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Gesehen! Gregg Allman Band, Tedeschi Trucks Band, Kristy Matthews / 11.07.2011, Bonn, Museumsplatz

Family Affair

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: Tobias Berk

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Das Bündel, das Shooter und ELH Promotions/Noisenow für dieses Konzert auf dem Museumsplatz (dessen Tage wohl gezählt sind, aber das ist eine andere, traurige Geschichte) geschnürt haben, hatte wirklich Weltklasse. Die Familienangelegenheit Tedeschi Trucks Band ist so frisch gebacken, wie eine Band es nur sein kann. Und da die Gebrüder Allman zuletzt 1991 Europa bespielt hatten, konnte auch die Gregg Allman Band auf ganz besonderes Interesse hoffen.

Tedeschi Trucks Band

Tedeschi Trucks Band

Das musste sich die vorgeschaltete Formation erst erarbeiten, was ihr allerdings schwungvoll gelang. Statt des früher mal angekündigten Jimmy Vaughan hatte Krissy Matthews den Job bekommen. Das gerade mal 19 Jahre alte Blues-"Wunderkind" mit norwegischen und britischen Wurzeln spielt seit dem achten Lebensjahr E-Gitarre und hat in seiner vergleichsweise kurzen Musikerkarriere schon die Bühne mit u.a. John Mayall und den BluesBreakers, Rick Vito, Jeff Healey und Joe Bonamassa geteilt. An den jungen Bonamassa erinnert Krissy auch ein wenig - nicht zuletzt durch die Sonnenbrille und die Les Paul. Das Material seines Trios, wohl überwiegend vom aktuellen Album "Hit The Rock" stammend, ließ das Publikum mit einem geschätzten Durchschnittsalter von 49+ selbst zu dieser frühen Stunde (17:15 Uhr) alsbald wippen oder zumindest anerkennend mit dem Sektglas schwappen.

Da beide Drumkits der Tedeschi Trucks Band schon aufgebaut waren, konnte es bereits um um 18:05 Uhr mit diesem ausgesprochenen Leckerbissen weitergehen. Für diese Formation hatten Susan Tedeschi (Susan Tedeschi Band) und Derek Trucks (The Allman Brothers Band, The Derek Trucks Band / TDTB) - im richtigen Leben verheiratet und Eltern zweier Kinder - ihre jeweiligen Solo-Projekte auf Eis gelegt, um fürderhin mit dieser elfköpfigen Truppe zu arbeiten. Und zu touren! Auf diese Entwicklung und die resultierende Musik (mehr Soul, R'n'B und Funk, weniger Jazz und Weltmusik, vor allem spürbar reduzierte orientalische und afrikanische Einflüsse im direkten Vergleich zur TDTB) hätten Fans durch frühere Kooperationen der beiden wie "Baby You're Right" von "Joyful Noise" vorbereitet sein können. Auch live in Bonn erwies sich die Kombi aus Susans Stimme (oft und gerne als Mixtur aus Bonnie Raitt und Janis Joplin beschrieben), Dereks formidabler Slide-Gitarre als anders, aber unschlagbar.

"Learn How To Love You" eröffnete schon passend auf der Note von friedlicher Leidenschaft, gefolgt von "Find My Way" (mit Szenenapplaus für das Solo des überwiegend lieb und verhalten vor sich hin lächelnden Trucks) und dem eindringlichen "Midnight In Haarlem". Das anspielungsreiche "Don't Let Me Slide" ist so etwas wie der Hit des Debüt-Albums "Revelator". Für "Love Has Something Else To Say" darf - sympathischerweise - auch der ausgezeichnete TDTB-Sänger Mike Pattison aus dem Hintergrund ins Rampenlicht treten. Kebbi Williams‘ ewig langes Sax-Solo von "Bound For Glory" ist jede Sekunde fesselnd. Die beiden Drummer Tyler Greenwell und J.J. Johnson unterlegen all dies mit einem endlos scheinenden Groove-Fluss - niemals effekthascherisch und doch ein unwiderstehlicher Sog aus Fills und Rolls. Auffällig auch, dass sich die Band öffentlich nicht nur bei ihrer Crew, sondern ausdrücklich auch bei der Plattenfirma Sony bedankt. Die dreiköpfige Bläser-Sektion kommt natürlich besonders zu ihrem Recht bei "Uptight (Everything's Alright)". Zugabenlos geht eine Pracht von Auftritt zu Ende. "Da wird Derek Trucks wohl mit Gregg Allman noch jammen", dachte da manch einer im Publikum. Und behielt Recht.

Doch als um kurz nach Acht die Headliner des Abends loslegen, ist Derek bei der Allmans-Nummer "Don't Keep Me Wonderin'" noch nicht dabei. Auch "I'm No Angel" wird noch ausschließlich vom (ausgezeichneten) Gitarristen Scott Sharrard befeuert, sowie natürlich vom Saxophonisten Jay Collins. Nach "Tears, Tears, Tears" (einer der wenigen Nummern vom aktuellen Soloalbum "Low Country Blues") und dem legendären "Statesboro Blues" (Allman Brs.) und "Ridin‘ Thumb" (King Curtis), nach dem rollenden "You Must Be Crazy" (Floyd Miles) und "These Days" ist es dann soweit. Zu "Can't Be Satisfied" kommt das sanfte Slide-Monster auf die Bühne und veredelt auch das anschließende "Dreams". Dass sich zu "Feel So Bad" auch noch Susan Tedeschi auf der Bühne einfindet, kommt ausgesprochen gut im Publikum an, unter dem die Kollegen vom General Anzeiger übrigens sogar unser Bluesgitarren-As Henrik Freischlader und die niederländische Bluesrock-Institution Julian Sas im fachkundigen Publikum ausgemacht haben.

Gregg singt derweil ... wie er das immer getan hat - wenig virtuos, aber ungemein authentisch. Und das ist gut, angesichts einer überstandenen Lebertransplantation. Das trocken-ästhetisch rumpelnde "Just Another Rider" von "Low Country Blues" fügt sich gut ein. Das sanftere "Melissa" hatte Gregg für die Allman Brs. (mit)komponiert. "Just Before The Bullets Fly" ist das Titelstück von einem von Greggs seltenen, aber hörenswerten Soloalben, wohingegen den Brothers-Hit "Midnight Rider" auf dem Platz fast jeder kennt. Genauso wie natürlich den Showstopper "Whipping Post". In Summe ein bei aller Grandiosität viele intime Momente aufweisendes Familienfest.

 

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Links:

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>> Live-Tipp (21.06.11): Gregg Allman / Tedeschi Trucks Band - Seltene Kostbarkeiten

>> Video "Just Another Rider (Rehearsal Session)" bei youtube.com

>> Homepage Gregg Allman

>> Homepage Tedeschi Trucks Band

>> Homepage Krissy Matthews

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Gregg Allman

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Tedeschi Trucks Band

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Krissy Matthews

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