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Gesehen! Element Of Crime / 28.07.2004, Leipzig, Parkbühne

"Romantik!"

Text: Florian Steglich

 

Clara-Zetkin-Park, Leipzig, Parkbühne. Vor den Toren lagern die, die durch die gesalzenen Ticketpreise abgeschreckt wurden, mit Decken und Weinflaschen im Zigarettenqualm. Erst seit zwei Tagen ist Sommer in Leipzig. Gerade richtig also für die Berliner Element Of Crime um den Pop-Poeten Sven "Herr Lehmann" Regener, die sich passend zur Jahreszeit vornehmlich Open-Air-Bühnen und Festivals für ihre kleine Sommer-Tour ausgesucht haben.

Element Of Crime

Im Halbrund der Parkbühne ist es angenehm voll, aber nicht ausverkauft. Die Vorband Poems for Laila hat deutlich früher angefangen und die Bühne schon kurz nach 20 Uhr wieder verlassen. Das soll einem zeitigen Ende des Konzerts dienen und später verärgerte Anwohner vom Telefon abhalten. Der Ärger ist nun auf Seiten des Publikums und wird durch viertelstündiges Schlangestehen für ein schales Bier im Plastikbecher freilich nicht gemildert.

Gesprächsthema ist, klar, Herr Lehmann. Dass der Regener jetzt einen zweiten Teil schreibe, der aber zeitlich vor dem anderen angesiedelt sei. Ob der Film besser sei oder das Buch oder ob man hier eine der seltenen gleichwertigen Umsetzungen eines Stoffes vor sich habe. Das Publikum scheint trotzdem nur zum kleinen Teil aus den neuen, den Lehmann-Fans zu bestehen. Während viele noch für ihr Pils anstehen, betreten Element Of Crime die Bühne: Sven "the Voice" Regener in Jeansjacke, die nicht nur an einer Ecke spannt, die anderen Bandmitglieder eher im Hintergrund agierend. Die Kommentare sind respektlos, aber liebevoll: "Is’ der dick geworden." Man hat sich lange nicht gesehen, vielleicht auch aus den Augen verloren, aber man hat sich gern.

Element Of Crime starten ruhig, besetzen mit den ersten Tönen den Platz. Hier kommen gute deutsche Texte her, hier ist die Melancholie. "Romantik!!" brüllt Regener immer wieder, die Arme in die Dämmerung streckend, und das Publikum ist einverstanden. Die Dramaturgie der Setlist ist routiniert, man steigert sich in Soli und Stimmung, bedächtige Stücke lassen alle wieder enger zusammen rücken. Die Trompete klingt wundervoll, fast schöner als auf den Alben. Nur zwei Lieder in Englisch, aus den frühen Jahren, sind dabei.

In den Pausen kokettiert die Band mit dem Alter und ihrem "Jeansboy-Outfit". "Was Neil Young darf, dürfen wir erst recht." Die schwarzen Anzüge sind weg, der Lack ist ab. Aber die Stimme von Sven Regener und der Charme der sprachverliebten Texte sind geblieben. Regener nimmt sich selbst nicht zu ernst, ist milde, hat viel gesehen. Manche können älter werden und trotzdem souverän auf der Bühne stehen. Mitleid ist hier fehl am Platz.

Höhepunkte werden bejubelt: "Weißes Papier", "Draußen vor dem Fenster", "Wenn der Morgen graut". Der Blick in die Runde, alle strahlen Regener versonnen an und singen mit. Das Publikum, quer durch zweieinhalb Generationen, ist heute abend sehr versöhnlich mit sich und dem Rest der Welt. Noch viermal kommen Element Of Crime wieder für Zugaben auf die Bühne, niemand mag sie gehen lassen. "Tschüss. Servus. Auf Wiedersehen.", sagt Regener. "Wer weiß, wann wir die das nächste Mal wiedersehen", sagt ein glückliches Gesicht im Publikum, und die Parkbühne leert sich langsam. Vom Band kommt Radioheads "Creep". Das Familientreffen ist zu Ende.

 

Links:

>> Künstlerinfo Element Of Crime bei POP FRONTAL

>> Konzert-Tip bei POP FRONTAL! Element Of Crime (Juli 2004)

>> Homepage Element Of Crime

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