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Gesehen! The Doors Of The 21st Century / 17.07.2004, Bonn, Museumsplatz

Die Legende lebt - und wie!

Text: Carlo Reßler

 

"Ladies and Gentlemen now live from California: The Doors" – mit dieser (altbekannten) Ansage begann ein wohl einzigartiges Open-Air-Konzert der legendären Kult-Band in etwas neuer Besetzung. Im Rahmen ihrer Europa-Tour, die insgesamt nur 11 Gigs umfasste, kamen "The DOORS of the 21ST Century" mit Ray Manzarek (Keyboards), Robby Krieger (Guitars), Ty Dennis (Drums), Angelo Barbera (Bass) auch zu einem Konzert nach Deutschland. Anstatt Jim Morrison traten sie nun mit Ex-Cult-Frontmann Ian Astbury an.

The Doors

Die gut 4000 Fans, die über 50 Euro Eintritt bezahlt hatten, warteten gespannt auf das angekündigte Ereignis – und wurden belohnt: es gab reichlich Erinnerungen an diese Ausnahmeband aus ihrer Blütezeit von 1967 bis 1971. Die knapp 150 Minuten lange Zeitreise begann mit dem "Roadhouse Blues" und dann folgte Song auf Song: das programmatische "Break on Through", die ekstatische Rock-Nummer "L.A. Woman", das immer wieder gern gehörte (und gesungene) "Whisky Bar", das fetzige "Back Door Man", bis hin zum verspielten Flamenco-Stück "Spanish Caravan" - sogar der alte Hit "Le Mosquito" fand im spanischen Text von Robby Krieger Wiederauferstehung, der auch im fortgeschrittenen Alter seine Gitarrenkünste genial zur Geltung kommen ließ.

Ian Astbury – der "neue Jim Morrison", konnte das gut gehen? Mit seinem dichten, schulterlangen Haar, der schwarzen Sonnenbrille plus Lederjacke und enger Jeans kam er dem Morrison-Outfit schon sehr nahe – und auch seine Stimme wirkte durchdringend und pragmatisch, rauchig und sanft zugleich. Keine Frage: die Magie der Morrison-Songs wurde an diesem Abend durch Ian Astbury gegenwärtig, natürlich ohne das legendäre Charisma jener unberechenbaren Rock-Diva. Astbury unternahm glücklicherweise auch nie den Versuch, eine Kopie des Mythos darzustellen.

Während des Auftritts gab es dann noch eine besondere Inszenierung der Natur: beim Songtext "When the music’s over, turn out the lights" schoben sich urplötzlich dunkle Gewitterwolken über den Museumsplatz, und Minuten später krachte samt Donner und Blitzen ein stürmisches Gewitter mit Platzregen – von Frankreich kommend, wo Jim Morrison seit 33 Jahren in Paris begraben liegt – über den Veranstaltungsort herein. Die Fans kamen daraufhin unter dem schützenden Zeltdach zusammen und sangen begeistert jede Textzeile mit – scheinbar versteht jeder auf dem Platz diese magischen Zeichen des Himmels...

Auch der geniale Keyboarder Ray Manzarek (mittlerweile 65 Jahre) reagierte spontan: er zog die ursprünglich als Zugabe gedachte einfühlsame Ballade "Riders on the Storm" vor. Diese großartige Hymne in e-Moll war natürlich Gewittermusik pur! Manzareks perlender Pianolauf simulierte das Prasseln der Regentropfen und den Donner des Unwetters, vermischt mit der eindringlichen Strophe von Sänger Astbury: "In diese Welt wurden wir geworfen, wie ein Hund ohne Knochen, wie ein Schauspieler ohne Gage!" Dieses unglaublich passende und einmalige Naturspektakel ergriff in diesen Momenten alle Anwesenden auf dem Museumsplatz - besser kann dieses Stück wohl nicht begleitet werden!

Den über die gesamte Länge des Konzertes begeistert tanzenden und singenden Fans wurde an diesem Abend eine sensationelle und denkwürdige Show mit vielen bisher so nie gehörten, langen Live-Versionen von Doors-Titeln geboten, die dann im Zugabenteil mit einer über 13-minütigen Version von "Light My Fire" unter tosendem Applaus zum Abschluss des Abends ihren Höhepunkt fand.

Doch die große Frage bleibt: wie kann es jetzt weitergehen, damit die Doors des 21. Jahrhunderts (der Name musste nach Klagen von Jim Morrisons Schwiegereltern und Ex-Schlagzeuger John Densmore, der seinen Platz aufgrund einer Tinnitus-Erkrankung nicht mehr einnehmen kann, verändert werden!) nicht künftig als eine Coverband ihrer eigenen Kultgruppe in die Geschichte eingehen? In einem Interview kündigte Ray Manzarek bereits an, direkt nach der laufenden Europatournee gemeinsam mit Robby Krieger (der die meisten der damaligen Doors-Texte schrieb) neues Songmaterial auszuarbeiten und im Winter eine neue CD zu veröffentlichen. An ein "The End" der Doors denken jedenfalls beide nicht – und das ist auch gut so!

 

Links:

>> Homepage The Doors Of The 21st Century

 

 

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