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Nachdem in den letzten drei Jahren im beschaulichen Odenwalddörfchen Finkenbach nur die Hirsche röhrten und die Vögel sangen, war
die Zeit reif für eine neue Ausgabe des bei vielen Fans aus nah und fern beliebten "Finki"-Festivals. Bei der nunmehr
26. Auflage am wild durch's Tal fließenden Finkenbach präsentiert das Festival mit den Krautrock-Urgesteinen Guru Guru
und Kraan Bands, die deutsche Rockgeschichte geschrieben haben.
Kraan / Hellmut Hattler
Schönstes Hochsommerwetter lädt geradezu zu einem Wochendtrip in den erholsamen Odenwald ein. Im 450-Seelen-Dorf Finkenbach ist auch fast alles wie immer,
wenn das Festival stattfindet: Die Einwohner locken die weitgereisten Besucher mit selbstgebackenem Kuchen und Frikadellen.
Die Betten der beiden Gastpensionen sind natürlich ausverkauft. Der Duft von Gegrilltem, Räucherstäbchen
und Lagerfeuern liegt überall betörend in der Luft. Und im Ort sitzen Grüppchen
in der Spätsommersonne beim gemütlichen Bier beisammen. Alles wirkt fast wie bei einem
großen Familienfest.
Musikalisch legen sich die Lokalpunker Borderline zu Beginn des Programms mächtig ins Zeug, was einen Teil der Besucher zum wilden Pogotanz
vor der Bühne und die anderen zum Relaxen in der Sonne veranlasst. Erst als die "bayrischen Worldmusiker" Jorbateh Kunda
in der Abenddämmerung die Bühne entern, kommt richtig Stimmung unter den gut 1000 Fans auf dem Gelände auf.
African-Caribic-Dance-Musik vom Feinsten verzaubert die Festivalwiese in eine bunt tanzende Landschaft. Das energiegeladene
Oktett vertont bei seinem Auftritt afrikanische Geschichten von alten Königen und Kriegern, teils untermalt von
historischen Instrumenten. Und die haben ihr Eigenleben am abends kühlfeuchten Bachlauf: so gelingt es Bandgründer
Tormenta Jorbateh erst nach einer Weile, seine Kora, eine afrikanische Kürbisharfe, zu zähmen, wie er schmunzelnd bemerkt.
Die Prime-Time danach gehört Guru Guru. Das legendäre und scheinbar ewig junge
Avantgarde-Quartett um den "Master of Drums" Mani Neumeier ist seit 40 Jahren aus der deutschen
Rockgeschichte nicht mehr wegzudenken. Eigens für ihr Finki-Konzert haben die bestens aufgelegten Gurus
ihre Jubiläumstour-Setlist neu kreiert und bieten teils lange nicht gehörte Klassiker.
"Space Baby" ist so ein Hammer mit episch ausufernden Bass- und Gitarrenlinien, getragen von
einem satten Drumgroove. "I will make you dance", ruft Mani Neumeier zwischendurch aufgedreht
ins Publikum und lässt scheinbar mühelos seine Drumsticks durch die Luft wirbeln. Egal ob
bei Songs vom neuen Album "PSY" oder bei Evergreens wie "Ooga Booga Special":
unter donnerndem Applaus lässt es die Band an diesem Abend richtig krachen. Und auf die
obligatorische Frage "Warum macht ihr eigentlich Musik?" im skurrilen Song
"Elektrolurch" antwortet Gitarrist Hans Reffert glaubhaft und treffend mit:
"Weil wir dabei so richtig gut ausflippen können!" Es folgt ein geniales Riffbrettsolo.
Die Jazzrocker Kraan, schon oft in Finkenbach zu Gast, schließen anschließend nahtlos
an den Guru-Auftritt an. Seit dem Austritt von Keyboarder Ingo Bischoff leider zum Trio geschrumpft, erklingen ihre
Stücke zwar noch etwas bassbetonter, doch dafür umso rhythmischer. Songs wie "Nam Nam" mit
Hellmut Hattlers treibendem Bassspiel oder "Jerk of Live" lassen niemanden auf der Wiese ruhig stehen.
In tiefster kühler Nacht folgt mit Lover 303 ein musikalisch spannendes Trance-Acid-Liveprojekt
von Gitarrenfrau Conny Mali und "Mr. Drums" Mani Neumeier, diesmal unterstützt von einigen
Jorbateh Kunda-Musikern. Psychedelische Filmsequenzen, berauschende Live-Loopings, exotisch verzerrte
Gitarrenklänge und druckvolles Schlagzeugspiel vertreiben im Nu jegliche Müdigkeit bei den vielen Fans.
"Wir und ihr haben gewonnen, Finkenbach lebt weiter", ruft Mitorganisator Mani Neumeier zum Schluss dankbar
ins Publikum. Recht hat er - und so freuen wir uns schon auf das nächste Finki-Festival!