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Gesehen! Kamikaze Queens / 23.09.2011, Hamburg, Hafenklang/Goldener Salon
Präsentiert von POP FRONTAL
Bebilderte Gürtelschnallen
Text/Live-Fotos: Sandra Kriebitzsch
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An diesem Freitagabend im elbnahen Hafenklang tobt der Bär. Obwohl das Wochenende voll im Zeichen des Reeperbahn Festivals steht, in das fast alle kieznahen Clubs involviert sind. Aber eben nicht alle. Auch ohne Festivalbeteiligung muss im Hafenklang heute keinesfalls der Gürtel enger geschnallt werden. Im Untergeschoss drehen drei Doom-Bands vor headbangfreudigem Publikum die Gitarren auf, so dass im darüber gelegenen Goldenen Salon der Fußboden vibriert. Dort soll es ebenfalls mächtig zur Sache gehen. Allerdings weniger schleppend verzerrt, sondern geradeaus nach vorne preschend: die Berliner Kamikaze Queens haben sich angekündigt, um mit ihrer aparten Mischung aus Sex, Drugs und Rock'n'Roll den Mob zum Tanzen zu bringen.
Die Vor"band" Horst with No Name sorgt schon mal für gute Stimmung. Der hanseatische Alleinunterhalter haut in die Saiten, schlägt mit den Füßen die Trommel, schmettert lauthals den Blues - und erzählt zwischendurch so schlechte Witze, dass sie schon wieder gut sind. Am Rande am Merchandising-Stand gehen bereits die ersten Exemplare der auf 20 Stück limitierten Special Edition der neuen Kamikaze Queens-Platte "Automatic Life" über den Ladentisch. In einer massiven schwarzen Holzbox befindet sich nicht nur ein Vinyl-Exemplar des Albums, sondern auch ein Gürtel und fünf Porträt-Bilder der einzelnen Kamikaze-Queens-Mitglieder. In die Gürtelschnalle kann der geneigte Fan nun das Abbild seiner Lieblings-Queen schieben. Oder, so er denn möchte, jeden Tag ein anderes einwechseln.
Wir ahnen schon: die Kamikaze Queens haben Kultstatus. In ihrer theatralischen Darbietung, angelehnt an burleske 20er-Jahre-Revues, und ihrem Spiel mit verschiedenen Musikstilen, die sich zwischen den röhrenden 20ern, den rollenden 50ern und den rockenden 70ern tummelten, hebt sich das Quintett wohltuend vom langweiligen Leitbild der typischen Männer-Rock'n'Roll-Band ab. Und tatsächlich ist es so, dass jedes Bandmitglied irgendwie ein Unikat ist, das seinen Platz in der Gürtelschnalle verdient. Klar: die beiden singenden Frontfrauen stechen zunächst ins Auge. Sex sells. Trinity Sarratt präsentiert sich in aufreizendem Straps-Outfit. Die auch von Bonaparte bekannte Mad Kate verbiegt ihre Gliedmaßen dermaßen geschmeidig und anmutig, dass nicht nur den anwesenden Herren die Augen aus dem Kopf fallen. Als sie mit ihren Stöckelschuhen auch noch einen Striptanz auf der Theke hinlegt, bekommt man fast Angst um dieses zerbrechlich wirkende Wesen. Aber das springt dann so lässig vom Tresen wieder runter, als hätte es Turnschuhe an den Füßen. Irgendwann im Laufe des Abends ist die Frau dann fast nackt - und tanzt und singt, umschlungen von einer Federboa, munter weiter.
Da würden die Herren der Schöpfung fast untergehen, wenn sie nicht auch immer wieder ein Blickfang wären. Kontrabassist Lloyd II kann auf seinem Instrument balancieren und gleichzeitig spielen. Gitarrist Tex Morton, auch ein alter Hase des Rock'n'Roll-Biz - er spielte u.a. schon bei Mad Sin und Sunny Domestozs -, steht im finalen Zugabenteil auf dem liegenden Kontrabass seines selbigen bespielenden Kollegen und greift hendrixmäßig kopfüber in die Saiten. Bleibt noch Drummer Nico Lippolis: der langhaarige schöne Italiener hat zwar keine vergleichbaren Kunststückchen zu bieten, präsentiert sich aber als hervorragender Schlagzeuger, der dem Kamikaze Queens-Sound ordentlich Druck nach vorne gibt. Überhaupt beherrschen alle Beteiligten ihre Instrumente meisterlich. Auch wenn die Band selbstredend weder den Punk noch den Rock'n'Roll neu erfindet: sie feuert ein beeindruckendes Hitfeuerwerk ab, zu dem einfach jeder im Saal über's Parkett swingen muss. Und am Ende sitzt so mancher Gürtel gewiss etwas lockerer als zuvor.