulturkombination als Ursache, denn viel mehr den Hintergrund, dass Herr Brokaw in der Lokalpresse falsch, schlecht oder gar nicht angekündigt wurde, sein Soloauftritt also vor ca. drei (!) Personen hätte stattfinden müssen, wäre da nicht der eine oder andere Neugierige dem öffentlichen Aufruf gefolgt.

Über die genauen Gründe für von Konzertgästen vernachlässigte Auftritte - doch zumindest in Insiderkreisen - namhafter Musiker soll an anderer Stelle diskutiert werden. Fakt ist, dass Chris Brokaw nicht nur in seiner Funktion als Bandmitglied von Codeine, Come, The New Year, Consonant, der Evan Dando Band und anderen, sondern auch als Soloreisender mit Gitarre, Tamburin und kleinem Effekt so manchen Fan aus der warmen Stube locken kann (was z.B. auf seiner letzten Tour im Vorprogamm von Evan Dando bereits unter Beweis gestellt wurde) – und dies, wie der Abend auf Kampnagel ein weiteres Mal bewies, völlig zu Recht!

Professionell war nämlich nicht nur Chris Brokaws Umgang mit der Zahl der Anwesenden, sondern auch sein virtuoses Spiel mit der Gitarre. Im Gegensatz zu der Vorstellung mancher, die den Tausendsassa in bewegte Postrock-Ecken stecken oder in gewaltige Soundeskapaden verwickelt sehen möchten, gestaltete sich der Auftritt als akustisch inspirierter Gitarrist eher sanft und rhythmisch. So sympathisch der Solokünstler sein Instrument anstimmte, so variationsstark und begeisternd klangen die dazugehörigen Kompositionen. Man musste kein Musiker sein, um sofort zu verstehen, dass hier einer der ganz Guten eine kleine Vorstellung seines weitaus breiter angelegten Repertoires zwischen Postrock und Folk, Song und Track gab, ohne dabei anspruchsvoll mit elitär zu verwechseln. Seine Singer/Songwriter-Performance war weder emotional überladen, noch intellektuell überstrapaziert, sondern überzeugte schlicht und ergreifend musikalisch. Nicht mehr und nicht weniger.

Als Signore Brokaw schließlich nach seinem Konzert erzählte, dass er alleine mit dem Zug von Auftritt zu Auftritt reise, klang das selbst dann nicht nach einer romantischen Masche, sondern einfach sympathisch und absolut glaubwürdig. Wer mehr hören möchte, ist mit seinen beiden letzten Soloveröffentlichungen bestens beraten, das breite musikalische Spektrum kennen zu lernen. Während "Red Cities" als Instrumental-Album eher die vielschichtige postrockigere Seite beleuchtet, offenbart "Wandering as Water" das Singer/Songwriter-Können von Chris Brokaw.

 

Links:

>> Homepage Chris Brokaw

>> Audio/Video bei 12xu.net

>> Interview bei gaesteliste.de

 

Chris Brokaw - Red Cities

Red Cities

Chris Brokaw - Wandering As Water

Wandering as Water

Chris Brokaw in Hamburg

Chris Brokaw in Hamburg

Chris Brokaw in Hamburg

Chris Brokaw in Hamburg

Chris Brokaw

 

 

 

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