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Gesehen! Pat Metheny Group / 01.06.2005, Frankfurt, Alte Oper

Dem Wahren, Schönen, Guten

Text: Carlo G. Reßler

 

"Dem Wahren, Schönen, Guten" - diese einladenden Worte stehen unübersehbar in Stein gemeißelt über dem wunderschönen Barockbau der Alten Oper in Frankfurt. Ort und Einladung scheinen Weltklasse-Gitarrist Pat Metheny, den "Sunnyboy" des Jazz, besonders zu inspirieren, denn bereits zum vierten Mal in den vergangenen Jahren tritt er mit seiner Band in dem stilvollen Ambiente auf. An diesem lauen Frühlingsabend hat er sich für sein Konzert eine Menge vorgenommen.

Pat Metheny Group

Ausnahmegitarrist Metheny ist auch gut 25 Jahre, nachdem ihm mit dem Album "American Garage" der Durchbruch gelang, mehr den je ein rastloser Musiker. Oft gibt er über 150 Konzerte pro Jahr, daneben noch viele Gitarren-Workshops und nimmt vielbeachtete neue Platten auf. So auch zu Jahresbeginn mit dem bereits jetzt zu einer der besten Jazzalben des Jahres gekürten Scheibe "The Way Up". Auf Titel hat er bei diesem Kunstwerk ganz verzichtet und die CD eher wie eine Sinfonie mit einem "Opening" und drei langen Teilen angeordnet. Sein faszinierendes neues Album betrachtet Metheny dabei im Interview auch als persönlichen Protest gegen eine immer stumpfsinnigere Musikwelt, in der wirkliches Können, Kreativität und musikalische Feinheiten oft ganz weit hinten anstehen und es sogar Hitparaden für 30-sekündige Handy-Klingeltöne gibt.

Auf der aktuellen Tour spielen Pat Metheny und seine hervorragend eingestimmte Group das neue 75 Minuten lange Werk komplett live. Als Empfang bereitet ihm dabei das begeisterte Publikum in der restlos ausverkauften Alten Oper bereits lange vor dem Auftritt minutenlang Standing Ovations. Zum Dank nimmt der scheinbar stets gut gelaunte 51-jährige Musiker seine Fans mit auf eine hypnotisch kosmische Klangreise mit einer ungeheuren Fülle an Klangfarben, Motiven und unterschiedlichsten Rhythmen, unterstützt von einer fein abgestimmten Lightshow, die an Urwald und Weltall zugleich erinnert.

Wer geglaubt hatte, nach "The Way Up" werde allmählich der Zugabenteil eingeläutet, sah sich gründlich getäuscht, nein, Meister und Band spielen mühelos und ohne Pause noch gut eineinhalb Stunden mit hochklassiger Fusion-Musik ihrer vielen Erfolgsalben weiter. Besonders auffällig hierbei einige Stücke des legendären "Offramp"-Albums, bei denen der neue mexikanische Schlagzeuger Antonio Sanchez durch unglaublich schnelle fantasiereiche Solos mit überraschenden Breaks glänzt. Überhaupt lässt Metheny seinen sechs Mitmusikern große Freiräume für Soli und wilde Improvisationen; so auch dem glänzend aufgelegten Trompeter Cuong Vu, dessen Spiel oft wie Gitarrensound klingt, und dem überzeugenden Grégoire Maret mit seinen virtuosen Mundharmonika-Einlagen.

Auch wenn des Meisters lang ausufernde Verzerrer-Soli manchmal allzu zuckersüß verpackt erklingen, fügt sich – auch dank seiner großartigen Band - letztendlich die Musik immer wieder passgenau temperamentvoll und dynamisch zu einem überzeugenden Gesamtkunstwerk zusammen. Nach vielen spontanen Bravo-Zwischenrufen des dankbaren Publikums geht nach zwei Zugaben und knapp drei Stunden Soundfeuerwerk ein Jazzrock-Abend der Sonderklasse zuende. Dabei sind Pat Metheny und Band sichtlich gerührt vom vielen begeisterten Applaus und die Fans voll zufrieden vom erstklassigen Konzert. Heile Musikwelt also, was will man mehr!

 

Links:

>> Künstlerinfo Pat Metheny bei POP FRONTAL

>> Homepage Pat Metheny Group

>> Pat Metheny Group: The Way Up - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Pat Metheny

Pat Metheny

 

Pat Metheny Group: The Way Up

Pat Metheny Group: The Way Up

(Nonesuch / Warner)

 

 

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