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Gesehen! Monte Montgomery, Eric Sardinas and Big Motor / 09.04.2008, Bonn, Harmonie

Wie beim ersten Mal Van Halen hören

Text / Live-Fotos: Klaus Reckert

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"Crossroads" ist ein sehr angesehenes und akzeptiertes Roots- bis Alternative-Format des WDR-Rockpalast in der Bonner Harmonie. An der ersten Crossroad des Jahres trafen sich Monte Montgomery plus Band sowie Eric Sardinas und Big Motor. Zum Auftritt des regelmäßig mit Awards überschütteten Montgomery hatte uns seine aktuelle formidable Live-CD/-DVD "Live At Workplay" gelockt. Live At The Harmonie waren Monte Montgomery (voc, guit), David Piggott (bss) und Jamey Bell (drms) wie erhofft nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil: Hier konnte man nun auf zwei Meter Distanz studieren, was man zuvor schon beim Anhören der CD oder Betrachten der DVD eigentlich nicht wirklich glauben konnte - und das ist in etwa wie beim ersten Mal Eddie Van Halen hören...

Monte Montgomery

Monte Montgomery holt diesen akustischen Mahlstrom aus Sound, Gefühl, Zartheit und röhrendem Rock wirklich aus einer angehammelten Alvarez-Akustikgitarre - freilich abgenommen, unterstützt durch den Einsatz eines ansehnlichen Arsenals von Effektgeräten und verstärkt durch Trace Elliot-Amplification. Übrigens hat der Gute im Vergleich zur DVD deutlich abgenommen, dafür an Haarlänge zugelegt - steht ihm beides gut.

Durch seine ohrenschlackernlassende Picking-Technik, die flirrenden Arpeggien, den begriffssprengenden Flageolett-Einsatz (bereits beim auch heute eröffnenden "Shock" erlebbar) und die erwähnten Fußpedale kann Monte seine Schraddel nach so ziemlich allem klingen lassen, was er gerade möchte: Dreadnaught, Ovation, Flamenco- oder Ragtime-Klampfe, Telecaster im Overdrive oder Dobro. Seinen spielenden Händen entströmt dabei ein einzigartiger, berauschender Mix - vielleicht wie ein Jam von Danny Gatton mit The Alarm beschreibbar.

Die Assoziation The Alarm kommt deswegen auf, weil - als wenn das alles noch nicht mehr als genug wäre - Monte Montgomery dann auch noch weit mehr als nur passabel singt. Sein Vortrag erinnert dabei ein wenig an Loudon Wainwright III meets Gregg Allman meets John Gorka meets Joan Armatrading (Phrasierung). Dabei kann er sich auch auf den gediegenen Hintergrundgesang seiner tight und meist unauffällig agierenden Sidemen voll verlassen.

Bei "River" führt der Südstaatler noch oberamtliches Slide-Spiel ins Feld, während "1st And Repair" den Funk wieder in Gang setzt. "Wishing Well" (nicht verwandt oder verschwägert mit der gleichnamigen Nummer von The Free) ist vor allem melodisch eine Pracht. "When Will I" gemahnt wiederum an Little Feat zu ihren besten Zeiten. Mit "Sara Smile" beginnt ein für seine Verhältnisse "ruhiger" Solo-Spot, in dessen Verlauf er einerseits besonders soulig und mit viel Kopfstimmeneinsatz singt und andererseits im Solo klassische Gitarre à la Julian Bream mit atemberaubenden Hammerings und Flageolett-Abflügen zusammenfließen lässt.

 

 

Fast radiotauglich erscheinen Wohlklang und Pop-Kompaktheit von "Company You Keep", während "Everything About You" auch als Stadionrock durchgehen würde - Beweis genug für die Vielseitigkeit dieses Künstlers, der eben gerade nicht jeden Song mit seiner unstrittigen Virtuosität totgniedelt. Dennoch brilliert das abschließende "Let's Go" mit einem Solo, das Gitarrenschülern Albträume garantiert. Als Zugabe wurde Hendrix' "Little Wing" als Instrumental mit viel "Violining"-Effekt gegeben, gefolgt von "Can't Fool Everyone" - die persönlichen Favoriten "All On Me" und "Bringing Me Down" waren leider nicht im Programm. Nichtsdestotrotz eines dieser wenigen unvergesslichen Konzerte.

Eric Sardinas, derzeit mit aktuellem Album und Big Motor (= Levell Price, bss und Patrick Caccia, drms) unterwegs, hatte es nach diesem Talentwirbelsturm nicht ganz leicht, an das Unterkieferrunterklapp-Niveau seiner dabei noch rundum sympathischen Vorgänger anzuschließen (Welcher Rockstar hat schon ein Foto seiner Tochter an der Effektleiste angebracht, wie Monte-Basser David Piggott, vgl. Foto?). Die Kiefer klappten dennoch schon beim Erklimmen der Bühne, allein durch ... die Hosen. Es gab nichts weniger als die Rückkehr der Teppichhose zu feiern. Mit der Auslegware, in die Sardinas und Price sich da gewandet hatten, hätte des Rezensenten Oma sich jederzeit auch gerne das Sofa beziehen lassen.

Hinzu kommt, dass Sardinas, der schon im Vorprogramm von Johnny Winter oder seinem Labelboss Steve Vai aufgetreten ist, einer der ärgsten Poser ist, die man je jenseits von Ronald Pofalla sah. Während Monte Montgomery bei den widernatürlichsten 64stel-Läufen noch konzentriert-freundlich über seine Nasenspitze ins Publikum linst, grimassiert der wie ein Pfingstochse aufgebrezelte Eric noch beim Gitarrenstimmen, als sei er gerade mitten in den Presswehen. Auch seine immer etwas angenervt klingende Stimme scheint heute wenig tragfähig.

Alles Geschmackssache. Unstrittig jedenfalls die Klasse des feurigen Dobro-Spiels bei etwa dem eröffnenden "Worried Mind Blues" oder dem witzig betitelten "Keep Your Amps Trimmed And Burning". Zudem überzeugt das Bass-Solo des mit federnder Rhythmik fesselnden "Can't Be Satisfied". Das Tony Joe White-Cover "As The Crow Flies" jedoch lässt wehe Reminiszenzen an Rory Gallaghers legendär intensive Interpretation aufkommen. Mit "Down In This Bottom" und "If You Don't Love Me" geht ein Auftritt zu Ende, der für sich stehend eine deftige Ladung eindrucksvoll exaltierten Dobro-Bluesrocks brachte. Der direkte Vergleich mit Monte Montgomery allerdings fällt ungünstig für Mr. Sardinas aus...

PS: Sehen ist mehr als Lesen - voraussichtliche Ausstrahlung des Konzerts auf WDR/Rockpalast am Sonntag auf Montag, 19.05.2008.

 

Links:

>> Künstlerinfo Monte Montgomery bei POP FRONTAL

>> Homepage Monte Montgomery

>> Monte Montgomery - Live At Workplay - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Künstlerinfo Eric Sardinas bei POP FRONTAL

>> CD-Rezension (03.04.08): Eric Sardinas & Big Motor

>> Homepage Eric Sardinas

>> Eric Sardinas & Big Motor - s/t - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

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