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Gesehen! The Mighty Mardi Gras Three / Hamburg, Hafenklang, 18.03.2004

Da waren's nur noch drei

Text/Fotos: Sandra Kriebitzsch

Eine gewöhnungsbedürftige Konstellation bot sich der Hamburger Fan-Schar von Mardi Gras BB an diesem verregneten Donnerstagabend, denn normalerweise hat der teutonische Brass-Drachen elf Köpfe. Nur zu Dritt und ganz ohne brassiges Gebläse kam der harte Kern des Monsters als The Mighty Mardi Gras Three in den Hafen herunter. Der mit seinen bunten Lichtern blinkende Mississippi-Schaufelrad-Dampfer an den Landungsbrücken stimmte auf dem Weg in den Downtown Blues Club auf das kommende Konzerterlebnis ein. Kleiner Scherz: glücklicherweise nicht im Downtown Blues Club, in dem gemeinhin dickbäuchige Endfünfziger dem Spätsechziger-Bluesrock frönen, sondern in der Punkhochburg Hafenklang erwarteten uns die drei Mitt- bis Enddreißiger um Doktor Wenz, um uns mit feinstem Blues, tief verwurzelt in den 4-, 5- und 6-zigern zu umgarnen.

Wer hat sich denn da verrechnet? Keine Sorge, die Rechnung geht auf: da war doch Elvis und seine GI-Zeit im Hessenland. Und nicht nur er, sondern sicher auch einige seiner nachfolgenden Kameraden hatten, um sich die Abende nach der kriegsübenden Schlammkriecherei zu versüßen, eine Gitarre dabei. Damit konnten blonde deutsche Mädels becirct, nach allen Regeln der Kunst verführt und geehelicht werden. Nachdem sie das erste Mal "Dad" gesagt hatten, bekamen die gezeugten Sohnemänner dann statt Legosteinen eine Gitarre in die Hand gedrückt. Damit hatten auch sie den Blues. So könnte es gewesen sein. Aber wie auch immer es wirklich war, die elf Herren von Mardi Gras BB aus dem Rhein-Main-Neckar-Dreieck gelten als die einzig legitime Vertretung des Mississippi-Delta-Blues auf deutschem Boden.

Gut gestylt kamen die drei Abgesandten nun daher, Doktor Wenz, leicht gegelt und sitzend an Mikro und Gitarre, Reverend Krug, der Mann in der Schlangenhaut (zumindest an den Füßen) am Kontrabass und Sir Erwin Ditzner im zum Ambiente passenden Seebären-Outfit an den reduzierten Trommeln. Natürlich hatten sie am Abend zuvor trotz aller guten Vorsätze in Berlin viel getrunken, und damit es nicht wehtut, wurde erst mal vorsichtig mit einem typischen schleppenden Blues-Instrumental begonnen. Aber dann nahm das "muskulöse Aggregat" langsam Fahrt auf, und der von den Dreien in perfekter Beherrschung ihrer Instrumente servierte filigrane Groove gewürzt mit dem süßen, souligen Gesang des promovierten Arztes für Haut- und Geschlechtskrankheiten durchdrang Ober-, Leder- und Unterhäute der Anwesenden und schnellte mitten in die melancholiegeschwängerten Herzen.

Beim Song "Moto Boat" dann konnten auch die Gliedmaßen nicht mehr an sich halten, und Tanzbeine und Hüften wurden geschwungen. Schnell vergessen waren die fehlenden Bläser, der "Jungle Telegraph" sendete seine Signale auch ohne Tuba und Trompeten bestens durch's Programm. Kleine Lappalien, wie die vom Lakaien Salomon wegen fehlender Feinmotorik statt einer A- auf die Gitarre aufgezogene E-Saite, ließen den Fluss nicht im Stausee münden, sondern boten angenehmen Zwischenstop für gekonnt geführtes Zwiegespräch mit dem Publikum. Übermütig forderte das auch gleich "mindestens zwanzig 7-Minuten-Stücke" als Zugabe, worauf die Herren sogleich beschlossen, eine Genesis-Cover-Band zu gründen, da "progressive Rockmusik wieder im Kommen sei". Eine Scherz, dem tatsächlich ein längeres psychedelisches Stück folgte.

Und auch ein Scherz, den einer lässig vorträgt, der etwas von Progressivität versteht, ohne dabei Modetrends zu folgen. Denn hier ist retro zwar schick, aber echt und damit frei von modischen Allüren. Wer den Blues in die Wiege gelegt bekam, hängt sein Mäntelchen nur in den Wind, um immer weiter zu segeln mit der Strömung, durchs Delta, durch die Sümpfe, in die Halbwelten dunkler Kaschemmen und die scheinenden Ganzwelten glitzernder Festsäle. Und er schaufelt immer weiter, der mächtige Dampfer auf dem großen, breiten Fluss ...

 

Links:

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The Mardi Gras Three

 

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