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Gesehen! Deerhoof, Chad Popple / 2.4.06, Berlin, Magnet - Präsentiert von POP FRONTAL

Der Weg hat sich gelohnt

Text / Live-Fotos: Sandra Kriebitzsch

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Nur drei Konzerte spielten Deerhoof auf ihrer diesjährigen Europatournee in deutschen Landen. Hamburg stand dabei nicht auf dem Spielplan der Experimentalrocker aus San Francisco, und so machte sich eine beachtliche Horde hanseatischer Fans auf, das Konzert in Berlin zu besuchen. Ebenfalls aus Hamburg angereist war Chad Popple, der - wie schon 2003 beim Konzert im Hamburger Hafenklang - das Vorprogramm bestritt.

Deerhoof

Und bereits das hatte es in sich: Chad Popple, inzwischen in der Hansestadt lebender Schlagzeuger der Skin-Graft-Noise-Rocker von Colossamite und des Gorge Trios legte einen fantastischen Soloauftritt hin. Auf seiner Kombination aus Schlagzeug und Vibrafon wirbelte er virtuos über die Geräte, wobei seine rhythmischen Figuren sich scheinbar kaum wiederholten. Zwischen zwei Zweiunddreißigstelanschlägen schaffte er es sogar noch, sich die langen Haare lässig hinter die Ohren zu streichen. Zum (Gorge) Duo wuchs das Ganze, als sich am Ende Deerhoof-Gitarrist John Dieterich zu ihm gesellte und sie gemeinsam der Improvisationskunst frönten. Ganz famos.

Der Saal hatte sich inzwischen überraschenderweise bis zum Anschlag gefüllt. Auffallend viel Jungvolk war anwesend, um den vordergründig gar nicht so zugänglichen Klängen von Deerhoof zu lauschen. Ob es daran lag, dass auf dem neuen Album "Runners Four" verglichen mit den Vorgängern einige Kanten abgeschliffen und die Segel ein paar Grad mehr in Richtung Pop gesetzt wurden? Inzwischen scheinen sich Deerhoof stellenweise gar mit Songstrukturen angefreundet zu haben, anstatt sie nur genüsslich zu zerdeppern. Aber keine Angst. Alles in allem sind Deerhoof immer noch Deerhoof. Vereinzelte, fast "Songwriter"-artige Stücke boten eher eine willkommene Verschnaufpause, insbesondere für Drummer Greg Saunier, der zwischendurch gar ein Duett mit Bassist Chris Cohen sang.

Ansonsten ging es gewohnt heftig zur Sache. Dieser Schlagzeuger! Der lief wieder einmal zu Hochtouren auf und trug einen gewaltigen Teil dazu bei, dass uns dieser Auftritt als ziemlich fettes und tightes Brett (entschuldigen Sie die vulgäre Ausdruckweise!) nachhaltig in Erinnerung bleiben wird. Umso bemerkenswerter, als er ein sehr überschaubares Drumkit ohne Toms und mit nur einem Becken neben Snare, Hi-Hat und Bassdrum spielte. Auf's Wesentliche reduziert, pass- und punktgenau, mit vollem Körpereinsatz.

 

 

Geboten wurde ein grandioser Parforceritt durch mehr als 30 Jahre Rockgeschichte, hier ein an The Who erinnerndes Riff, dort ein Griff in die Led-Zep-Kiste. Kein Rocker der 70er war sicher davor, durch den musikalischen Kakao gezogen zu werden, der das Deerhoof-Universum durchströmt. Das Quartett scheint in einer fünften Dimension angesiedelt zu sein, die schwerelos über Zeit und Raum schwebt: pophistorisch fundiert, aber jenseits von banalem Zitatpop Lichtjahre in der Zukunft. Post-Post-Rock womöglich, für die, die eine Schublade brauchen. Wir wiederum waren mehr mit unseren Kinnladen beschäftigt, die ständig am Runterklappen waren. Und spätestens als die schätzungsweise 1,50m große japanische Frontfrau Satomi Matsuzaki ihre liebreizenden Gesänge und futuristischen Ausdruckstänze unterbrach und ein Gitarrensolo persiflierend auf die Box sprang, hätte sich der eine oder andere Herr Altrocker mit hochrotem Kopf einbuddeln lassen können. Aber die Alten waren ja nicht da. Nur die Jungen und wir Hamburger. Um eines der Konzerte des Jahres, wenn nicht gar der letzten Jahre zu sehen. Danke Deerhoof. Der Weg hat sich gelohnt.

 

Links:

>> Künstlerinfo Deerhoof bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Deerhoof (30.11.03) @ Hamburg

>> Homepage Deerhoof

>> Deerhoof: Runners Four - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

Deerhoof

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Chad Popple

Chad Popple

 

Deerhoof: The Runners Four

Deerhoof: The Runners Four

(Kill Rock Stars / Cargo)

 

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