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Gesehen! Idaho, finn., Larsen & Furious Jane / 16.12.2004, Hamburg, Knust

Dänen, Diskobeat und Diamanten

Text/Fotos: Martina Nossek  

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Ob alles Gute von oben kommt, sei einmal dahingestellt. Aber die Richtung stimmt. Nordlichter haben in der letzten Zeit eine besonders faszinierende Wirkung. Denn der Indie-Rockhimmel strahlt gerade über der dänischen Musikszene ganz besonders hell. Unter der Obhut des Aarhuser Labels Morningside bescheren uns neue Alternative-Bands wie Figurines, Strumm oder Larsen & Furious Jane frische skandinavische Sounds. Einer der aufflackernden Sterne aus dem Kosmos des Nordens eröffnen das internationale Abendprogramm im noch spärlich besuchten Knust.

Finn.

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Die Newcomer Larsen & Furious Jane locken mit "Untitled" die ersten Neugierigen von der Theke vor die Bühne. Noch steht es allerdings eins zu eins Ausgleich: vor und auf der Bühne erblickt man ähnlich viele Menschen. Die Dänen sind zu siebt. Sozialstaat auf der Bühne à la Corduroy. Die Zuschauer holen merklich auf, denn das 2004er Debut "I'm Glad He's Dead" von Singer und Songwriter Torsten Larsen (Acoustic Guitar & Vocals) und seiner Band führt beispielhaft vor, wie eine Vielzahl musikalischer Elemente harmonisch ineinander greifen, ohne sich in die Quere zu kommen. Signe Lütken Allentoft übernimmt den weiblichen Gesangspart, während (jetzt tief Luft holen) Jesper Brodersen (Guitar & Backing Vocals), Keld Jørgensen (Drums), Lasse Schuleit (Bass), Mikkel Ibsen (Melodica, Harp, Harmonica, Guitar), Tore Johansen (Guitar & Backing Vocals) virtuose Melodien und Spannungsbögen kredenzen. Live und auf ihrer Homepage sehenswert, getreu dem Motto „Vertrau der Gruppe“ ist sowohl das Album-Cover wie auch die ganze Produktion des Albums von Larsen & Furious Jane in Eigenregie erstellt worden. Im Zuge der Globalisierung veröffentlicht ja auch Jeff Martin vom Headliner Idaho die Alben seiner Band ganz autonom im Selbstvertrieb. Doch noch bevor wir musikalisches Mastermind-Material der melancholischeren Daseinsmomente lauschen, wird das Knust in mehr Dunkel als Hell getaucht.

Denn zunächst kommt die Lektion "Disco Education" vom Schanzenvierteljungen finn. und seinem Apple-Kumpanen. Über die Bühnenleinwand huscht Grafisches in Schwarz/Weiß, vereinzelt Liedtextzeilenbrüchstücke, die erahnen lassen, um was es geht. Der Neuhörer hat keine Chance, denn vor lauter lauter Hall Hall Hall ist das zauberhafte finn.-Debüt nur zu erahnen. Ein Soundeigentor, das hätte vermieden werden können. Nervige Soundcheckerei im Eigeninteresse ist Pflicht und Sinn der Übung. Das uneingeschränkte Loblied geht vorübergehend ausschließlich an das Optische. "finn. and tomka: new adventures in low-fi", den 52-seitigen DIN-A5-Comic von finn. und Uta Röttger. Ein lässiger Streifzug eines Jünglings mit seiner musikvernarrten und hornbebrillten Katze durch Szeneviertel und Plattenläden. Ganz groß. Auf der Bühne schmunzelnswert ist der erste Auftritt von Lawrence bei "no slow-motion hype". Erfrischend Corporate-Identity-ungeeignet und jenseits des Schwarz-Weiß-Looks setzt er optisch einen sonnigen Farbakzent. Während Herr Zimmer disko-like hopsend gar nicht schüchtern wirkt in seinem Hip-Look-Tigershirt unter der Lederjacke.

"Sorry, but I'm struggling with the horror sound in my ears", meldet Idaho-Sänger, Gitarrist und Pianist zu fortgeschrittener Stunde von der Bühne. Schlimm genug, dass Diamant-Stimme Jeff Martin als einziges Gründungsmitglied von 1992 übriggeblieben ist, aber wenn Idaho und nicht Jeff Martin angekündigt wird, erwarten wir doch bitte eine vierköpfige Band. Erst recht nach der Sieben-Dänen-live-in-echt-und-in-Farbe-Combo. Stattdessen sehen wir nur den Mastermind himself und einen bebrillten treuen Begleiter, der aus einer Kiste, die einem Werkzeugkasten ähnelt, ein Schlagzeug inklusive zwölf Jahre kalifornisches Klanguniversum bereitstellt. Ja, auf der silbernen Kiste steht unübersehbar auf einem Aufkleber "www.idahomusic.com" drauf, und es klingt auch so, aber authentische California-Slowcore-Kanon-Hymnen im Viererpack sind gefühltes Purzelbaumschlagen im Rudel auf Blümchenwiesen. Und das wollen wir. Und nur das. Über diesen Verlust trösten auch über die Leinwand huschende Bildwelten nicht hinweg. Wie sollte das auch gehen? Dieses Befindlichkeitsding mit angezogener Handbremse? Dann doch lieber auf's Ganze. Wie früher. Und nicht diese Unabhängigkeitserklärung im Pseudo-Alleingang. Also warten auf bessere Zeiten. Zum Schluss glücklicherweise die letzte U-Bahn nach Hause erwischen, und da sicherheitshalber nacheinander "Expose Yourself To Disco Education" und "Vieux Carré" einlegen, sich beruhigt zurücklehnen und erleichtert feststellen: doch, es ist umwerfend. Gekonnt arrangierte Discobeats und ein Diamant emotionaler Ausdruckskraft. Alles bestens! Alles Gute kommt heute eben mal von Zuhause.

 

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Links:

>> Tourinfo Idaho bei POP FRONTAL

>> Homepage Crash Tokio

>> Tourinfo finn. bei POP FRONTAL

>> Homepage finn.

>> Rezension (13.12.04): finn. - Expose Yourself To Disco Education

>> Homepage Larsen And Furious Jane

 

Larsen And Furious Jane

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Idaho

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