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Das ist Tokio! Nicht Glasgow! - POP FRONTAL präsentiert: Mono!

Text: Mikel Plett

Macht man sich die Mühe und tippt die Worte "One Step More And You Die" und Mono in eine Suchmaschine, stößt man bei mindestens 99% aller Treffer früher oder später auf Mogwai. Allerdings ist dieser Vergleich auch nicht von der Hand zu weisen, denn Mono klingen sehr wie die Schotten zu ihren stärksten Zeiten Mitte bis Ende der Neunziger. Kommt einem nicht schon beim Albumtitel "One Step More And You Die“ ein wenig "Come On Die Young“ in den Sinn? Und obwohl hier eigentlich gar nichts von Mogwai stehen sollte, stehen sie nun ganz oben. Egal. Gibt es etwa bessere Referenzen?

Takaakira Goto (Gitarre), Tamaki (Bass), Yasunori Takada (Schlagzeug) und Yoda (Gitarre) – vier Mitzwanziger aus Tokio – fanden im Jahr 2000 zusammen. Sie gründeten Mono, nahmen in Eigenregie eine Single auf und schickten sie an John Zorn, seines Zeichens Avantgarde-Jazzer und Gründer des New Yorker Tzadik-Labels. Diesem gefielen Mono derart, dass er nicht nur ihr erstes Album "Under The Pipal Tree" herausbrachte, sondern auch gleich eigenhändig produzierte. Leider kam die Platte nur in Japan auf den Markt, weshalb sie hierzulande kaum für Aufsehen sorgte. Das war vor drei Jahren. Mittlerweile sind Mono bei "Rykodisc" unter Vertrag, und letzten April kam ihr zweites Album "One Step More And You Die" in die Läden. Präsentiert von POP FRONTAL sind sie damit jetzt wieder auf Tour durch Deutschland! Auch viele andere europäische Metropolen werden heimgesucht: in London werden sie gar mit den Einstürzenden Neubauten auf der Bühne stehen und beim Domino- Festival in Brüssel mit Shellac und Bobby Conn. Schon wieder gute Referenzen!

"One Step More And You Die" ist ein rein instrumentales 8-Track-Album. Gitarrist Takaakira Goto schrieb es Ende 2001, noch ganz im Kielwasser des 11. Septembers: Gewalt, Angst und Schock überall. "I wrote with my heart and my emotions. I tried to soundtrack the horror," sagte er im Interview mit Howard Wyman vom New Yorker SwingSet Fanzine, und er sagt weiter, dass ihm das Motiv “Schock” schon immer eines der Wichtigsten gewesen sei: "The sounds that can reach people's heart are my favourite noise. Noise that gives a shock to people.[…] When I listened to My Bloody Valentine for the first time, I was shocked."

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Acht Tracks, die mehr Postrock nicht sein könnten: rumpelnde Bassläufe verkeilen sich in schweren, manchmal kreischenden Gitarren. Autistische Krach-Explosionen untermalt von einem beruhigenden Schlagzeug, das sich immer wieder auflehnt, geradezu ausbricht, wieder zurückfällt, um dann heftiger auszubrechen. Das klingt immer schwungvoll, oft erhaben, nie aufgesetzt.

Ein beeindruckender Aspekt am aktuellen Album ist, dass sich Mono nur auf Bass, Schlagzeug und zwei Gitarren beschränken. Beim Opener "Where Am I“ sowie beim Schlussstück "Giant Me On The Other Side“ kommt lediglich ein zartes, geschmeidiges Cello hinzu. Den Rest des Albums über hauen sie uns ihren kraftvollen, energetischen Sound in klassischer Vier-Mann- (bzw. drei Mann und eine Frau)-Besetzung um die Ohren. Unbedingt zu erwähnen ist noch "Com(?)", das zweite, knapp 16-minütige Stück auf "One Step More And You Die". Es klingt ein wenig, als würde man alle Slayer-Songs eines Albums simultan, aber etwas abgebremst abspielen. In der geradezu apokalyptischen Endphase, in der die vier Japaner auf jedes Pedal zu treten scheinen, das sie besitzen und die Lautstärke weit in den roten Bereich treiben, wird einem klar, das dieses Stück Satan keineswegs fürchten muss. Im Gegenteil. Es bietet ihm die Stirn.

"…pure, unadulterated exercise in ritual guitar execution.“

Im Interview mit Howard Wyman beschreibt Takaaira Goto, was man von Mono auf der Bühne zu erwarten hat. Songs, die man zu kennen meint, werden plötzlich losgelassen, schweben durch den Raum, erkunden ihn und sich selbst, finden aber am Ende oft zu sich zurück. "We have a concrete image of what we want, but most of the times, about sixty percent is improve, playing by improvisations.”

Ein abschließender Grund zur Freude ist, dass die deutschen Termine alle in mittelgroßen bis kleinen Clubs stattfinden. Unter solchen Umständen laufen Mono regelmäßig zu Höchstform auf: "When the audience gets smaller, we get more violent, and we try to kill them by sounds. […] But usually we are very quite people."

 

Links:

>> Tourinfo Mono bei POP FRONTAL

>> Homepage Mono

>> Homepage Rykodisc

>> Homepage Tzadik

>> Mono - One Step More And You Die: Reinhören und Kaufen bei Amazon.de

 

Mono

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Mono - One Step More And You Die

One Step More And You Die

(Rykodisc/ZOMBA)

 

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