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Gesehen! Loreena McKennitt / 27.03.2007, Düsseldorf, Philipshalle

Orientalischer Frühlingszauber

Text: Carlo G. Reßler

 

Das gelungene Bühnenbild in der sonst eher tristen Philipshalle deutet auf ein besonderes Ereignis hin: Sattblaue Stoffbahnen formen in gedämpftem Licht ein mystisch-dreidimensionales Wüstenzelt mit flackernden Kerzenlampen. Dazu perfekt arrangiert das Equipment für zehn Musiker, die um Punkt 20 Uhr gut gelaunt mit einer verzaubernden Klangreise beginnen, die die staunenden Besucher von Beginn an in ihren Bann zieht.

Loreena McKennitt

Manche bezeichnen sie als Fee oder Engel, andere einfach als einzigartige Folk-Sängerin. Die Kanadierin Loreena McKennitt mit ihren rotblonden langen Haaren und der außergewöhnlich schönen Stimme wird jedem dieser Attribute gerecht. Innig lächelnd sitzt sie, dabei fast ein wenig schüchtern wirkend und vom hellen Scheinwerferlicht ummantelt, bei Konzertbeginn an ihrer Harfe und singt – doch wie!

Glasklare Töne wie aus einer anderen Welt sind es, die die schmucklose Philipshalle in einen anmutigen, überirdischen Ort zu verwandeln scheinen. Schon kurz nach Beginn ihrer mittelalterlichen Ballade über eine verschwundene große Liebe („She moved through the fair“) werden im Publikum die ersten Taschentücher gezückt, um Tränen der Rührung zu trocknen.

Und viele Besucher lassen ihre Taschentücher gleich draußen, denn es folgt eine gut zweistündige, meditative Reise durch 1500 Jahre Musikkulturgeschichte auf höchstem klanglichen Niveau. Im Konzert wird von Loreena McKennitt und ihrer perfekt eingespielten Band - darin besonders herausragend das gefühlvoll-sanfte Cellospiel von Caroline Lavelle, die magischen Violineinlagen von Hugh Marsh, die druckvollen Gitarrenparts von Brian Hughes und prickelnde Percussionakrobatik von Rick Lazar - ein unvergleichlicher Mix aus keltischer Folkmusik mit vielen orientalischen Worldmusic-Passagen, spanischen Einflüssen und einer Prise Rock und Pop kunstvoll verwoben. Ganz gleich, ob sie Harfe, Klavier oder peppig Akkordeon spielt - ihr einzigartiger Gesang ist immer das i-Tüpfelchen ihres ca. 20 Stücke umfassenden Sets.

 

 

Nach einem tragischen Ereignis, durch das ihr Lebensgefährte bei einem Bootsunfall ums Leben kam, hat es fast acht Jahre gedauert, bevor sie nun wieder die Bühnen der Welt betrat. McKennitts tiefe Angst, einen innig geliebten Menschen zu verlieren, hat seitdem deutliche Spuren in ihrem Werk hinterlassen. Ihre inspirierende Musik scheint eine rastlose Weltreise auf der Suche nach den eigenen Wurzeln zu sein. Voll Schönheit verbindet sie darin ihre Gefühle in ausdrucksstarken Balladen, wie z.B. „Benelope's Song“ vom aktuellen Album „An Ancient Muse“, von dessen Cover auch das Zelt-Bühnenbild nachgestellt ist. Auch das südlich anmutende „Caravanserai“ ist solch ein Kunstwerk, bei dem Gitarrist Brian Hughes sich ein endloses Duell mit Hugh Marsh an der Violine liefert.

Zusammen mit ihrer großartigen Mitmusikern vermittelt Loreena Mckennitt den Menschen mit ihrem keltisch und orientalisch geprägten Frühlingszauber an diesem Abend etwas, das sie anderswo im hektischen Popgeschäft kaum finden: Anmut, Schlichtheit, tiefe Gefühle und innere Stille – und das trotz teils bombastischer orchestraler Musik. Am Ende trocknet man sich auch gerne ein paar Tränen ab, um wie in Trance in den milden Frühlingsabend zu entschweben.

 

Links:

>> Künstlerinfo Loreena McKennitt bei POP FRONTAL

>> Homepage Loreena McKennitt

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Loreena McKennitt

Loreena McKennitt

 

Loreena McKennitt: Ancient Muse

Loreena McKennitt: Ancient Muse

(SPV / SPV)

 

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