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Gesehen! MS John Soda, Zuhause / 21.03.2006, Hamburg, Knust

Streifenshirts und Körpereinsatz

Text: Mikel Plett      Live-Fotos: Sandra György

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Die Antwort auf die Frage, ob ein Dienstagabend ein guter Termin für ein Konzert ist oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Nicht eng genug oder endlich mal genug Platz, sich angemessen bewegen zu können? Halb voll oder halb leer? Egal ob optimistisch betrachtet oder nicht, mit knapp 200 Menschen lässt sich das Hamburger Knust bestenfalls halb füllen. Dem Konzert von MS John Soda tat dies allerdings keinen Abbruch, blieb so doch immerhin genug Raum, die verschiedenen Perspektiven auf Bühne und indiegirldominiertes Publikum auszuloten und der Frage nachzugehen, seit wann quergestreifte Shirts und Pullis eigentlich wieder so en vogue sind.

MS John Soda

Den Anfang machten an diesem Abend die Hamburger von Zuhause, deren junge Mitglieder - allesamt bereits gestandene Musiker - ihr Handwerk bei Bands wie Scholle, Brideshead oder der semi-legendären Hamburger Gruppe Blobkanal erlernten. Mit harmonischen Gitarrenmelodien, dezent eingesetzter Zweitstimme und verspielten Keyboardklängen erinnerte ihr Auftritt stark an Bands wie Samba, Anajo oder Virginia Jetzt!. Durchweg schöner, gut gemachter Indiepop, der sowohl textlich wie auch musikalisch hätte überzeugen können, wäre man bloß den Eindruck losgeworden, all das schon mehrmals irgendwo anders gehört zu haben. Vielleicht eine Spur zu beliebig, zu charmant, zu unentschlossen wirkte das Dargebotene. "Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich das Gefühl nicht mehr los werde" darf wohl als eine der schönsten Zeilen gelten, die man momentan aus der Riege gut gelaunter deutscher Popkapellen hören kann. Vor der Bühne wurde man allerdings das Gefühl nicht los, Zuhauses Mischung aus nur halbwegs überzeugender Authentizität und dezent chartsorientiertem Konzept in der aktuellen Privatradiolandschaft kaum noch aus dem Weg gehen zu können. In der zweiten Hälfte ihres Auftritts ließ dieser Eindruck allerdings deutlich nach, da das Tempo spürbar angezogen wurde und die Gitarren mitunter verzerrt aufheulen durften, was auch das Publikum mit gesteigertem Applaus deutlich honorierte.

Uneingeschränkte Begeisterung ganz ohne jede Zurückhaltung schlug im Anschluss Stefanie Böhm, Micha Acher, Thomas Geltinger und Carl Oesterhelt entgegen, die schon beim Verkabeln ihrer Instrumente mit fast frenetischem Beifall überschüttet wurden. Beim Opener "Sometimes Stop, Sometimes Go" fielen dann auch dem angesichts der vergleichsweise ruhigen und poppigen neuen Platte "Notes And The Like" letzten Zweifler die Steine vom Herzen. Egal ob "Scan The Ways", "A Million Times" oder "Plenty Of" - die neuen Stücke von MS John Soda funktionierten allesamt wunderbar auf der Bühne, erwartungsgemäß etwas schneller und treibender gespielt, energetischer, rockiger, auf direktem Weg durch das Ohr in die Füße. Stefanie Böhms zuckersüßer Gesang, kombiniert mit ihrer schon fast schulmädchenhaften Schüchternheit ließ indes die anwesenden Männerherzen höher schlagen, wenn sie sich, zurückhaltend und scheinbar selbst über den Publikumszuspruch überrascht, artig nach jedem Song für die ihr angediehene Aufmerksamkeit bedankte. Das ansonsten nicht viel gesprochen wurde, fiel dann auch nicht weiter ins Gewicht, schließlich ging es hier nicht um Anekdoten, sondern um Musik.

 

 

Am eindeutigsten war dies dann auch bei Micha Acher auszumachen, dessen beeindruckender Körpereinsatz während des anderthalbstündigen Gigs kaum eine Unterbrechung fand. Die Frage, ob es überhaupt zu ihm durchdrang, dass gerade ein ruhiger Part bzw. ein gedämpftes Stück gespielt wurde, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, stellte sich aber aufgrund seines ekstatischen Mitgehens, Hüpfens und Haareschüttelns dann doch immer mal wieder. Schlagzeuger Thomas Geltinger hingegen kam während des Auftritts aus dem Grinsen nicht mehr heraus, offenbar sichtlich erfreut, den Rhythmusbattle gegen die Drumcomputer unzweideutig zu Gunsten seines präzisen und akzentuierten Geklöppels entschieden zu haben. Womöglich trug auch die Sicht auf den Springteufel Acher zu seiner guten Laune bei.

Alles in allem wurde an diesem Abend deutlich, dass Herz und Seele der - pardon! - deutschen Musikszene nach wie vor in Weilheim liegen, und die Empfehlung, Morrmusic-Veröffentlichungen beruhigt ungehört kaufen zu können, weiterhin Gültigkeit behält. Nach dem ruhigen Einstieg, dem knüppelnden Mittelteil (mit "Go Check" als eindeutigem Konzerthöhepunkt) und dem fast romantisch-lauschigen Ausklang dieses Auftritts war jeder gut beraten, einen Menschen mit auf MS John Soda-Konzerte zu nehmen, an dem man sich gerne festhält.

 

Links:

>> Künstlerinfo MS John Soda bei POP FRONTAL

>> CD-Rezension (06.03.06): Notes And The Like

>> Homepage MS John Soda

>> MS John Soda: Notes And The Like - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Künstlerinfo Zuhause bei POP FRONTAL

>> Zuhause auf Tour - Präsentiert von POP FRONTAL (Feb. 2005)

>> Homepage Zuhause

>> Zuhause: Dinge An Ihrem Platz - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

MS John Soda

MS John Soda

MS John Soda

MS John Soda

MS John Soda

MS John Soda

 

Zuhause

Zuhause

 

MS John Soda: Notes And The Like

MS John Soda: Notes And The Like

(MorrMusic / Indigo)

 

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