Das gelungene Bühnenbild in der sonst eher
tristen Philipshalle deutet auf ein besonderes Ereignis hin:
Sattblaue Stoffbahnen formen in gedämpftem Licht ein
mystisch-dreidimensionales Wüstenzelt mit flackernden
Kerzenlampen. Dazu perfekt arrangiert das Equipment für zehn
Musiker, die um Punkt 20 Uhr gut gelaunt mit einer verzaubernden
Klangreise beginnen, die die staunenden Besucher von Beginn an in
ihren Bann zieht.
Manche bezeichnen sie
als Fee oder Engel, andere einfach als einzigartige Folk-Sängerin.
Die Kanadierin Loreena McKennitt mit ihren rotblonden langen Haaren
und der außergewöhnlich schönen Stimme wird jedem
dieser Attribute gerecht. Innig lächelnd sitzt sie, dabei fast
ein wenig schüchtern wirkend und vom hellen Scheinwerferlicht
ummantelt, bei Konzertbeginn an ihrer Harfe und singt – doch
wie!
Glasklare Töne
wie aus einer anderen Welt sind es, die die schmucklose Philipshalle
in einen anmutigen, überirdischen Ort zu verwandeln scheinen.
Schon kurz nach Beginn ihrer mittelalterlichen Ballade über eine
verschwundene große Liebe („She moved through the fair“)
werden im Publikum die ersten Taschentücher gezückt, um
Tränen der Rührung zu trocknen.
Und viele Besucher
lassen ihre Taschentücher gleich draußen, denn es folgt
eine gut zweistündige, meditative Reise durch 1500 Jahre
Musikkulturgeschichte auf höchstem klanglichen Niveau. Im
Konzert wird von Loreena McKennitt und ihrer perfekt eingespielten
Band - darin besonders herausragend das gefühlvoll-sanfte
Cellospiel von Caroline Lavelle, die magischen Violineinlagen von
Hugh Marsh, die druckvollen Gitarrenparts von Brian Hughes und
prickelnde Percussionakrobatik von Rick Lazar - ein
unvergleichlicher Mix aus keltischer Folkmusik mit vielen
orientalischen Worldmusic-Passagen, spanischen Einflüssen und
einer Prise Rock und Pop kunstvoll verwoben. Ganz gleich, ob sie
Harfe, Klavier oder peppig Akkordeon spielt - ihr einzigartiger
Gesang ist immer das i-Tüpfelchen ihres ca. 20 Stücke
umfassenden Sets.
Nach einem tragischen
Ereignis, durch das ihr Lebensgefährte bei einem Bootsunfall ums
Leben kam, hat es fast acht Jahre gedauert, bevor sie nun wieder die
Bühnen der Welt betrat. McKennitts tiefe Angst, einen innig
geliebten Menschen zu verlieren, hat seitdem deutliche Spuren in
ihrem Werk hinterlassen. Ihre inspirierende Musik scheint eine
rastlose Weltreise auf der Suche nach den eigenen Wurzeln zu sein.
Voll Schönheit verbindet sie darin ihre Gefühle in
ausdrucksstarken Balladen, wie z.B. „Benelope's Song“ vom
aktuellen Album „An Ancient Muse“, von dessen Cover auch
das Zelt-Bühnenbild nachgestellt ist. Auch das südlich
anmutende „Caravanserai“ ist solch ein Kunstwerk, bei dem
Gitarrist Brian Hughes sich ein endloses Duell mit Hugh Marsh an der
Violine liefert.
Zusammen mit ihrer
großartigen Mitmusikern vermittelt Loreena Mckennitt den
Menschen mit ihrem keltisch und orientalisch geprägten
Frühlingszauber an diesem Abend etwas, das sie anderswo im
hektischen Popgeschäft kaum finden: Anmut, Schlichtheit, tiefe
Gefühle und innere Stille – und das trotz teils
bombastischer orchestraler Musik. Am Ende trocknet man sich auch
gerne ein paar Tränen ab, um wie in Trance in den milden
Frühlingsabend zu entschweben.