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Gesehen! Kings of Leon, 01.07.2007, Berlin, Columbiahalle

Gestohlenes Karma, großer Sound

Text: Simone Deckner    Live-Fotos: Michael Kellenbenz (Hurricane 2007)

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Am Ende des Abends wird der Berliner Taxifahrer, Typ Originalschnauze, lästern: "Watt? Nich ausverkooft? Na, die kennt hier ma’ wieder keener." Und wirklich: Nicht wenige der geparkten Autos rund um die Columbiahalle tragen auswärtige Kennzeichen. Ganze vier Konzerte – zwei davon Festivalauftritte – gönnen die Kings of Leon ihren deutschen Fans. Da nimmt man schon Wege auf sich, um die Gebrüder Followill nebst Cousin live zu sehen. Schließlich haben sie gerade das dritte sehr gute Album in Folge herausgebracht. Und die Bärte abrasiert.

Kings Of Leon

Es ist kurz nach 21 Uhr, als sich die Hallenbeleuchtung verdunkelt. Eine Art fürstliche Fanfare erklingt, die Bühne ist in bräunliches Licht getaucht. Kurz zuvor hatte der Nebenmann noch gerätselt, was dieser Abend wohl bringen werde: Würden die Leute von der ersten bis in die letzte Reihe tanzen – wie beim legendären Oasis-Konzert? Oder würden die Arme-vor-dem-Bauch-Verschränker gewinnen? Während man sich noch in Grübeleien versteigt, haben sich die vier Kings of Leon unter lautem Beifall auf ihren Plätzen postiert und poltern mit "Black Thumbnail" los. Die Menge in der gut gefüllten Halle reagiert wie angestochen – die Frage ist also beantwortet. Auch die nächsten beiden Songs stammen aus der Abteilung "Superkracher, die alle hören wollen", erst danach gibt es eine erste, belanglos dahingeworfene "Hello, how are you? We are the Kings of Leon"-Begrüßung. Redseliger wird es auch nicht werden, doch davon weiß man noch nichts.

Es folgt: Kracher auf Kracher. Fast ausnahmlos Songs der beiden ersten Alben "Youth and Young Manhood" und "Aha Shake Heartbreak". Caleb Followill – in weißen Jeans, in die selbst Victoria Beckham kaum hineinkäme, grauem Muskelshirt und mit Silberkreuz um den Hals – schreit sich gewohnt halsbrecherisch die Seele aus dem Leib. Für Gefühlsregungen zwischen den Songs fühlt er sich nicht verantwortlich. Erst als sein Mikrofon bei "My Party" versagt, kommt etwas Leben in den Mann, der – man will es nicht glauben – auch schon mal die Tochter von Rod Stewart geknutscht hat. Während Caleb notgedrungen die Sprechpuppe mimt, zeigt das Publikum, dass es auch schon die neuen Songs singen kann. Der Soundmann kassiert am Ende vom wütenden Sänger Doppel-Stinkefinger.

 

 

Musikalisch gibt’s ansonsten nichts auszusetzen. Jeder Griff sitzt. Sie wissen, was sie zun. Wenn im Hinterkopf nur nicht dauernd dieses kleine Männchen meckern würde: "Wo bleibt die Dramaturgie?", "Warum trauen sie sich nicht, ihre tollen, ruhigen Songs zu spielen?" Und dann, einfach so, kommt der erhoffte Spannungsaufbau doch noch: Großartige Songs wie "Soft" oder "Arizona" - die ohne jegliches Lärmgewitter zeigen, was für eine herausragende Band hier vor einem steht, versöhnen für zu viel Rock in Großbuchstaben, Breitwandattitüde und musikalisches Muskelspiel. Als sie die Zugabe mit "Knocked Up" beginnen, dem mutigsten aller neuen Songs, haben sie einen doch herumgekriegt – trotz Sprechverweigerung, auf die Bühne rotzen und dämlicher Frisuren. "Charmer" bringt einen zum Schreien und Weinen – er kann ja nichts dafür, denkt man plötzlich, eine böse Frau habe dem guten Caleb sein Karma gestohlen. Und dann lächelt er auf einmal für eine Millisekunde! Aber vielleicht haben wir uns das auch nur eingebildet.

Am Tag danach liegt das nass geschwitzte T-Shirt in der Ecke, der Stempel auf dem Handrücken ist verblasst. Was war das jetzt, verdammt nochmal? Und muss dass wirklich sein, beim Auftritt in Köln zu lästern, man habe in Berlin ja so gar keinen Spaß gehabt? Und vor dem Pariser Publikum über die deutschen Festivalgigs herzuziehen? Da könnte man jetzt viel zu sagen: Dass man sich das auch irgendwie anders vorgestellt hatte. Aber: Vielleicht versteht man ja nur den Humor der Südstaatler nicht. Das Kings of Leon-Poster an der Wand bleibt jedenfalls hängen.

 

Links:

>> Künstlerinfo Kings Of Leon bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Kings Of Leon @ Hamburg (19.11.04) bei POP FRONTAL

>> Homepage Kings Of Leon

>> Kings Of Leon: Because of the Times - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Kings Of Leon

Kings Of Leon

Kings Of Leon

Kings Of Leon @ Hurricane

 

Kings Of Leon: Because of the Times

Kings Of Leon: Because of the Times

(RCA / Sony BMG)

 

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