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Gesehen! Future Islands / 21.07.2011, Köln, Sonic Ballroom
Kammerflimmern
Text: Florian Sekula
Kein Wunder, dass sich die Future Islands für ihren Besuch in Köln erneut den Sonic Ballroom ausgesucht haben. Vor gut einem halben Jahr wurden hier rund 80 Menschen Zeuge von Sänger Samuel Herrings einzigartiger Bühnenpräsenz. "Never change a winning team", dachte sich auch die Band und spielte erneut vor ausverkauftem Haus ein fast identisches Konzert. Zum Glück.
Die hingebungsvollen Liveauftritte der Future Islands wirken jedes Mal von neuem wie Samuel Herrings ganz persönlicher Exorzismus. Mit starrem Blick und weit aufgerissenen Augen fixiert Herring eine nichtexistente Entität, irgendwo in der hintersten Ecke im wohnzimmergroßen Sonic Ballroom, ballt beide Hände fest zur Faust und lässt sie windmühlenartig durch die Luft kreisen. Immer wieder greift er verzweifelt nach ihr, lächelt sie schüchtern an, spricht mit ihr durch seine Lieder und ist schon längst in seiner eigenen nebulösen Welt verschwunden. Der Schweiß steht ihm pfützenweise auf der Stirn und die völlige Identifikation mit der Musik seiner Band druckreif ins Gesicht geschrieben.
Während die Bandkollegen Gerrit Welmer und William Cashion beinahe regungslos und routiniert Synthesizer und Bass bedienen, okkupiert Herring die kleine Kölner Bühne mit ausufernder Gestik und die verblüfften Zuschauer gleichermaßen durch sein besessenes Minenspiel. Hände und Arme fliegen durch die Luft und peitschen die Musik voran, Bässe und Klangflächen zurren durch den Raum. Dieser Energie ist der kleine Punk-Club am heutigen Abend nicht gewachsen und lässt die Bleche der Lüftungsschächte im Takt mitscharren. Ob etablierte Oldies aus dem Backkatalog wie "The Happiness of being twice", "Old Friend", "Tin Man" und "Beach Foam" oder brandneues Songmaterial aus dem kommenden Album "On the Water": das Publikum kann an diesem Abend nicht anders, als dem akustischen Beat-Pingpong, das zwischen den Wänden der schmalen Konzertkammer hin und her springt, nachzugeben - und befindet sich so zwangsläufig mitten in die Schussfläche.
Herring vereint dabei gekonnt die Fähigkeiten eines ansteckenden Entertainers mit gleichermaßen einfühlsamer und beinahe poetischer Kommunikation mit seinem Publikum. Auf der Bühne scheint er wieder Kind sein zu können, frei vom kakophonen Klang des Alltags und in völliger Harmonie mit seiner Musik. Herring hat hier seinen ganz eigenen Nicht-Ort gefunden. Mit dem schüchternen "Little Dreamer" bricht der dämonische Tanz schließlich ab und entlässt das begeisterte Publikum hinaus aus der flimmernden Hitze hinein in die kühle Nacht eines ebenso illusionierten Sommers.