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Gesehen! Hurricane Festival 23. - 25.06.2006, Scheeßel, Eichenring

Das Festival ist rund!

Text / Live-Fotos: Michael Kellenbenz

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Am Ende fehlen nur wenige Minuten, und das Hurricane-Festival 2006 ginge als eines der buchstäblich komplettesten in seine eigene Geschichte ein. Ein Unwetter will es, dass das Spiel kurz vor Ende abgebrochen werden muss. Bis dahin überzeugt es im Sturm, zeigt nur wenige Schwächen im Mittelfeld und steht sicher in der Abwehr. Das Konzept, auf millionenschwere Teams zu verzichten, geht auf. Stattdessen ein Teilnehmerfeld, welches sich abwechslungsreich ineinander reiht. POP FRONTAL fasst die interessantesten Szenen zusammen.

Fettes Brot

Fettes Brot

Anstoß, der

Langsames gegenseitiges Abtasten am frühen Freitagnachmittag. Offensichtlich sind die meisten Besucher bereits sehr früh angereist und füllen den Eichenring schnell. Der Platz erinnert an ein Fußballfeld. Zwischen den Bühnen wird der Raum schnell überbrückt. Ben Harper und Elbow halten den Ball noch flach, bis Britanniens junge Arctic Monkeys hineingrätschen und den Weg für die ungewohnt konzentriert erscheinenden Tomte ebnen. Nebenan wird derweil auf der Hauptbühne bereits Titel an Titel gefeiert. Seeed (die Anfangs erst Champagner und später pure Laune verspritzen), Fettes Brot und Manu Chao (Meister in die Länge gezogener Konzertintros) geben der feiernden Menge kaum Gelegenheit, die Beine mal an den Boden zu bekommen.

 

Stadion, das

Nichts zu mäkeln gibt es am ordentlich hergerichteten Rasen. Alles möglich darauf, ohne Verletzungsgefahr. Wem jetzt partout ein alter Hosen-Song in den Sinn kommt, liegt auch nicht ganz verkehrt. Die zwei großen Bühnen in Grün und Blau gekleidet stehen parallel etwa einhundert Meter voneinander entfernt. Taktisch gut angedacht. Doch ein Manko bleibt. Wo sich Auftritte zeitlich überschneiden, tun selbiges auch die Töne. Selbst auf der "Red Stage" (die Zeltbühne - allerdings in Wahrheit Weiß-Blau) wird dies hin und wieder von Besuchern moniert. Hier herrscht Diskussionsbedarf in der Mannschaftsbesprechung.

 

 

 

Ballzauber, der

Eigentlich können sie es alle. Ungestüm rocken Boozed am zweiten Tag kurz nach der Mittagszeit, als wäre es tiefe Nacht und Kellerclub. Skin will es allen noch einmal zeigen, wirbelt furcht erregend mit dem Mikroständer und hinterlässt doch letztlich nur noch etwas mehr Wehmut um ihre alte Band als ohnehin schon. Smoke Blow dagegen mit geballter Energie, viel aufgewirbeltem Staub und sehr junger Verstärkung auf der Bühne. Vielleicht wird der Bengel auf der Bühne eines Tages mal ein wahrer Killerpilz. Danach The Podolskis. Die kleinere der beiden Bühnen muss kurzfristig den Menschenauflauf auffangen, der Deutschland gegen Schweden gewinnen erleben möchte. Warum das fast zum Problem wird?

 

Abseits, das

Nada Surf haben eigentlich zeitgleich ihren Auftritt. Doch der vorgesehene Platz vor der Videoleinwand auf dem Campinggelände kann die Massen nicht alleine verkraften. Einige wenige Songs spielen sie. Dann geht die Sicherheit vor, und auch hier sitzen noch einmal geschätzte 15.000 Besucher vor der Bühne. Nada Surf dagegen sollen im nächsten Jahr wiederkommen. Pikanterweise folgen unmittelbar nach Schwedens Niederlage ausgerechnet Mando Diao und The Hives. Ohne unnötig Worte zu verlieren, dampfen beide großspurig und unbeeindruckt durch ihre Sets. Hinterlassen einen weitaus kompakteren Eindruck als die schwedischen Balltreter. Apropos Treter.

 

Gelbe Karte, die

Verdienen sich eindeutig The Strokes nach ihrem präzisen Schlag mit dem Mikrofonständer gegen eine (zugegeben nervige) motorisierte Kamera im vorderen Bühnenbereich. Das erzeugt in der Folge reichlich unscharfe Bilder und lässt eine saftige Geldstrafe folgen. Irgendwie erinnert diese Szene für Momente an kampfunfähige Roboter mit abgetrennten Köpfen aus einschlägigen B-Movies. Wir wünschen uns die Einführung der Zeitlupenwiederholung. Weitaus ruhiger geht es zur selben Zeit nebenan mit Adam Green (gewohnt verpeilt), den schönen, stilvoll arroganten Element of Crime und Sigur Ros zu. Letztere beginnen ihr Konzert nicht nur wie gewohnt hinter dem weißen Vorhang, sondern beenden es auch wieder dahinter. Für tiefe Nächte und tief drinnen.

 

Rote Karte, die

Der Sonntag überzeugt mit einem abwechslungsreichen Programm. Von den Schöngeistern Deus, über weiterhin teuflisch gefeierte Billy Talent, zu den eingesprungenen Rückkehrern Eagles of Death Metal. Das famos sympathische "Steady Rollin"-Duo Two Gallants signiert im Anschluss sogar schweißnasse weiße Frotteehandtücher. Doch was ist eigentlich in Live, respektive Ed Kowalczyk gefahren? Ein Schatten vergangener Tage, so dunkel wie sie selbst einst zu "Throwing Copper"- oder "Secret Samadhi"-Zeiten noch. Prinz Kowalczyk lässt keinen Zweifel aufkommen, dass die lustlose Band nur aus Statisten von der Auswechselbank besteht und kündigt gleich mehrfach "My new album" an. Platzverweis spätestens beim vollkommen missratenen Cash-Cover "I walk the line". Vom Pathos direkt ins Desaster. Was für ein Abstieg!

 

Schlussoffensive, die

Dass Archive dem Fest ihren eindrucksvollen Stempel aufdrücken würden, war spätestens nach ihrer zurückliegenden Tour klar. "Aus der Tiefe des Raumes" mag eine der schlimmsten Fußballphrasen sein. Indes beschreibt sie bestens einen Auftritt, dem es an keiner Stelle an Dynamik, Ballbeherrschung und Tempowechsel mangelt. "Guten Tag" danach mit den immerfreundlichen Helden. Während Muse und Gnarls Barkley sich noch aufwärmen, zieht dann bereits bedrohlich das Unfassbare herauf.

 

Spielabbruch, der

Zu einer unfreiwilligen Verlängerung wird für viele Besucher der Festivalausklang. Binnen Minuten steht der Platz unter Wasser, drohen Blitze in unmittelbarer Nähe, kommen Böen bis zu Windstärke 11 auf. Etwa 30.000 Menschen müssen das Gelände fluchtartig verlassen ("Raus! Raus! Alle Raus!"). Sämtliche Notausgänge sind geöffnet. Das Krisenmanagement bewährt sich in diesen wichtigen Augenblicken (>> POP FRONTAL berichtete).

 

Weisheit, die

Nicht unvorstellbar, dass Scorpio-Teamchef Folkert Koopmans unmittelbar nach dem zehnten Hurricane-Geburtstag ein paar Minuten alleine auf dem menschenleeren Platz verweilt hätte. So wie "Kaiser Franz" damals in Rom versunken seine Runden drehte. Vielen Kritikern haben sein Team und er gezeigt, dass sie bereit sind, neue Wege zu gehen und sachliche Kritik zu verwerten. Wenige Minuten am Ende hätten dem schönen Ganzen ein böses Ende setzen können. Umso erfreulicher zu sehen, dass straffe Organisation, eine geradeaus agierende Security und ausgelassenes Feiern einander nicht ausschließen müssen. Wichtig ist nämlich immer noch auf’m Platz!

 

Nächste Saison, die

Hurricane-Festival 2007 im Juni in Scheeßel!

 

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Links:

>> Festival-Info Hurricane 2006 (mit Künstlerinfos) bei POP FRONTAL

>> Festival-Bericht Hurricane Festival 2005 bei POP FRONTAL

>> Homepage Hurricane Festival

 

 

Arctic Monkeys

Arctic Monkeys

 

Seeed

Seeed

 

Tomte

Tomte

 

Manu Chao

Manu Chao

 

Smoke Blow

Smoke Blow

 

Element Of Crime

Element Of Crime

 

Adam Green

Adam Green

 

The Raconteurs

The Raconteurs

 

Billy Talent

Billy Talent

 

Wir Sind Helden

Wir Sind Helden

 

Skin

Skin

 

Archive

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