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Gesehen! Kraan / 03.05.2007, Bonn, Harmonie
Hintergrundhymne bei der Zeugung unzähliger WG-Kinder
Text: : Carlo G. Reßler Live-Foto (vom 14.11.06): Walter P.R. Schnabel
Die Jazzrock-Legende Kraan auf ausgedehnter Promotionstour für ein
neues Studioalbum? Wann hat es das zuletzt gegeben? Dass es die
legendäre deutsche Band auch nach
mehr als 35 Jahren auf der Bühne noch ernst
meint, konnte man bereits auf ausverkauften Konzerten und auch auf dem
vor einigen Jahren erschienenen Livealbum hören. Heute reicht
dem Quartett die verfeinerte Reproduktion der eigenen und durchaus
geschätzten Stücke allein nicht mehr. Im März 2007 veröffentlichten
Kraan ihr neues, hochgelobtes Werk "Psychedelic Man". Die
Vier knüpfen damit nahtlos an Lebendigkeit und Erfolg von Alben
wie "Wiederhören" oder "Nachtfahrt" an.
"Kraan ist durch mit der Pflicht", sagte Bassist Hellmut
Hattler jüngst, "ab jetzt ist es nur noch Kür".
Und die hört sich frisch wie ein belebender Frühlingsregen
an. Als die Band sich Ende der Siebziger
auflöste, hinterließ sie mit ihrer eigenwilligen und
unbeschreiblich lebendigen Musik eine tiefe Lücke in der
deutschen Jazzrocklandschaft. Keine Band konnte diese auch nur
annähernd schließen, bis sich Kraan im Jahre 2000 selbst
entschlossen, da weiterzumachen, wo sie einst aufgehört hatten.
Nun sind sie also mit ihren zeitlosen Stücken wie "Kraan
Arabia" oder "Vollgas ahoi" sowie mit neuen Songs
in der Gegenwart gelandet.
Auch in der gut gefüllten Bonner
Harmonie ist es für jeden Fan ein Genuss zu erleben, wie Peter
Wolbrandt zeitweise dramatisch mit dem Drumstick seine Gitarre
malträtiert, oder "Mr. Bassman" Helmut Hattler
genüsslich grinsend die Soundbreite seines Basses auslotet. Dazu
kommt das prickelnde Drumspiel von Jan Friede und der pulsierende
Sound von Hammond-Keyboarder Ingo Bischoff. "Es macht einfach
immer wieder Spaß, mit alten Schulkameraden zu jammen",
meint Hellmut Hattler zwischendurch - man sieht und hört es
ihnen an.
Egal ob beim höchst lebendigen und
manchmal improvisiert klingenden "Holiday am Matterhorn"
oder beim deftigen Groove von "Vollgas ahoi":
wohldurchdachte Arrangements wechseln sich hier stets ab mit
jugendlicher Spielfreude, bei der es vielen Besuchern einfach Spaß
macht, lauthals mitzusingen. So natürlich auch beim
psychedelisch verspielten Gassenhauer "Nam Nam" - ein
Stück von dem Hattler süffisant behauptet, es sei in den
70er Jahren die Hintergrundhymne bei der Zeugung unzähliger
Wohngemeinschaftskinder gewesen.
Als Zugabe verwöhnen sie das
begeisterte Publikum in dieser lauen Mainacht natürlich noch mit
dem filigranen "Andy Nogger" und liefern einen
weiteren Beleg für die schwebende, gleichwohl temporeiche
Leichtigkeit ihres Zusammenspiels. Auch nach vielen Jahren wirkt der
"Kraansound" heute noch schlicht unwiderstehlich und
dabei besonders im Konzert wie eine angenehm aufputschende Droge, die
man immer wieder gerne genießt.