|
Im Halbrund der Parkbühne ist es angenehm voll, aber nicht ausverkauft. Die
Vorband Poems for Laila hat deutlich früher angefangen und die Bühne
schon kurz nach 20 Uhr wieder verlassen. Das soll einem zeitigen Ende des Konzerts
dienen und später verärgerte Anwohner vom Telefon abhalten. Der Ärger
ist nun auf Seiten des Publikums und wird durch viertelstündiges Schlangestehen
für ein schales Bier im Plastikbecher freilich nicht gemildert.
Gesprächsthema ist, klar, Herr Lehmann. Dass der Regener jetzt einen zweiten
Teil schreibe, der aber zeitlich vor dem anderen angesiedelt sei. Ob der Film
besser sei oder das Buch oder ob man hier eine der seltenen gleichwertigen Umsetzungen
eines Stoffes vor sich habe. Das Publikum scheint trotzdem nur zum kleinen Teil
aus den neuen, den Lehmann-Fans zu bestehen. Während viele noch für
ihr Pils anstehen, betreten Element Of Crime die Bühne: Sven "the Voice"
Regener in Jeansjacke, die nicht nur an einer Ecke spannt, die anderen Bandmitglieder
eher im Hintergrund agierend. Die Kommentare sind respektlos, aber liebevoll:
"Is’ der dick geworden." Man hat sich lange nicht gesehen, vielleicht
auch aus den Augen verloren, aber man hat sich gern.
Element Of Crime starten ruhig, besetzen mit den ersten Tönen den Platz.
Hier kommen gute deutsche Texte her, hier ist die Melancholie. "Romantik!!"
brüllt Regener immer wieder, die Arme in die Dämmerung streckend, und
das Publikum ist einverstanden. Die Dramaturgie der Setlist ist routiniert, man
steigert sich in Soli und Stimmung, bedächtige Stücke lassen alle wieder
enger zusammen rücken. Die Trompete klingt wundervoll, fast schöner
als auf den Alben. Nur zwei Lieder in Englisch, aus den frühen Jahren, sind
dabei.
In den Pausen kokettiert die Band mit dem Alter und ihrem "Jeansboy-Outfit".
"Was Neil Young darf, dürfen wir erst recht." Die schwarzen Anzüge
sind weg, der Lack ist ab. Aber die Stimme von Sven Regener und der Charme der
sprachverliebten Texte sind geblieben. Regener nimmt sich selbst nicht zu ernst,
ist milde, hat viel gesehen. Manche können älter werden und trotzdem
souverän auf der Bühne stehen. Mitleid ist hier fehl am Platz.
Höhepunkte werden bejubelt: "Weißes Papier", "Draußen
vor dem Fenster", "Wenn der Morgen graut". Der Blick in die
Runde, alle strahlen Regener versonnen an und singen mit. Das Publikum, quer durch
zweieinhalb Generationen, ist heute abend sehr versöhnlich mit sich und dem
Rest der Welt. Noch viermal kommen Element Of Crime wieder für Zugaben auf
die Bühne, niemand mag sie gehen lassen. "Tschüss. Servus. Auf
Wiedersehen.", sagt Regener. "Wer weiß, wann wir die das nächste
Mal wiedersehen", sagt ein glückliches Gesicht im Publikum, und die
Parkbühne leert sich langsam. Vom Band kommt Radioheads "Creep".
Das Familientreffen ist zu Ende.
Links:
>> Künstlerinfo Element Of Crime bei POP FRONTAL
>> Konzert-Tip bei POP FRONTAL! Element Of Crime (Juli 2004)
>> Homepage Element Of Crime
>> Element Of Crime - "1984-1990, 1991-1996": Reinhören und Kaufen bei amazon.de
|
Element Of Crime
Element Of Crime - "1984-1990, 1991-1996"(Motor/ Universal)
|