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Gesehen! Crash Fest / 22.08.2013, Hamburg, Trabrennbahn

No Religion

Text: Mathias Frank

Gegen Ende der Freiluft-Saison wird in Hamburg wie jedes Jahr noch mal groß aufgefahren. Dann nämlich ist seit ein paar Jahren der Kultursommer, und auf der legendären Trabrennbahn finden eine Reihe Open-Air-Konzerte vor bis zu über 20.000 Zuschauern statt. In diesem Jahr spielen unter anderem Cro und Die Toten Hosen Headliner-Konzerte, feiern 5 Sterne Deluxe im Rahmen des "Beats auf der Bahn"-Events zusammen mit Deichkind und den Beginnern ihr Comeback - und treffen sich zwei Punkrock-Legenden zum Crash Fest. Bad Religion und NOFX headlinen das Ganze, zuvor spielen noch Slime, die Mad Caddies und Montreal.

NOFX

NOFX

Letztgenannte beginnen an diesem Donnerstag leider bereits um 16.30 Uhr, und das ist für viele einfach nicht zu schaffen. Und auch die Mad Caddies, die knapp eine Stunde später auf die Bühne gehen, werden von einigen verpasst. Aber nicht von uns, wir sind da. Und das ist auch gut so. Denn diese Band ist live einfach immer knorke. Da heute die Sonne scheint, passt ihr Sound voller Reggae, Ska und Punk noch hervorragender auf die Bühne, nach Hamburg, zum Kultursommer. Also Bier her, den freien Raum vor der Bühne nutzen und einstimmen. Mit Liedern wie dem entspannten "Backyard", dem wunderschönen "State Of Mind" und dem flotten "Mary Melody", mit ulkigen deutschen Ansagen und mit einer Band, die einfach mal eine richtig gute ist.

Weiter geht es mit Slime, die ihre Aufbauten und Vorbereitungen auf der Bühne sympathischer Weise selbst erledigen und sich dann eine gute Dreiviertelstunde durch ihre Geschichte punkrocken. Von "Legal Illegal Scheißegal" über "Schweineherbst" bis "Sich fügen heißt lügen", und am Ende muss Deutschland sterben. Also vorher mal lieber das Gelände erkunden. Sicher ist sicher. Und sicherlich ist das Ding, auf dem es neben den üblichen Futterstellen und Bierbars auch einen St. Pauli-Fanshop gibt, nicht wirklich voll. Die hintere Hälfte ist nahezu komplett leer und auch vorne muss niemand drängeln, kann jeder sehen und sitzen. Auch wenn es für den Veranstalter vielleicht schade ist: für die Zuschauer ist diese Menge - vielleicht 5.000 Leute? - eigentlich perfekt. Keine Warteschlangen an den Toiletten oder Shops, genügend Raum zum Chillen und beste Stimmung im gut gefüllten Bereich vor der Bühne.

Ein gutes Bisschen voller als bei Slime wird es natürlich bei Bad Religion. Manch einer hatte die als letzte Band erwartet, aber wenn man am Ende diese Show mit der anschließenden von NOFX vergleicht, dann weiß man, dass die Reihenfolge absolut richtig ist. Was nicht heißt, dass die Band hier nicht abliefert. Denn das tut sie. Klassiker am Fließband, 75 Minuten fast durchgehend saustarke Lieder und ein bunter Querschnitt aus 30 Jahren Punkrock: "We're Only Gonna Die", "New Dark Ages", "Anesthesia", "I Want to Conquer the World", "21st Century (Digital Boy)", "Infected" und sogar "Raise Your Voice", was sie - jedenfalls in Hamburg - seit Jahren nicht mehr gespielt haben. Alles gut also, niemand langweilt sich. Gleichzeitig aber passiert das gleiche wie vor wenigen Wochen, als Bad Religion im ausverkauften Docks in Hamburg spielten. Genauer gesagt passierte es nicht, denn auf der Bühne herrscht wieder überwiegend Stillstand: Sänger Greg Graffin ist mehr mit seinen Mikrofon-Problemen beschäftigt und verzichtet überwiegend auf Konversation, Ersatz-Gitarrist Mike Dimkich fällt durch seinen weißen Schal anstatt durch große Kunst auf, und wieder ist es einzig und allein Bassist Jay Bentley, der sich wenigstens hin und wieder dazu hinreißen lässt, Emotionen zu zeigen oder anzudeuten, dass ihm das alles gerade Spaß macht.

Anders natürlich bei NOFX. Die Jungs sabbeln und tanzen und spaßen von Anfang bis Ende. Und mit Ausnahme von Drummer Erik Sandin tatsächlich alle. Dabei sind die NOFXer jetzt nicht großartig jünger als die Bad Religion-Kerle, Fat Mike hat zum Beispiel gerade drei Jahre weniger als sein Sänger-Kollege auf dem Buckel. Doch der direkte Vergleich ist fast schon erschreckend. Der grüne Iro auf der einen, die ergrauten Reste auf der andere Seite, der eine im zerrissenen Cramps-Shirt, der anderem im blauen Polo. Dazu hat Mike mit El Hefe und Eric Melvin keinen festgeschraubten Gitarristen wie Brian Baker und eben Mike Dimkich, sondern zwei fantastische, extrovertierte Kerle neben sich, das sind Spaßvögel, das sind Party-Punks, die Jungs sind super und gemeinsam eine einfach mal geile Band. Und genau das zeigen sie auch heute. Politisch unkorrekt wird beleidigt und gelacht ("Ihr Deutschen mögt uns, weil ihr jüdische Bands mögt. Aber nur weil ihr ein schlechtes Gewissen habt!"), Zuschauer wegen ihrer Sonnenbrille oder frisch gekauften NOFX-Stramplern bloß gestellt und all der Spaß mit feinster Musik garniert ("The Brews", "Fuck The Kids", "Linoleum", "Don’t Call Me White"). Und so passiert zwar genau das, was bei jeder NOFX-Show passiert, aber genau deshalb gehen die 75 Minuten noch schneller als die 75 Minuten der Band davor vorbei - und spätestens nach "Kill All The White Men" weiß man, dass NOFX der richtige Headliner an diesem Abend sind. An diesem tollen Abend und tollen Tag im tollen Hamburger Kultursommer.

 

 

 

Links:

>> Festival-Info Crash Fest Hamburg (mit Bandinfos) bei POP FRONTAL

>> Konzerte/Tourdaten NOFX bei POP FRONTAL

>> Homepage NOFX

>> Konzertbericht NOFX @ Hurricane 2013 bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht NOFX @ Hamburg (11.04.11) bei POP FRONTAL

>> Konzerte/Tourdaten Bad Religion bei POP FRONTAL

>> Homepage Bad Religion

>> Konzertbericht Bad Religion @ Hamburg (05.06.13) bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Bad Religion @ Hamburg (02.06.04) bei POP FRONTAL

>> Konzerte/Tourdaten Slime bei POP FRONTAL

>> Homepage Slime

>> Konzerte/Tourdaten Mad Caddies bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Mad Caddies @ Hamburg (08.01.04) bei POP FRONTAL

>> Interview Mad Caddies (2004) bei POP FRONTAL

>> Homepage Mad Caddies

>> Video "Hamburg Crash Fest - Fat Mike of NOFX Teaser" bei youtube.com

 

 

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