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Gesehen! Jean Michel Jarre / 06.03.2010, Oberhausen, König-Pilsner-Arena

Ein gut bekömmliches Rezept

Text: Carlo Reßler      Live-Fotos: Alessa Arimond

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Jean Michel Jarre gilt als einer der großen Synthesizer-Pioniere und Wegbereiter der elektronischen Popmusik. Er zählt zu den populärsten französischen Musikern und Komponisten überhaupt. Mit dem bereits 1977 erschienenen Album "Oxygene" bescherte Jarre der Popwelt einen Ohrwurm-Klassiker, der auch heute noch viele Fans hat. Großen Anklang finden auch seine bombastischen Laser-Lightshow-Konzerte, die noch immer mühelos große Hallen füllen. Wie zum Beispiel die Arena in Oberhausen...

Jean Michel Jarre

Über 5500 Fans lässt der Maestro an diesem Abend sehr lange warten. Erst nach mehrmaligem rhythmischen Klatschen und ungeduldigen Pfiffen zieht er, einem Gladiator ähnlich, über eine Publikumstreppe ganz von hinten, gut gelaunt und schwarz gekleidet, in die Arena ein. Kaum auf der Bühne legt der Franzose nach einem kurzen Intro direkt mit voller Power los. Für die sehr bekömmliche Jarre-Rezeptur nehme man eine satte Prise von "Oxygene", dazu ein wenig "Magnetic Fields", delikat garniert mit einigen Teilen vom "Equinoxe"-Album. Das Ganze wird schließlich mit ein paar "Variations"- und "Rendezvous"-Elementen perfekt gemixt, mit einer fantastischen Lightshow dekoriert sowie in einer umwerfenden Lautstärke den begeisterten Fans serviert. So einfach und doch so gut funktionieren die gigantischen Live-Auftritte des Soundtüftlers, abgesehen von kleinen Veränderungen, seit vielen Jahren.

Bei diesem mächtigen Soundfeuerwerk springt natürlich auch umgehend der Funke vom Synthie-Guru auf seine verzückte Fangemeinde über. Leuchtende Augen und frenetischer Applaus sind die unweigerliche Folge. So war es stets in den letzten 30 Jahren und so scheint es immer weiter zu gehen. Egal ob der Mann mit den vollen schwarzen Haaren, der trotz seiner 61 Lebensjahre jugendlich frisch aussieht, vor gut 2,5 Millionen (!) Menschen wie in Moskau oder Paris auftritt oder vor einigen tausend Besuchern wie am heutigen Abend. Seine sympathische Art, sein unverwechselbarer Minimalsound und seine fulminante Show zeigen keinerlei Abnutzungserscheinungen.

Jedes Musikmuseum würde sein musikalisches Equipment mit Kusshand übernehmen. Der Künstler verzaubert die Besucher mit einer imposanten Konstruktion von rund 30 verschiedenen Analogsynthesizern aus einer längst vergangenen Epoche, darunter auch ein schön anzuhörender Minimoog. Auch das bereits 1919 entwickelte elektronische Theremin, das ohne körperliche Berührung gespielt wird, beherrscht der Meister. Immer wieder überwältigend natürlich auch sein Spiel an der berühmten Laserharfe. In der Bühnenmitte stehend und mit Bauhandschuhen geschützt, greift Jarre dabei in einzelne grüne Laserstrahlen, die jeweils synchron als Melodieton erklingen. In dieser Szene sieht er einem Schwertkämpfer aus einem Science-Fiction-Film sehr ähnlich.

Keine Frage, anders als bei seinem merkwürdigen Auftritt in der für diese Art von Show ungeeigneten Koblenzer Sporthalle vor einem Jahr kommt die Show des Maestros samt seiner kongenialen Band diesmal perfekt herüber. Dafür sorgt neben dem - bis auf die enorme Lautstärke - überzeugenden Klang sowie der atmosphärisch optimal darauf abgestimmten Light-, Laser- und Nebelshow auch eine ca. 40 m lange Leinwand hinter der Bühne. Hier kann man Reisen in das Innere eines Synthesizers ebenso staunend bewundern wie Film-Variationen seiner verschiedenen Plattencover. Besonders gelungen wirkt auf dieser riesigen Projektionsfläche die "Invasion der spitzköpfigen Brillen-Aliens" in Anspielung auf sein "Equinoxe"-Cover.

Zum Abschluss des zweistündigen Konzertes, das keinerlei Wünsche offen lässt, spielt der Synthiepapst, allein im Licht stehend und den Moog-Liberation-Synthie umgehängt, das überaus rockige "Fin de Siècle", betitelt nach einer Epoche vor dem 1. Weltkrieg, einer Zeit zwischen Weltschmerz und Aufbruchstimmung. Eigentlich die richtigen Stichworte zu Jarres Gesamtkunstwerk - und das Signal für die Fans, dankbar nach Hause aufzubrechen.

 

 

Links:

>> Info/Konzerte Jean Michel Jarre bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Koblenz (28.05.09) bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (29.01.10): Jean Michel Jarre

>> Homepage Jean Michel Jarre

>> Jean Michel Jarre: Oxygene 5.1 - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

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