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Gesehen! Olli Schulz, Winson / 01.05.2009, Hamburg, Grünspan
Präsentiert von POP FRONTAL
Arschtighter Brandbeschleuniger
Text: Michael Kellenbenz Live-Fotos: Kerstin Sander (Stagephotographers)
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Ein (Männer-)Abend wie gemalt nach Zahlen. Man trifft sich erst ein wenig sorglos, tastet gegenseitig die Stimmung ab, wechselt dann über in den vermeintlichen, allumfassenden Ernst des derzeitigen Lebens und hängt am Ende schallend lachend in der Ecke. Das Bier tropft derweil kontinuierlich über den Rand des Glases und rinnt mitnichten als letzter, schaler Schluck "bitter durch den Hals". Voll ist an diesem Abend auch das Hamburger Grünspan beim finalen Konzert der "Es brennt so schön" - Tour von Olli Schulz. Und wir? Löschten tatkräftig mit.
Der Einlauf gehört einem Berliner. Eigentlich sei (Marcus) Winson "ein deutscher Musiker", ist von einem der früh anwesenden Konzertgänger zu erfahren. Möglicherweise zu oft Wikipedia gelesen? Winson jedenfalls gibt sich erfolgreich Mühe, diesen Titel mit einer fulminanten Ein-Mann-Show zu untermauern. Das steht übrigens so ähnlich auch auf seiner Myspace-Seite und bleibt wohl der einzige gemeinsame Nenner des Publikums. Ein paar zufällige Reaktionen im Raucherbereich zwischen den beiden Konzerten jedenfalls zeugen von Gut und Böse in Personalunion. Die Kurzweiligkeit seines Auftrittes jedoch ist Fakt. Die etwas überdrehte Attitüde sicherlich auch.
Dass Olli Schulz im Grunde selber eine One-Man-Show par excellence darstellt, ist dagegen nichts Neues. Auch nicht, dass der Mann auf dieser Tour mit den Kollegen von Home of the Lame eine der arschtightesten Bands dieses Landes im Rücken hat. Hinter einem, der doch selbst von sich behauptet, eher reduziert talentiert auf der Gitarre zu sein, nur um bei nächster Gelegenheit gleich einen ganzen Strauß von Welthits zwischen Depeche Mode und Kettcar auf ein und denselben Akkord zu reduzieren. Zugegeben kein ganz neues Element der Schulz-Show. Ebenso wenig wie die Geschichten (v)on the road. Ob es die Frühshow-Plage mit anschließend gebauter Dave-Gahan-Gedächtnissause ("Wrrrrrrrrrrong!") ist oder die subtile Betrachtung aus Sicht der "Marsianer"?
Gänzlich mehr Gewicht aber liegt mittlerweile auf dem sachte angezettelten Widerstand im Schulzschen Seelen(un)frieden. Und das am ersten Mai, ein paar Meter entfernt von Wasserwerfern, Steinen und auch ein paar Hohlköpfen. "Es brennt so schön" aber feuert bekanntlich seine Salven hier vielmehr nach innen und serviert sie dem Volke im anfangs noch nüchternen Zustand. Getaucht in eine (während der ersten Minuten) beißend ätzende Lichttinktur. Versöhnliches folgt später ("Geht's euch gut?"). Herrlich sinnentleerte "Nö!"-Antworten im Publikumschor ebenso. Da ist der Schulz Meister seiner Klasse und in seinem Element: Dinge anzetteln und sich dabei auch kurz mal zum Grobi machen, dem niemand dafür böse ist. Und natürlich kommen im Laufe des langen Abends dann auch alle zwölf und mehr Golden Country Greats der letzten Schulz-Jahre. Ist ja auch Feiertag und der verdammt verdiente Abschluss einer ausgelassen beendeten Tour.