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Ein ungewöhnlicher Ort für ein
Openair-Festival ist ein asphaltierter Innenhof umgerahmt von roten
Ziegelsteinwerksbauten allemal - aber scheinbar sehr anziehend
für Motorrad- und Rockfans. Denn zum wiederholten Male hieß
es beim POLO rockt! Festival bereits Tage vor Beginn: ausverkauft. So
tummeln sich ca. 5000 gut gelaunte Fans bei bestem Spätsommerwetter
mit Altbier und einem Lineup ganz ohne „Vorgruppen“ auf
dem Düsseldorfer Werksgelände des Anbieters von
Motorradbekleidung, -zubehör und -technik.
Leningrad Cowboys
Bei heißem
Sonnenschein am Nachmittag geradlinigen Rock’n’Roll in
Schlips und Kragen spielen? Verrückt. Oder eben: The Great
Crusades. Die vier Chicago-Boys legen gleich zu Beginn des
Festivals eine furiose Performance auf die bebenden
Bühnenbretter. Impulsiv und sehr homogen wirkt die Band mit
ihrer brandaktuellen siebten CD "Keep Them Entertained"
im Rücken. Aufrechte Kreuzzügler eben, die mit
ungeschminkter Rockmusik dabei sind, Europa musikalisch zu erobern.
Nach ganz kurzer Umbaupause wird es dann plötzlich sehr schrill und
bunt. Elf Herren, die aussehen, als wären sie einem
Fantasy-Comic entschlüpft, entern die Bühne. Grellbunte
Anzüge, kitschige Sonnenbrillen, fast einen Meter lange polierte
Schnabelschuhe und dazu riesige haarspraygestählte
Einhorntollen. Zur Teatime am Nachmittag schon fast unwirklich wirkt der Einzug der
Leningrad Cowboys mit ihren beiden passend gestylten Gogo-Tänzerinnen. Die bizarre Folk-Polka-Truppe aus Helsinki, die sich gerne selbst als "die
schlechteste Rockband der Welt" bezeichnet, sorgt mit
Coversongs wie "Sweet Home Alabama", "Der Lachende
Vagabund" oder "Whiskey In The Jar" umgehend für
allerbeste Stimmung und musikalische Dauerpower. Ob als
Elvis-Kopie im weißen Overall mit Radkappen-Gürtelschnalle
oder Wodka saufend rundlich-fett im cremefarbenen Miederhöschen
mit Elefantenhoden: sie sind einfach verrückt bis in die
Haarspitzen.
Passend
zur Abenddämmerung und mit bissfestem Groove kommen anschließend
die vier musikalischen Helden aus dem Robert Rodriguez-Vampirfilm
"From Dusk Till Dawn" auf die Bühne. Mit kernigen
Bassläufen, harten Drumbeats und kühlen Gitarrenriffs
ziehen Tito & Tarantula mächtig
vom Leder. Neben dem humorvollen Bandgründer und Sänger
Tito Larriva fällt besonders die neue Bassistin Lucy LaLoca mit
ihrem punktgenauen Spiel auf. Und beim Konzert merkt man schnell:
trotz einiger guter Alben ist diese "düstere"
mexikanische Truppe vor allem eine außergewöhnlich gute,
energiegeladene Liveband. So lassen die Fans sie nach ihrem
Schlusshit "After Dark" nur nach etlichen Zugaben wieder
hinaus in die Nacht der Vampire ziehen.
Nach
langer Umbaupause und Gitarren-Tombola folgt mit dem irischen
Gitarrenmaestro Gary
Moore schließlich das musikalische Highlight des Abends. Fast
unglaublich, was der Hardrock- und Bluesvirtuose während seines
fast zweistündigen Gigs aus den Saiten seiner geliebten Gibson-
und Fender-Gitarren herauskitzelt. Satt getragen vom Bass-, Drum- und
Keyboardsound seiner Band unternimmt der Ausnahmekünstler
grandiose Ritte hinaus in kosmische musikalische Weiten. Viele
Gitarrenfans verfolgen seine wimmernd-jaulenden Riffs fasziniert auf
den Großbildleinwänden. Und Gary Moore enttäuscht sie
nicht, bietet ein Konzert voller Hingabe und Spielfreude, bei dem
kaum Wünsche offen bleiben. Außer vielleicht das Fehlen
seiner großen Rockballade "Empty Rooms", doch
angesichts vieler starker Soundperlen wie "Wild Frontiers"
oder "Still Got The Blues" und etlicher Zugaben durchaus
verzeihbar. Bei Gary Moore scheint es sich zu verhalten wie mit einem
guten Wein: er wird von Jahr zu Jahr noch besser.
Bunt geht der gelungene Festivaltag zu Ende: ein leuchtendes
Höhenfeuerwerk von den Dächern der Firmengebäude mit
großem Finale auf einer nahen Wiese sorgt für freudig
ausgelassene Abendstimmung und einen stimmigen Abschluss.