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Gesehen! Junip / 17.10.2011, Heidelberg, Karlstorbahnhof

Wie eine warme Decke im kalten Herbst

Text: Claudio Castello      Live-Fotos: Immanuel Schulz

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"Still protecting the magic feather", verspricht Junips bekanntestes Bandmitglied José González und erklärt bald danach: "You're the center and you're always free / in every direction". Und man glaubt ihm. Er könnte auch behaupten, dass Elefanten fliegen, die Finanzkrise morgen vorbei sei - man würde es ihm abkaufen. So wie man eigentlich alles gerne glauben möchte, was er heute im Heidelberger Karlstorbahnhof singt. Er wirkt wie ein Ruhepol, vertieft in sein Schaffen und geradezu vertrauenswürdig. Mit geschlossenen Augen steht er da, in rotes Licht getaucht, die Konzertgitarre um den Hals, umringt von seiner Band und tausend Tönen. Während es an allen Ecken und Enden wabert und schnarrt, poltert und dröhnt und alles verschwimmt, starrt das Publikum begeistert und gebannt auf die Bühne - und lässt sich von der berauschenden Klangkulisse einhüllen, wie in eine warme Decke.

Junip

Genau richtig also, dass die schwedische Band heute Abend hier ist und der trüben Herbststimmung trotzt. Viele Konzertgänger scheinen das so zu sehen: Immer mehr Leute strömen in den Saal des Karlstorbahnhofs, diskutieren, lachen und nippen an ihrem Bier. Als sich gegen halb 10 das große Transparent mit dem Albummotiv ein Stück hebt, Köpfe darunter auftauchen und die Band auf die Bühne schlüpft, begrüßt sie ein rappelvolles Haus mit Applaus und "José" -Rufen. Viele im Publikum freuen sich zwar auf Junip, sind aber allein von der Präsenz des Sängers und Gitarrenvirtuosen schon sichtlich begeistert - die Marke González steht schließlich für Qualität.

Dabei waren da zuerst die drei Freunde, neben González noch Drummer Elias Araya und Keyboarder Tobias Winterkorn, die eine Band gründet haben und zusammen Musik machen. Weil Herr González auf Solopfaden allerdings höchst erfolgreich ist, wird das Projekt erst einmal auf Eis gelegt. Nach einer ersten EP in 2005 veröffentlichen sie im letzten Jahr dann endlich ihr Debütalbum, beginnen zu touren und machen heute im Rahmen des jährlichen Enjoy Jazz Festivals Halt in Heidelberg.

Live unterscheiden sich der voluminöse Klang und die Dynamik der Band noch deutlicher von González' Solokonzerten. Dort bestimmen die Reduzierung auf Gesang und Gitarre die intime Atmosphäre, die feinen Nuancen und eine unmittelbare Nähe. Im Kollektiv dagegen basteln sie am vollen, großflächigen Sound. Und der kommt offensichtlich gut an: Soviel Gemurmel und Sprachfetzen vor Beginn noch zu hören waren, ab dem ersten Song ist alles still. Andächtig wird dem hypnotischen Pluckern von Synthesizer und Orgel gelauscht, den treibenden Schlagzeugbeats, den schnarrenden Gitarrensaiten und dem Bass, der die Knie erzittern lässt und sich tief in den Magen gräbt. Leider geht bei der Vielzahl und Überlagerung von Instrumenten und Sounds häufig das charakteristische Gitarrenspiel unter.

Neben González ist es vor allem das Faktotum zu seiner Rechten, das beeindruckt: Der Alleskönner singt nicht nur Zweitstimmen, schlägt bei "Howl" Gläser an, spielt Bongos, Klanghölzer und andere Percussioninstrumente. Er sorgt auch für zusätzliche Keyboards, spielt, elektrifiziert und verfremdet sein Saxofon und befördert das ungeliebte Schulinstrument Blockflöte aus dem Klassenzimmer auf die Bühne.

Bei dem tosenden Applaus zwischen den Liedern muss auch der ruhige González lächeln und bemüht seine Deutschkenntnisse: "Danke. Wir sind Junip aus Schweden. Hier ist ein neues Lied." Und schon geht's weiter. Das Publikum ist schwer begeistert, egal ob von bekannten Songs wie "Rope And Summit" und "In Every Direction" oder weniger Bekanntem von der neuen EP. Mit "Always" beenden Junip auch ihr Set. Zwei Mal klatschen die Besucher sie danach noch für Zugaben zurück auf die Bühne, bevor die Band endgültig unter dem Transparent verschwindet und die Leute in die kalte Nacht entlässt. Was bleibt, sind zufriedene Gesichter - und das wohlige Gefühl einer warmen Decke.

 

 

 

Links:

>> Info/Konzerte Junip bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (10.10.11): Junip - Die richtige Musik für die ungemütliche Jahreszeit

>> Video "Howl - Live on KEXP" bei youtube.com

>> Homepage Junip

>> Junip: Fields - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Junip

 

Junip

Junip @ Heidelberg

 

Junip: Fields

Junip: Fields

(City Slang / Universal)

 

 

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