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Gesehen! Jan Garbarek Group / 08.10.04, Köln, Philharmonie

Traumlandschaften und eine Zauberin

Text: Carlo Reßler

Der norwegische Saxophonist Jan Garbarek ist schon ein Phänomen: nach fast 40 Jahren (!) im Musikgeschäft schafft er es immer wieder mit Leichtigkeit, ausverkaufte Konzerte, enorme Plattenverkäufe und hervorragende Kritiken zu erzielen – und das alles im Genre "Jazzmusik". So nun auch in Köln, wo er zu Beginn seiner diesjährigen großen Deutschland-Tour in der ausverkauften Philharmonie das Publikum zu minutenlangen Standing Ovations verführte! Mit seiner gerade erschienenen neuen CD "In Praise of Dreams" Gepäck, die auf Anhieb auf Platz 24 der Charts kam, bot der große Romantiker mit seiner Band auch an diesem Abend Beeindruckendes.

Jan Garbarek

Ob Tenor- oder Sopransaxophon, seine musikalischen Traumlandschaften zielen direkt auf die tiefen Gefühle der Zuhörer. Seine meditativ-klaren Töne, die sphärisch über allem anderen schweben, laden ein, die Augen zu schließen und sich den inneren Welten hinzugeben. Doch bevor Mensch zu weit abdriftet, kommen immer wieder ein paar musikalische "Querschläger" zu Gehör. Als musikalischer Weltenbummler hat Garbarek auch so manch Folkloristisches oder orientalische Weltmusik im Saxophongepäck. Plötzlich klingt sein Saxophon wie ein schottischer Dudelsack, mal malt das Instrument weite Taigalandschaften, bald erklingt ein skandinavisches Wiegenlied, oder man wähnt sich auf einem Orientmarkt aus "1000 und einer Nacht".

Abwechselnde "Inner Pictures" also, doch sonst setzt der weltberühmte Musiker eher auf Bewährtes: bei seinen regelmäßigen Tourneen bietet sich optisch, musikalisch und auch in der Besetzung seiner Band seit Jahren stets das gleiche Bild – nicht das dies ermüdend wäre, doch ein wenig Abwechslung bei der Auswahl seiner Kulissen und Mitmusiker über die Jahre würde doch mehr Spannung erzeugen. So wäre es sicher interessant, ihn - wie nun auf seinem neuen Album zu hören - einmal mit dem Ausnahme-Schlagzeuger Manu Katché und Kim Kashkashian an der Violine live zu erleben. Statt dessen lässt er sich seit ca. 8 Jahren von seinen bestens eingespielten Mitmusikern begleiten. Rainer Brüninghaus, für den ein Lächeln etwas gänzlich Unbekanntes zu sein scheint, mit perfektem Pianospiel, dem fantasievollen Bassisten Eberhard Weber mit seinem synthesizerähnlichem Kontrabass und der wahren Zauberin Marylin Mazur an den Percussions.

Die dänische Klangkünstlerin verhalf bereits dem legendären Miles Davis in den späten 80ern zu Konzerten mit der besonderen Würze, doch inzwischen hat sie sich noch wesentlich gesteigert. Mit ihrem Talent und dem breiten Arsenal an Trommeln, Becken, Rasseln, Gongs und Glöckchen sowie Stimmgeräuschen ist die lebensfrohe Frau eine fantastische Bereicherung der Garbarek-Klangwelten. Vom ekstatischen Feuerwerk über präzise Gongschläge bis hin zum klitzekleinen Wispern reicht ihre Bandbreite, so könnte sie mühelos sicher auch jeden Konzertabend facettenreich allein gestalten. In dem gut zweistündigen Konzert ließ Garbarek ihr und den anderen Mitmusikern jeweils reichlich Raum, ihr beeindruckendes Können auch solo zu beweisen. Nach zwei schönen Zugaben und langem Applaus durften die Musiker dann doch von der Bühne gehen und viele im Publikum machten sich mit herzhaft-entspanntem Gähnen auf den Heimweg.

 

Links:

>> Künstlerinfo Jan Garbarek bei POP FRONTAL

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Jan Garbarek Group

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(Universal)

 

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