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Eine skurrilere Ansammlung von Anti-Stars bekommt man selten zu Gesicht: den runden
Bauch von Gitarrist und Sänger Robert Rulon Crow Junior, kurz Rob, schmückt
ein T-Shirt mit dem Konterfei von Robert de Niro in "Taxi Driver".
Beigefarbene Bermudas schlackern unvorteilhaft um seine Beine. Die, so wird er
dem Publikum später verraten, habe er sich beim Wal-Mart gegenüber gekauft.
"Für 14 Euro, das ist doch ein guter Preis, oder?" Der zweite
Kopf von Pinback ist Bassist und Keyboarder Armistead Burwell Smith IV, kurz Zach
(Three Mile Pilot). Ein dünner Bartträger mit traurigem Blick. Drummer
Tom Zinser versteckt sich so tief hinten auf der Bühne, dass man ihn nur
erahnen kann. Für die Tour haben Pinback zudem Unterstützung in Person
eines weiteren Keyboarders mitgebracht, der auch Bass und Gitarre spielen kann
– trotz seines Gipsarms. Ergänzt wird das Live-Set durch einen Extramann
für die elektronischen Effekte.
Dass Hipness-Fragen bei dieser Band völlig überflüssig sind, wird
bereits nach dem ersten Stück klar: der zweistimmige Gesang von Rob und Zach,
die zurückhaltenden, doch umso nachhaltigeren Melodien, das wellenartige
Auf und Ab, gepaart mit exzellentem Bassspiel, entfalten sofort ihre Wirkung.
Das, was Pinback hier zelebrieren, ist der perfekte Indie-Pop-Song. In vielen
Variationen. Mal ganz sanft und sachte, dann wieder treibend. "Trance zum
Tanzen", wie ein Zuhörer bemerkt. Vor der Bühne wird das auch
schon heftig getan. Andere lauschen mit geschlossenen Augen den wunderschönen
Stücken.
Gestört fühlen sich die Fünf anfangs nur durch die zu grelle Bühnenbeleuchtung.
"How do you say in German: Please, only blue light?" fragt Säger
Rob den des Deutschen mächtigen Keyboarder. Der braucht einen Song, um die
Übersetzung herauszufinden: "Bitte nur blau, bitte", huscht ein
zaghafter Rob ins Mikro – fortan stimmt auch die Farbgebung.
Pinback haben die Gabe, über die gesamte Länge des Konzerts konstant
die Spannung zu halten. Plaudereien, um die Pausen zwischen den Songs zu überbrücken?
Müssen sie nicht haben. Sie schaffen es, allein durch die Schönheit
ihrer melancholischen Melodien das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Mehr noch:
je introvertierter Pinback auf der Bühne agieren, je stärker sie sich
selbst in den eigenen Songs verlieren, desto extrovertierter und ausgelassener
antwortet das Publikum.
Nach über zwei Stunden ist erst einmal Schluss. Doch nur kurz. Für zwei
weitere Zugaben johlt das beglückte Publikum die fünf Tiefstapler noch
einmal auf die Bühne. Dann geht's mit dem sicheren Gefühl, Zeuge
eines dieser seltenen, rundum gelungenen Konzerte gewesen zu sein, beseelt nach
Hause.
Links:
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