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Gesehen! The Flaming Lips, 04.05.2006, Hamburg, Markthalle

Eine Runde freuen mit Herrn Coyne

Text: Simone Deckner

 

"Das wird großartig" war der meistgehörte Satz, wenn man erwähnte, man sei unterwegs zum Auftritt der Flaming Lips. "So was hast Du noch nicht gesehen" der zweithäufigste. Erzählt wird ja viel. Was die Ausnahmeband um Sänger Wayne Coyne dann aber abends anstellte, hatte man sich in der Tat nicht ausmalen können: Farben rauschten, Songs rissen einem das Herz heraus, Nikoläuse tanzten mit Aliens um die Wette, Blut spritzte wie erhofft. Kurz: man durfte einem Fest beiwohnen.

The Flaming Lips

Sie sind alle in der Markthalle. Manche sind aus Berlin angereist, andere gar aus Zürich: Sie vergessen den beginnenden Sommer. Hitze herrscht hier ohnehin genug: Geschätzte 50 Grad. Nach zwei Minuten sehen alle so aus, als hätten sie gerade geduscht. Aber wer würde jammern? Wenn man fast zwei Stunden lang Wayne Coyne und seinen Flaming Lips - den wahren Exzentrikern des Psychedelic Pop - dabei zuschauen kann, wie sie eine sehr bunte, sehr ausgelassene, sehr wunderbare Geburtstagsfeier für große Kinder feiern. Als Gäste dabei: Weiße Riesenballons, Papierschnipsel in allen Farben des Regenbogens, die von der Wand rieseln. Eine überdimensionale Konfettipistole, bedient von einem Supermann in blau. Nebel, Handscheinwerfer, eine singende Nonnen-Marionette, ein Kinderkeyboard, das Tierstimmen nachahmen kann. Nicht zu vergessen: Eine Gruppe Nikoläuse und eine Gruppe Aliens, rechts und links am Bühnenrand postiert. Sie tanzen und grinsen den Abend über, als hätte man ihnen gerade mitgeteilt, dass sie fortan jeden Monat 5.000 Euro Rente bekommen. "Das sind einige Flaming Lips-Enthusiasten", stellt Coyne sie unter Jubel vor.

Was glatt untertrieben ist: Die Halle ist voll von ihnen. Und sie kommen kaum darüber hinweg, dass die Band gleich zu Anfang eines ihrer tollsten Lieder ("Race For The Prize") spielt. Sie kennen auch schon die neuen Songs von "At War With The Mystics" wie das sehr gute "The W.A.N.D." Sie imitieren die "typische Handbewegung" des Abends - eine gen Himmel gereckte Faust von Coyne - uncool und voller Emphase. Sie können sich nicht satt sehen an dieser Orgie aus Farben, Videos, Nebel und dem Skelettkostüm von Bassist Michael Ivins.

 

 

Natürlich schmiert sich Coyne irgendwann auch wieder Kunstblut ins Gesicht und durchleidet mit seiner klaren Kopfstimme theatralisch, aber nie peinlich "Yoshimi Battles The Pink Robots", einen weiteren Song, wie ihn nur die Flaming Lips schreiben können. Bitte noch nicht aufhören, bitte noch nicht aufhören, murmelt man in sein Bierglas, und wahrscheinlich ist da gerade eine Freudenträne hineingetropft. Zum Ende hin wird der Mann, der hier körbeweise Lebenfreude ausgeschüttet hat, auf einmal ruhig und bedankt sich für "den Enthusiasmus, den ihr mit uns geteilt habt. Ich weiß, man kommt sich dämlich vor. All das Mitsingen, Händeschwenken, Konfetti auf sich regnen lassen und all das - aber ich habe gerade ein ziemlich gutes Gefühl, wenn ich Euch so sehe, über die menschliche Spezies als solches." Wer zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht gemerkt hat, dass Spaß haben nicht stets gleichzusetzen ist mit laut und hohl sein, der soll sich bitte begraben lassen. "Superman" gibt's als erste Zugabe und dann - schon traditionell - "War Pigs" von Black Sabbath. Sie wussten alle, warum sie gekommen sind. Sogar aus Zürich.

 

Links:

>> Künstlerinfo The Flaming Lips bei POP FRONTAL

>> Homepage The Flaming Lips

>> The Flaming Lips: At War With The Mystics - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

The Flaming Lips

The Flaming Lips

 

The Flaming Lips: At War With The Mystics

The Flaming Lips: At War With The Mystics

(Warner / Warner)

 

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