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Gesehen! Lali Puna, Alias / 21.05.2004, Hamburg, Knust

Voller Körpereinsatz und charmante Zurückhaltung

Text: Mikel Plett   

 

Gibt es eigentlich noch innovative deutsche Popmusik abseits von Weilheim? Die kleine Stadt bei München hat sich in den letzten Jahren zu einer Oase der feinen Klänge entwickelt. Bands wie The Notwist, MS John Soda, Console oder Village Of Savoonga versorgen den modernen Musikfreund mit immer wieder neuen Melodien, innovativen Alben und großartigen Konzerten. Beim Konzert im Hamburger Knust haben Lali Puna diesen Ruf wieder einmal bestätigt.

Lali Puna

Begonnen hatte der Abend mit holpernden Beats und düsteren Elektroklängen. Dass diese nicht vom Plattenteller kamen, sondern live auf der Bühne erzeugt wurden, wäre beinahe untergegangen, denn der angekündigte Hip-Hop-Support entpuppte sich als wortkarger Knöpfchendreher. Alias vom Detroiter Anticon-Label verwöhnte mit verspielter, aber sehr düsterer Elektronik, die sogar den Rocker am Mischpult zum Mitwippen animierte. Wer auf fette Beats und weite Hosen gehofft hatte, wurde allerdings enttäuscht.

Nach angenehm kurzer Umbaupause starteten Lali Puna ihr Set. Angetrieben von Christoph Brandners präzis-dominantem Schlagzeugspiel boten die Weilheimer mit "B-Movie" und "Call 1-800-Fear" einen kraftvollen Einstieg in die Musik des aktuelles Albums. Anders als auf den beiden Vorgängerplatten sind die Stücke auf "Faking The Books" insgesamt dynamischer und organischer geworden, was man vor allem am Schlagzeug hört. Christoph Brandner, der auch bei Console und dem Tied and Tickled Trio für die Beats zuständig ist, lieferte sich auf seinem Schlagzeug heiße Rhythmus-Schlachten mit dem Drum-Computer. Das so erzeugte Gewitter aus gradlinigen Beats und gewitzten Breaks wurde von Markus Achers (Notwist) brachial-kraftvollem Bassspiel komplettiert. Gemeinsam mit Keyboarder Christian Heiss stachelten sich die drei zu ausdauernden Crescendos auf, denen im Verlauf des Konzerts das Basepedal zum Opfer fiel (das aber schnell ersetzt wurde).

Währenddessen stand Valerie Trebeljahr, Sängerin, Songschreiberin und Keyboarderin von Lali Puna, ruhig und beinahe ungerührt hinter ihrem Korg. Der Kontrast zwischen der rhythmischen Wucht der Musiker und den sanft hingehauchten, teils gesprochenen, teils gesungenen Melodien macht den Reiz dieser Band aus. Das Nebeneinander von vollem Körpereinsatz und charmanter Zurückhaltung, die fliegenden Köpfe, Haare und Glieder der drei Jungs, während Valerie allenfalls leicht in den Knien wippt, gehören zum Sehens- und Hörenswertestem, was deutsche Popmusik im Moment zu bieten hat.

Glaubt man den Kulturbeauftragten der Medienlandschaft, stehen Lali Puna kurz vor dem internationalen Durchbruch. Das liegt wohl an ihrer unvergleichlichen Art, Elektronikpop mit sanfter Melancholie und bittersüßer Schwere zu vereinen. Aber anders als auf "Scary World Theory" begegnen die neuen Stücke der Gemütlichkeit des Vorgängeralbums mit beinahe sportlichem Tatendrang. Und das färbt ab: "Rapariga Da Banheira", der Kracher vom 99er Tridecoder-Album wurde auf der Bühne zum 8-Minuten-Gewitter ausgebaut. Das brachte nicht nur das gut besuchte Knust zum Zittern, auch das Publikum geriet zunehmend in Extase.

Am Ende des Abends gab es dann doch noch Hip Hop zu hören. In der gemeinsamen Zugabe von Lali Puna und Alias fusionierten dessen energetisch-anklagender Sprechgesang mit dem Indietronic Groove von "Middle curse". Vielleicht liegt ja gerade in diesem Universellfunktionieren das Hitpotential dieser Band.

 

Links:

>> Künstlerinfo Lali Puna bei POP FRONTAL

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Lali Puna

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