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Gesehen! Finkenbach Festival / 30.08.2008, Finkenbach-Odenwald

Gezähmte Kora am wilden Bach

Text: Carlo G. Reßler      Live-Fotos: Sati (www.satipics.de)

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Nachdem in den letzten drei Jahren im beschaulichen Odenwalddörfchen Finkenbach nur die Hirsche röhrten und die Vögel sangen, war die Zeit reif für eine neue Ausgabe des bei vielen Fans aus nah und fern beliebten "Finki"-Festivals. Bei der nunmehr 26. Auflage am wild durch's Tal fließenden Finkenbach präsentiert das Festival mit den Krautrock-Urgesteinen Guru Guru und Kraan Bands, die deutsche Rockgeschichte geschrieben haben.

Kraan

Kraan / Hellmut Hattler

Schönstes Hochsommerwetter lädt geradezu zu einem Wochendtrip in den erholsamen Odenwald ein. Im 450-Seelen-Dorf Finkenbach ist auch fast alles wie immer, wenn das Festival stattfindet: Die Einwohner locken die weitgereisten Besucher mit selbstgebackenem Kuchen und Frikadellen. Die Betten der beiden Gastpensionen sind natürlich ausverkauft. Der Duft von Gegrilltem, Räucherstäbchen und Lagerfeuern liegt überall betörend in der Luft. Und im Ort sitzen Grüppchen in der Spätsommersonne beim gemütlichen Bier beisammen. Alles wirkt fast wie bei einem großen Familienfest.

Musikalisch legen sich die Lokalpunker Borderline zu Beginn des Programms mächtig ins Zeug, was einen Teil der Besucher zum wilden Pogotanz vor der Bühne und die anderen zum Relaxen in der Sonne veranlasst. Erst als die "bayrischen Worldmusiker" Jorbateh Kunda in der Abenddämmerung die Bühne entern, kommt richtig Stimmung unter den gut 1000 Fans auf dem Gelände auf. African-Caribic-Dance-Musik vom Feinsten verzaubert die Festivalwiese in eine bunt tanzende Landschaft. Das energiegeladene Oktett vertont bei seinem Auftritt afrikanische Geschichten von alten Königen und Kriegern, teils untermalt von historischen Instrumenten. Und die haben ihr Eigenleben am abends kühlfeuchten Bachlauf: so gelingt es Bandgründer Tormenta Jorbateh erst nach einer Weile, seine Kora, eine afrikanische Kürbisharfe, zu zähmen, wie er schmunzelnd bemerkt.

Die Prime-Time danach gehört Guru Guru. Das legendäre und scheinbar ewig junge Avantgarde-Quartett um den "Master of Drums" Mani Neumeier ist seit 40 Jahren aus der deutschen Rockgeschichte nicht mehr wegzudenken. Eigens für ihr Finki-Konzert haben die bestens aufgelegten Gurus ihre Jubiläumstour-Setlist neu kreiert und bieten teils lange nicht gehörte Klassiker. "Space Baby" ist so ein Hammer mit episch ausufernden Bass- und Gitarrenlinien, getragen von einem satten Drumgroove. "I will make you dance", ruft Mani Neumeier zwischendurch aufgedreht ins Publikum und lässt scheinbar mühelos seine Drumsticks durch die Luft wirbeln. Egal ob bei Songs vom neuen Album "PSY" oder bei Evergreens wie "Ooga Booga Special": unter donnerndem Applaus lässt es die Band an diesem Abend richtig krachen. Und auf die obligatorische Frage "Warum macht ihr eigentlich Musik?" im skurrilen Song "Elektrolurch" antwortet Gitarrist Hans Reffert glaubhaft und treffend mit: "Weil wir dabei so richtig gut ausflippen können!" Es folgt ein geniales Riffbrettsolo.

 

 

Die Jazzrocker Kraan, schon oft in Finkenbach zu Gast, schließen anschließend nahtlos an den Guru-Auftritt an. Seit dem Austritt von Keyboarder Ingo Bischoff leider zum Trio geschrumpft, erklingen ihre Stücke zwar noch etwas bassbetonter, doch dafür umso rhythmischer. Songs wie "Nam Nam" mit Hellmut Hattlers treibendem Bassspiel oder "Jerk of Live" lassen niemanden auf der Wiese ruhig stehen.

In tiefster kühler Nacht folgt mit Lover 303 ein musikalisch spannendes Trance-Acid-Liveprojekt von Gitarrenfrau Conny Mali und "Mr. Drums" Mani Neumeier, diesmal unterstützt von einigen Jorbateh Kunda-Musikern. Psychedelische Filmsequenzen, berauschende Live-Loopings, exotisch verzerrte Gitarrenklänge und druckvolles Schlagzeugspiel vertreiben im Nu jegliche Müdigkeit bei den vielen Fans.

"Wir und ihr haben gewonnen, Finkenbach lebt weiter", ruft Mitorganisator Mani Neumeier zum Schluss dankbar ins Publikum. Recht hat er - und so freuen wir uns schon auf das nächste Finki-Festival!

 

Links:

>> Festivalinfo Finkenbach Festival 2008 bei POP FRONTAL

>> Homepage Finkenbach Festival

>> Festivalbericht Finkenbach Festival 2004 bei POP FRONTAL

 

Kraan

Kraan

 

Guru Guru

Guru Guru

Guru Guru

 

Jorbateh Kunda

Jorbateh Kunda

Jorbateh Kunda

 

Lover 303

Lover 303

Lover 303

 

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