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Gesehen! The Dears / 06.11.2006, München, Ampere

The Graceful Dead

Text: Bettina Dunkel

 

Es kommt nicht oft vor, dass man so etwas wie gelebte Gefühle zu sehen bekommt. Dass man jedes Wort, mit dem jemand seine Emotionen zum Ausdruck bringt, glaubt. Dass man jemanden voller Anmut innerlich sterben sieht. Und sich nur zu gerne in diesen tödlichen Sog des Leidens mit hineinziehen lässt.

The Dears

The Dears aus Montreal und allen voran ihr Frontmann Murray Lightburn beherrschen diesen Kunstgriff, der bei ihnen keiner ist. Und hier offenbart sich auch die Parallele zu Morrissey, mit dem sich Lightburn und seine fünf Leidensgenossen immer wieder vergleichen lassen müssen: Musik ist ihnen heilig. Ihre eigene ganz besonders. Sie ist das Vehikel für Gefühle, die man in der Realität und zumeist in den Momenten, in denen es darauf ankäme, nicht zum Ausdruck bringen kann. Das, was die Dears auf der Bühne und im Studio schaffen, sind Kostbarkeiten, die es zu beschützen gilt. Egal wie. Egal gegen was. Und wie jeden, der etwas zu beschützen hat, umgibt die Band etwas Abweisendes.

Keine Ansage unterbrach die Zeremonie auf der Bühne des Münchner Amperes. Keine dumme Geschichte brachte den Fluss der Emotionen aus dem Takt. Es ging einzig und allein um die Musik. Alles andere störte nur. Fotografen zum Beispiel. Menschen an sich. Fans. Darum war es nur konsequent, dass Drummer George Donoso an diesem leidlich besuchten Konzertabend mit einem gezielten Stickwurf versuchte, einen all zu enthusiastisch mitfühlenden Anhänger zum Schweigen und Stillstehen zu bringen. Als selbst diese eindeutige Geste nicht zum gewünschten Erfolg führte, nahm Keyboarderin Valérie Jodoin-Keaton das Ruder in die Hand. Und wies die herbeigewunkene Security dazu an, den elektrisierten Fan ans andere Hallenende abzuführen. Wo dieser ungerührt weitersteppte und dem mehr und mehr unter Lachkrämpfen leidenden Security-Menschen in den Tanzpausen ein Ohr abkaute.

 

 

Auf der Bühne hingegen kehrte endlich wieder Ruhe ein. Und mit ihr jene Konzentration, die etwas ganz Einzigartiges produzierte: Rohe Leidenschaft, die sich in dieser Intensität nicht einmal auf den von Mal zu Mal besser werdenden Studioalben finden lässt. Die Bands wie Keane und Coldplay als das denunziert, was sie sind: pathetische Massenaufwiegler, deren Ziel es ist, die Welt und ihr so vielfältiges Gefühlschaos in gleichförmige Stromlinien zu pressen. Ein einziges Mal brummelte Lightburn "Thank you" in Richtung Publikum. Überflüssig eigentlich. Denn der Dank an diesem Abend gebührte einzig und allein den Menschen auf der Bühne.

 

Links:

>> Künstlerinfo The Dears bei POP FRONTAL

>> Homepage The Dears

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The Dears

The Dears

 

The Dears: Gang Of Losers

The Dears: Gang Of Losers

(Cooperative / Rough Trade)

 

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