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Das alte Sprichwort von den
Totgesagten, die länger leben, trifft auf Hölderlin voll
zu. Die Band hatte sich eigentlich längst aufgelöst. Mehr
als 25 Jahre liegen mittlerweile zwischen dem letzten Studioalbum
"Fata Morgana" und dem neuen Genusswerk "8",
welches die Band nun im Kölner Stadtgarten live präsentierte.
Den Anstoß zur überaus gelungenen Reunion gab vor zwei
Jahren die Anfrage des WDR Krautrockpalastes, in dessen Rahmen die
Band dann ein vielbejubeltes Konzert spielte. Von der legendären
Wuppertaler Artrock-Band der 70er Jahre ist jedoch lediglich die
Rhythmussektion in Person von Bassist Hans Bäär und
Schlagzeuger Michael Bruchmann übrig geblieben. In der aktuellen Besetzung mit Sängerin
und Violinistin Ann-Yi Eötvös, Gitarrist Dirk Schilling und
Keyboarder Andreas Hirschmann haben sich Hölderlin heute verjüngt.
Den melodiösen Konzertabend im gut
besuchten Stadtgarten eröffnet Rainmaker, das neueste
Percussion-Jam-Projekt des rastlosen Kölner Musikunikums Stefan
Krachten (u.a. Unknown Cases) mit Conny Chillin am Vibraphon.
Krachtens Motto ("Wir loopen irgendwas und spielen intuitiv
dazu") kommt bei den Gästen bestens an. Der Hölderlin-Gig
beginnt mit einer Überraschung: die Band muss ohne ihren
Gitarristen Dirk Schilling auskommen, der die Gruppe ein paar Tage
vor dem Kölner Auftritt aus privaten Gründen verlassen hat.
So muss Hans Bäär neben seinem Bass auch alle anderen
Gitarrenparts spielen, was er an diesem Abend hervorragend meistert.
Bei ihrem visuell sehr eindrucksvoll
untermalten Gig, u.a. mit projizierten Filmsequenzen, wird deutlich,
dass die Band verblüffend aktuell klingt. Wie schon auf ihrem
jüngst wiederveröffentlichten Kultklassiker "Traumstadt"
von 1978 bauen Hölderlin die Stücke live einfühlsam
und sanft dahingleitend auf. Stilvoll nutzen sie bei vielen Songs den
vollen Dynamik-Spielraum aus: vom leisen Seufzen der Violine,
untermalt von der glasklaren Stimme von Sängerin Ann-Yi, über
perlende Keyboardläufe bis zum gemeinsamen Spielrausch aller
Musiker. Das großartige "Come To Me" vom neuen
"8"-Album ist ein solches Stück, ebenso wie die
zuerst sehr soft dahintreibende "Schwebebahn" vom
zweiten Album. Es entfaltet sich ein einfühlsamer Mix aus zarter
Zurückhaltung und furiosen Soundeskapaden. Auch mit Ausflügen
in frühe "Rare Birds"-Zeiten zelebrieren die Musiker
erhabene Melodiebögen und präsentieren die hohe Schule des
Symphonic Rocks.
Neben der für Hölderlins
Musik prägnanten Violine, die den Sound manchmal ein wenig nach
Werken von Jean-Luc Ponty erklingen lässt, setzt in der
aktuellen Besetzung besonders die warme Stimme von Sängerin
Ann-Yi Eötvös (diesmal im kontrastvollen roten Kleid)
nachhaltig Akzente. Verspielte Loopings und fantasievolle
Keyboard-Effekte vom hellwachen Andreas Hirschmann werden von
druckvollen Drum-Parts und schaurig schönen Gitarrenriffs
untermalt. Ein echtes Sahnehäuptchen ist auch die einfühlsame
Rockballade "You", in der Ann-Yis Stimme geradezu in
himmlische Sphären abhebt. Das Stück "Rivers" -
gerade erst live geprobt und als letzte Zugabe von Ann-Yi und Hans
Bäär an der Akustkgitarre präsentiert - rundet den
überzeugenden Auftritt optimal ab. Fazit: Hölderlin 2007
ist eine wunderbar gelungene Symbiose aus alten und neuen Songs,
voller Dynamik und Spielwitz.