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Gesehen! La Roux / 22.02.2010, Hamburg, Große Freiheit 36
"I'm living for the eighties"
Text: Julia Kussius
Ob Killing Joke mit ihrem Hit "Eighties" aus dem Jahre 1984 ahnten, was sie da herauf beschwörten? Der nicht enden
wollende "Back to the Eighties"-Retrozug fand an diesem Abend mit La Roux auf jeden Fall einen absoluten Höhepunkt,
optisch wie akustisch. Ein Großteil des Publikums kannte die authentisch nachempfundenen 80er Jahre altersbedingt vermutlich
eher von älteren Verwandten oder aus Videoclips, aber wähnte sich an diesem Abend ganz oben auf der Hipness-Skala.
Ältere Semester freuten sich über die gelungene Bühnenpräsenz von Elly Jackson, in der sich Jimmy Somerville,
Boy George, Alison Moyet (Yazoo) und Annie Lennox wiederfinden. Schließlich können die wenigsten von sich behaupten,
diese Stilikonen alle live gesehen zu haben.
Während die Vorfreude stieg, fiel in der Wartezeit auf Mrs. Jackson mal wieder auf, dass ein großer Vorteil der Großen Freiheit die immens gute Sicht auf die Bühne ist. Sie bietet von sehr vielen Standorten innerhalb des Saals auch bei ausverkauftem Haus einwandfreien Konzertgenuss. Das Spektakel begann nicht minder fantastisch als erwartet. Das Besondere an der Musik von La Roux besteht in der gelungenen Mischung aus Gänsehautgefühl und poppiger Tanzbarkeit - und das funktioniert auch ganz ohne Videoästhetik.
Exakt da setzte der Auftakt der kurzen, aber beats-geladenen Show an. Mit ausschweifenden Lichteffekten und Stroboskopflackern lud La Roux zum Mit- und Darinaufgehen ein. Gerade zu Beginn des Konzerts funktionierte dieses Konzept auch bestens. Mit ihrer beeindruckenden Stimme und energievollen Tanzeinlagen - sie wirbelte förmlich über die Bühne - fiel es in der Tat schwer, sich von ihren Hits nicht einfangen zu lassen.
Bei der Synthetik dieser Musik sind Kraft und Detailtreue wichtige Faktoren, leider ließ der Sound aber recht schnell genau das vermissen. Die gelobte Stimmgewalt von La Roux wurde zunehmend von den Synthesizern überlagert und konnte sich dadurch leider nicht mehr voll abheben. Die Hits und weniger bekannte Stücke ihres Albums "La Roux" wurden dennoch erfreut aufgenommen. Aber die Ekstase, die ihre Musik auslösen kann, fiel gedämpfter als gedacht aus.
Dennoch: ein herrlicher Ausflug in die 80er-Diskopartyszene, schließlich war damals auch nicht alles perfekt. Und dass der Auftritt nicht allzu ausschweifend lang werden würde, war aufgrund des beschränkten Materials zu erwarten. Als Bonbon gab es dafür eine keyboard-lastige Coverversion des Rolling Stones-Hits "Under My Thumb". Ein schöner Abend, das nächste Mal wieder gerne!