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Gesehen! Peter Gabriel / 14.06.2007, Gelsenkirchen, Amphitheater
Das Wasser wäscht uns
Text: Carlo G. Reßler
Ein wohl einmaliges Kuriosum findet derzeit auf den Open-Air-Bühnen des Landes statt. Während
sich nach Jahren der Bühnenabstinenz die Herren Collins,
Rutherford und Banks als Genesis mit ihrem Softpop in den riesigen
Stadien tummeln, tourt Peter Gabriel, das einst kreative Genie der
Band, auf kleinen idyllischen Naturbühnen zeitgleich durch die
Republik. Zum Beginn seiner Europatour spielt er im ausverkauften
Gelsenkirchener Amphitheater. Ein heftiges Gewitter und starker Regen
lassen befürchten, dass der mit Spannung erwartete Tourauftakt
an diesem Frühlingsabend ins Wasser fällt.
Doch während im Hintergrund der Kanalbühne friedlich ein
Kohlenschiff vorbeituckert, kommt der Musikmaestro gegen 21.15 Uhr
doch gut gelaunt auf die Bühne und wird von 7.000 Fans begrüßt.
Gleich mit dem knackigen Opener "The Rhythm of the Heat”
vom Album "4" lässt er das Regenwetter
blitzschnell vergessen. Peter Gabriel ist ein Musiker, der
selbst Trends gesetzt hat, anstatt mit dem Mainstream zu schwimmen.
Auf seiner Überraschungstour 2007 gibt es entgegen aller
Erwartungen keine bombastische Bühnenshow. Gabriel spielt in
schlichter Inszenierung die Top-20-Songs, für die die Fans auf
seiner Internetseite abgestimmt hatten. Keine Hitparade und keine
neuen Songs, schließlich heißt die Tour auch "Warming
Up Summer". Aufwärmen? Für was? Man munkelt über
ein neues Album samt Tour, doch Genaueres ist noch nicht bekannt.
Weit zurück in die 80er Jahre
reichen die Schwerpunkte der Setlist an diesem Abend, mit ewig nicht
gehörten Perlen wie "D.I.Y." oder "On the Air"
- sogar "Moribund the Burgermeister" ist vertreten. Und
wie von ihm gewohnt, erläutert Peter Gabriel einige
Songdetails wieder in Deutsch. So steht vielen Fans - angesichts des
gerade vorbeigezogenen Wolkenbruchs - das Grinsen im Gesicht, als er
vor seinem Song "Washing of the Water" sagt: "Wir
sitzen hier am Rhein und das Wasser wäscht uns." Von
seinen frühen deutschen Virgin-Platten hat er zudem mit
"Schnappschuss" und "Keiner von uns (No one of us)"
zwei kleine Diamanten im Gepäck, die er mit seiner warmen Stimme
auf Deutsch intoniert.
Zusammen mit Tochter Melanie und Angie
Pollock (Keyboards, Vocals) wird dann das romantisch schöne
"Blood of Eden" vorgetragen. Ebenfalls von Melanie
Gabriel wunderschön solo gesungen: "Mother of Violence".
Neben den beiden Musikerinnen sorgt Drummer Ged Lynch für das
Grounding, die Gitarrenspezialisten David Rhodes und Richard Evans
sowie Bassurgestein Tony Levin bieten großes Saitenkino.
Zum Schluss des regulären Sets
folgt schließlich mit "Lay Your Hands On Me" (1982)
wohl das Stück, bei dem die meisten Fans ihre Kameras zücken
– in der Erwartung, dass sich Gabriel wie damals rücklings
ins Publikum fallen lässt. Doch diesmal schreitet er lediglich
mit dem Rücken zum Bühnenrand. Aufbrausender Jubel ist ihm
auch ohne Bad in der Menge sicher.
Fast unpassend zum bisherigen Abend
folgt im Zugabenteil mit "Solsbury Hill", "Sledgehammer"
und dem Ohrwurm "In Your Eyes" eine kurze "Best
of"-Einlage. Auch wenn - zum Auftakt der Europatour verzeihbar
- noch nicht jeder Ton von Peter Gabriel und seiner Band sitzt, ist
es ein denkwürdiger Auftritt. "Wir machen, was bestellt
war" ist Gabriels Motto für diese Tour. Und auch wenn
einige "Otto-Normal-Besucher" aufgrund der ausgefallenen
Setlist und der spartanischen Bühnenshow enttäuscht sind:
für die meisten war das Konzert ein großes Fest, das in
diesem Open-Air-Summer nur schwer zu toppen sein wird.
Setlist
The Rhythm Of The Heat
On The Air
Intruder
D.I.Y.
I Have The Touch
Washing Of The Water
Blood Of Eden
We Do What We?re Told
I Don?t Remember
No Self-Control
Moribund The Burgermeister
Schnappschuss (ein Familienfoto)
Not One Of Us
Mother Of Violence v
I Grieve
Big Time
Steam
Lay Your Hands On Me
Solsbury Hill
Sledgehammer
In Your Eyes