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Gesehen! N.E.R.D. / 08.07.2004, Hamburg, Stadtpark @ Essential Listening Festival

Auf der Wiese mit Pharrell

Text/Live-Fotos: Alexandra Beck

 

Es ist früher Abend im Hamburger Stadtpark, den ganzen Tag hat es geregnet. Trotzdem ist es voll. Ein paar Tausend Menschen sitzen auf roten, ausgepackten Regenmänteln, die am Eingang zur Open-Air-Bühne verteilt werden. Die Luft riecht nach Regen und feuchtem Gras. Ein DJ vom Asoto-Soundsystem legt Hip Hop auf. Was wirkt wie ein großes Picknick, ist das Warten auf N.E.R.D., die Band von Pharrell Williams und Chad Hugo, besser bekannt als das Produzenten-Duo Neptunes.

Live haben sie sich mit ihrem Kumpel Shay zusammen getan, der mit der Backing-Band Spy Mob N.E.R.D. vervollständigt. Spy Mob ist heute abend auch die Vorgruppe und spielt poppigen Indie-Rock, der es aber nicht schafft, das Publikum von den Regencapes zu reißen. Ein Moderator hat die undankbare Aufgabe übernommen, in jeder Pause auf die After-Show Party im Hamburg City Beach Club hinzuweisen. Denn mit dem N.E.R.D.-Konzert startet das dreiwöchige Essential Listening Festival – Vol. One mit einer Programmischung, die Musikliebhaber mit NuJazz, Breakbeat, Hip Hop, R & B, Electronic, Fusion und DJ-ing bedient. Neben N.E.R.D. werden in den nächsten zwei Wochen noch weitere renommierte Künstler, wie z.B. Peter Kruder, Amp Fiddler, Gilles Peterson, Esbjörn Svensson Trio auftreten.

Das N.E.R.D.-Konzert ist nicht ausverkauft, aber gut gefüllt. Das Publikum mischt sich, denn N.E.R.D. spricht eine breitgefächerte Fangemeinde an. Die vorderen Reihen belegen überwiegend weibliche Teenies. Im hinteren Bereich finden sich die in die Jahre gekommenen Hip-Hopper und die Eltern der Teenies. Um 20.45 ist es soweit: Spy Mob kommt verstärkt durch Pharrell und Shay erneut auf die Bühne. Chad ist wie auch schon im Frühjahr in Berlin nicht dabei, lässt sich aber auf Nachfrage eines Fans hin entschuldigen.

Schon während des ersten Songs flirtet Pharrell mit den Mädchen in den ersten Reihen: er blinzelt, blickt tief in die Augen und hält sich keinesfalls nur auf der Bühne auf, sondern nutzt den Rasenstreifen, der Bühne und Fans trennt. Vor dem dritten Song wird die Fläche zur Picknick-Zone erklärt, und Pharrell bringt die Kids nahezu um den Verstand, als er beginnt, Fans aus der Masse auszuwählen und diese für den Rest des Konzerts auf der Wiese platziert. Schon bald mischen sich Jungs und Mädchen, die lippensynchron und mit aus den Videos abgeschauten Gesten mal sitzend mal stehend tanzen. Ein erster musikalischer Höhepunkt ist die im Gegensatz zur Album-Version verrockte Live-Version von "She Wants To Move" aus dem aktuellen Album "Fly Or Die". Die Rasenfläche hat sich mittlerweile mit mindestens 20 Fans gefüllt, und Pharrell denkt gar nicht daran, seine Grasbühne zu verlassen und alles für die Stimmung zu tun. Nicht ganz unberechtigt stellt er dem Publikum irgendwann die Frage, ob sie denn überhaupt etwas bezahlt hätten fürs Konzert oder warum sie nicht feiern würden?!

Zur Hit-Single "Provider" vom ersten Album "In Search Of..." macht es sich die Band, sofern nicht an Schlagzeug oder Keyboard gebunden, zwischen den Fans gemütlich. Und mindestens ein Mädchen hat für viele Jahre eine tolle Geschichte zu erzählen. Die von dem Konzert im Stadtpark, als der N.E.R.D.-Sänger sich neben sie setzte, ihre Hand nahm, tief in ihre Augen schaute und "Provider" "nur" für sie sang... Der Kontakt mit dem Publikum ist ohnehin weit größer, als man es von den meisten Konzerten gewohnt ist - besonders von den Hip-Hop-Konzerten, die mehr durch cooles Gehabe, denn Fannähe in Erinnerung bleiben. Aber N.E.R.D. ist auch keine klassische Hip-Hop-Combo. Sie erinnern in ihrer Zusammensetzung eher an The Roots, die auch eine Live-Band dabei haben. Häufig dürfen die Fans Strophen weitersingen, und auch wenn da, wo die Texte doch eigentlich sitzen, mal vor lauter Aufregung kein Wort rauskommt, ist die Fanwelt in Ordnung. Und dass man die Fans nicht allzu sehr überraschen sollte, hat Pharrell sicherlich gemerkt, als ein Mädchen, anstatt etwas zu sagen, unhaltbar ins Mikro brüllte, als die ersten Takte von "Frontin" erklangen.

In jedem Fall war das Konzert ein gelungener und vielversprechender Auftakt für das Essential Listening Festival. Auch wenn leider – schieben wir es auf den mangelnden Publikumszulauf wegen anhaltend schlechtem Wetter – mehr Energie von der Bühne floss, als aus dem Publikum zurückkam.

 

Links:

>> Künstlerinfo N.E.R.D. bei POP FRONTAL

>> Homepage N.E.R.D.

>> N.E.R.D. - Fly Or Die: Reinhören und Kaufen bei amazon.de

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>> Homepage Essential Listening Festival

 

 

Pharrell / N.E.R.D.

Pharrell

Shay / N.E.R.D.

Shay

 

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N.E.R.D. - Fly Or Die

(Virgin/EMI)

 

Essential Listening Festival

Essential Listening Festival

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