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Gesehen! Kettcar, Bernd Begemann und die Befreiung / 14.02.2005, Leipzig, Werk II

Was hier los ist

Text: Florian Steglich

 

Beim letzten Mal in Leipzig haben Kettcar noch in der Moritzbastei gespielt. In diesem Jahr sind die Konzerte in Düsseldorf und Stuttgart im Vorfeld schon ausverkauft, Auftritte bei Rock am Ring und Rock im Park bestätigt. Es besteht kein Zweifel daran, dass Kettcar 2005 ganz groß werden. Was anders wird, wohin es führt. Was soll man sagen: Pflichttermin heute abend in Leipzig im Werk II. Und Triumphzug.

Kettcar

Nur weil die Halle so groß ist, wird nicht sofort klar, wieviele Leute gekommen sind. Aufregung liegt in der Luft, Du auch hier, Na klar. Das hier ist wichtig, dieser Montagabend. Kettcar drei Wochen, bevor das neue Album "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" im Laden steht, beziehungsweise als amazon-Päckchen im Briefkasten steckt. Drei Wochen, bevor diese Band wirklich groß wird, soviel ist klar. Als Anheizer bemüht sich Bernd Begemann, entertaint, lässt seinen Bassisten tanzen und hat auch einige echte Anhänger im Publikum - aber ein Großteil der Anwesenden nimmt ihn eher als Hintergrundbeschallung. Auch daran ist die zu große Halle schuld. Derweil Schlangenbildung an Garderobe, Theke und Merchandisingstand. Die Single "48 Stunden" ("Drei Lieder für drei Euro, das gibt's nur beim Grand Hotel van Cleef", wird Marcus Wiebusch später preisen) und die weißen Label-Buttons gehen weg wie kühles Blondes.

Und dann Kettcar. Kommen tatsächlich mit Auftrittsmusik im Dunkeln auf die Bühne. Die "Deiche", erstes Stück des neuen Albums, eröffnen den Abend und brechen schon beim zweiten Lied richtig: "Ich danke der Academy". Kettcar haben den Saal im Sack, keine fünf Minuten nach Konzertbeginn springen die ersten fünfzehn Reihen geschlossen freudestrahlend. Beim "Balkon gegenüber" singt das Publikum von der ersten Silbe an den kompletten Text mit, fehlerfrei. Marcus Wiebusch tritt vom Mikro zurück. Das ist jetzt schon Stadiongefühl. Hallo Heimspiel. "Das", sagen Kettcar, "ist das Schöne an Leipzig, das sind die ganzen Studenten, die lernen alles brav auswendig". Als wüssten sie nicht, dass es bei den kommenden Konzerten genauso sein wird. Jedes alte und neue Lied, im Verhältnis 50:50 auf der Playlist, wird gierig erwartet, viele können zumindest die eingängigen Stellen der noch nicht veröffentlichten neuen Stücke schon mitsingen. "Ihr könnt die neuen Lieder noch gar nicht kennen, aber Ihr kennt sie doch, weil Ihr Scheißjournalisten oder Downloader seid", schimpft Marcus nicht so richtig böse.

Der Band huscht ab und zu ein fettes Grinsen ins Gesicht, so ein Grinsen, gegen das man nichts machen kann. Sie wissen, wieviel es bedeutet, was hier passiert. Reimer Bustorff kann kaum glauben, dass es ein Montag ist, an dem die Leute derart abgehen. Die "alten Fans" bemerken einen faden Geschmack im Mund. Die eifersüchtige Erfahrung, gegen die man sich wider besseren Wissens nicht wehren kann: Wenn die Band, die doch scheinbar ihre Lieder für genau Dein Leben und Denken geschrieben hat, auf einmal von so vielen Menschen geliebt wird. Die noch ein bisschen bitterer werden wird, wenn sich nach dem Konzert 15-jährige Mädchen im Band-T-Shirt um Kettcar-Poster streiten, vier davon unter den Arm geklemmt, zwei Singles in der anderen Hand. Aber, hey, je mehr 15-Jährige gute Musik hören, desto besser. Je mehr Platten Kettcar verkaufen, desto besser auch für Marr, Death Cab for Cutie, Maritime und all die, die noch einziehen werden ins Grand Hotel van Cleef.

Nach zwei unverändert begeistert aufgenommenen Zugaben kommt Marcus mit Keyboarder Lars Wiebusch nochmal auf die Bühne. "Das Lied, das wir früher immer als letztes gespielt haben, spielen wir jetzt nicht mehr", sagt er und ersetzt "Skateboard" durch "Balu". Ein besseres Lied als dieses werde ihm wohl nicht mehr gelingen, hat Marcus dem >> Kollegen Kellenbenz gesagt. Standing Ovations der Nackenhaare. Mädchen lehnen sich an ihre Jungs. 850 Leute sind still und hören zu. Das Ende kommt etwas abrupt: Marcus macht die Kehlendurchschneide-Geste zum Lichtmann, winkt, verschwindet. Als sei der Band das Ganze auf einmal selbst etwas unheimlich geworden. Musik und Publikum, gerade endgültig eins geworden, sind wieder zwei. Die Menschen klatschen, das Licht geht an, neue Schlangen vor Garderobe, Theke und Merchandisingstand. Und alle wissen, glauben, fürchten, hoffen, dass das gerade das letzte Mal war, dass sie Kettcar vor nur dreistelliger Zuhörerzahl gesehen haben.

 

Links:

>> Künstlerinfo Kettcar bei POP FRONTAL

>> Homepage Kettcar

>> Konzertbericht Akustik-Tour Wien, München, .. (27.01.-04.02.05) bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Hamburg (08.01.05) bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Hamburg (24.03.04) bei POP FRONTAL

>> Kettcar - Von Spatzen und Tauben, ...: Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Künstlerinfo Bernd Begemann bei POP FRONTAL

>> Homepage Bernd Begemann

>> Konzertbericht Hamburg (14.01.05) bei POP FRONTAL

>> Bernd Begemann & Die Befreiung: Unsere Liebe ist ...: Kaufen bei amazon.de

 

 

Kettcar

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Kettcar - Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen

(Grand Hotel Van Cleef / Indigo)

 

 

Bernd Begemann und die Befreiung

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(Grand Hotel Van Cleef / Indigo)

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