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Gesehen! Nouvelle Vague / 08.12.2004 Hamburg, Knust

This is not a live song?!

Text: Julia Kussius    

 

Das französische Gesangsduo muss einen Nerv getroffen haben. Nicht nur ihr Album, das von PIL, The Cure über Neil Young bis zu The Clash charmante chansonesque Coverversionen kreiert, findet scheinbar reißenden Absatz, auch ihre Deutschlandtournee lockte so manchen in die Kälte hinaus. Die Idee ist aber auch einfach gut. Ehemalige Hymnen, welche voller Zorn, Gesellschaftskritik, vielleicht auch musikalischer Rebellion stecken, verwandeln sich in Nouvelle Vagues Gewand in Lo-Fi Puristen mit französischer Note.

Nouvelle Vague

Der immer ein wenig naiv wirkende Akzent der Sängerinnen unterstützt hierbei den Eindruck der Reduktion und der im positiven Sinne simplen Übersetzung. Die Originale sind für sich stehend schließlich so stark, dass nur eine ganz gegensätzliche Interpretation überhaupt zulässig scheint. Und genau das gelingt den Damen. Zwischen Bossa, Chanson und Songwriter-Garn pendeln sich die Lieblingslieder ein und demonstrieren ganz still und leise, dass weniger auch in diesem Fall mehr sein kann. Zu Hause auf dem Plattenteller, wohl auch im CD-Spieler und dem Kassettenrekorder, funktioniert das prächtig, ja perfekt. Ist ja auch praktisch, die Texte sind bekannt, da lässt es sich leicht mitsingen, -summen und -schunkeln, von Urlaub in ländlicher Idylle träumen und französische Melancholie mal eben kurz sein eigen nennen.

Wahrscheinlich füllte sich auch aus dem Grunde, dass sich eben viele schnell in den neuen alten Hits zurechtfinden, das Hamburger Knust zügig und bescherte den hinteren Reihen ein sehr eingeschränktes Sichterlebnis. Die im kleinen Thekenraum stattfindende Live-Übertragung von der Bühne auf eine Leinwand konnte nicht wirklich als Ersatz dienen. Hören durfte man aber an jeder Stelle, und mit ein bisschen gutem Willen und verringertem Platzanspruch - sprich Kopfrecken - ließ sich auch ganz hinten der eine oder andere Einblick in die verspielte, mädchenhafte Bühnenpräsenz der Nouvelle Vague Madames erhaschen.

Und dort wurde tatsächlich alles daran gesetzt, eine Show zu bieten. Spätestens als die beiden barfüßig auf den Tresen kletterten, um sich zwei hochprozentige Flaschen aus den Regalen zu angeln, und diese sogleich ansetzten, ging das Spiel nach hinten los. Musikalisch zu covern und sich dabei selbst zu verwirklichen, ist eine Sache, dazu ein Rock'n'Roll-Image zu imitieren, ist für manchen schlicht zu viel. Das Bild des bösen Mädchens, der "Femme Fatale et Révolutionnaire" wollte sich einfach nicht so recht an die warme, gefühlvolle, innovative Musik schmiegen und stieß daher irritierend auf. Denn, was auf der heimischen Anlage beglückte, vermochte auch live entzücken. Der Gesang, der stimmte. Mit teilweise minimaler Begleitung passte jeder Ton und wirkte kein bisschen unsicher, leise oder zitternd. Gemischt waren also die Gefühle über diesen Abend. Mit geschlossenen Augen wunderbar? Da traf es sich doch gut, dass so viele Köpfe die freie Sicht oft störten, und es sich das Publikum beobachtend ganz prima im Takt wippen ließ.

 

Links:

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