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Das erste Album der Bluesrocker um den Ausnahmegitarristen Tony McPhee "Scratching The Surface" ist auf 1968 datiert, einer Zeit in der der "British Blues Boom" auf dem Höhepunkt war. In der Folgezeit ging es steil bergauf für die Groundhogs. Sie landeten mit zehn Alben in den britischen Charts und eroberten sich eine große Fangemeinde. Seit kurzem ist die Band mit erstaunlicher Spielfreude wieder zurück in den Clubs - und am heutigen Abend in der Bonner Harmonie zu Gast.
Punkt 19.30 Uhr lassen derbe Bassklänge und eine saftige Bluesgitarre die Harmonie erzittern und die Fans vor die Bühne strömen. The Groundhogs sind on stage und gehen direkt in die Vollen. Bassist Dave Anderson, der sich schon bei Amon Düül II und Hawkwind als Tieftöner einen Namen gemacht hat, erzeugt ein wohliges Schauern in der Magengrube, während Drummer Mick Jones seine Felle erbarmungslos herausfordert. Die sehr rundliche Sängerin Joanne Deacon beeindruckt mit ihrem groovigen Bluesgesang. Und über allem erklingt fast majestätisch das exzellente Gitarrenspiel des Bandgründers Tony McPhee.
Egal ob lange, knackige Bluesrock-Läufe, Wah-Wah-Pedal-Exzesse oder ausufernde Echovarianten: Mr. McPhee beherrscht all diese Spielereien scheinbar im Schlaf. Gut gelaunt spielt er seinem Bassisten hin und wieder kleine "Soundbälle" zu: er bricht mitten im Akkord ab, Dave Anderson nimmt den Pass an und spielt mit einem treibenden Basslauf den Ball zurück. Ein tolles Erlebnis, diesem Altmeister mit den halblangen weißen Haaren und seinem schwarzen "Bad To The Bone"-T-Shirt bei seinen rauen Gitarreneskapaden zu lauschen. Denn genau sehen kann man seine wieselflinke Fingerakrobatik zumeist nicht. Der schon oft herangezogene Vergleich seiner virtuosen Spieltechnik mit der von Jimi Hendrix trifft auch heute noch voll zu.
The Groundhogs spielen mitunter sehr eigenwilligen Blues, manchmal schräg mit einem Schuss Rock'n'Roll, dann schrill und psychedelisch. Der Song "Strange Town" vom Album "Thank Christ For The Bomb" ist hierfür ein schönes Beispiel: Joanne Deacons Gesang mit Hallecho unterlegt, darüber ein sattes Basslooping, groovende Drums und die treibende Gitarre. Das lässt keine Wünsche offen. Außer einem - dass dieser Gig etwas länger dauern möge, denn bereits nach gut 70 Minuten verabschieden sich die Murmeltiere mit "Down In The Bottom" als einziger Zugabe an diesem schönen Frühlingsabend von ihren Fans.