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Getroffen! Poverty's No Crime im November 2003

Melodie ist keine Schande

Interview: Klaus Reckert

Die seit '91 aktive deutschen Progressive-Meister Poverty's No Crime sind zwar mit ihrer hochmelodiösen Kunst immer noch nicht steinreich geworden, haben aber mit "Chemical Chaos" in diesen Tagen immerhin eines der stärksten Alben ihrer Karriere hingelegt. Dies und die Livevorstellung derselben war für uns Grund genug, das Gespräch mit den Gründungsmitgliedern Volker Walsemann (Voc & Guit) sowie Andreas "Theo" Tegeler (Drums) zu suchen.

 

Das rundum gelungene "Chemical Chaos" schreit ja geradezu nach Live-Präsentation, allerdings stelle ich es mir nicht ganz einfach vor, die im Vergleich zu den straighteren Voralben etwas ausgefeilteren (gerade Keyboard-) Arragements auf der Bühne zu reproduzieren.

Volker: Unmöglich ist das nicht. Sicher wird man gewisse Abstriche machen müssen, aber dafür ist es halt live. Und bevor wir Sachen vom Band laufen lassen müssten, arrangieren wir den Song lieber etwas um.

 

Eure Homepage vermeldet als nächste Live-Stationen Leverkusen, Twistringen, Hamburg und Bramsche. Z.B. der Lindenhof im mir benachbarten Leverkusen ist mir noch nicht bekannt, ist das eine Kneipe?

Theo: Beim Lindenhof handelt es sich nach meiner Info um ein Kultur- und Veranstaltungszentrum in dem zwischendurch auch mal Konzerte stattfinden und das etwa 600 Leute fassen soll.

 

Wer macht Euer Booking? Welche Zielgröße der Veranstaltungsorte habt Ihr im Auge? Gibt es aktuell typischerweise Vorgruppen? Wer sucht die aus – Ihr, ein Tourveranstalter oder der lokale Veranstalter (sprich örtliche Bands)?

Theo: Für das Booking sind wir selbst verantwortlich. Realistisch betrachtet wäre eine Clubgröße für 200 bis 300 Personen optimal, nur leider gibt es davon nicht soviel. Feste Vorgruppen gibt es bei uns nicht, aber normalerweise spielt dann noch eine lokale Band als “Supportact”.

 

Seit "Slave To The Mind" und '99 seid ihr beim deutschen Label für Progressive-Rock InsideOut – was hat der Wechsel für das Live-Spielen bedeutet? Wie unterstützt Euch InsideOut?

Theo: Zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung mit Inside Out haben die sich aus dem “Livegeschäft” völlig zurückgezogen, da für solche Unternehmungen keine Zeit mehr war und die sich zum Schluss wohl auch nicht mehr gelohnt haben. Die letzte Tour die von IO organisiert wurde, war die „Threshold/Eldrich/Pain Of Salvation“-Tour bei der teilweise nur 20 Besucher zugegen waren. Das bedeutet simpel: um Touren und Gigs müssen wir uns selbst kümmern bzw. eine Agentur damit beauftragen.

 

Früheren Infos hatte ich entnommen, dass Ihr schon mit so unterschiedlichen Bands wie den herrlich verrückten Waltari, Virgin Steele, aber auch Skyclad die Bühnenbretter geteilt habt. Volker, wer waren Deine Favoriten?

Volker: Das waren eindeutig Virgin Steele. Absolute Profis, diese Jungs. Und vor allem: Sie haben uns immer sehr fair, fast schon väterlich behandelt, obwohl wir "nur" der Support waren.

 

Wann und wo waren die Gigs mit Mr. Defeis & Co.?

Volker: Ende '96 haben wir den Europa-Teil ihrer Tour begleitet. Die Gigs waren in Rotterdam, Huesca, Puenta la Reina, Lissabon, Basel, Athen, Florenz und Mailand. Das war die größte Tour, die wir jemals hatten.

 

Mit wem würdet Ihr am liebsten auftreten, gibt's da einen ewigen Traum?

Volker: Mit Rush. Nur um mal wieder eines ihrer Konzerte zu sehen.
Theo: Da schließe ich mich Volker an....

 

Ich persönlich konnte Euch schon mal auf dem ProgPower Europe 2001 bewundern, wo Ihr neben internationalen Top Acts wie (an dem Abend leider entsetzlich schlecht drauffigen) Anathema eine vorzügliche Figur gemacht habt, wie ich fand. Was erwartet Euer Live-Publikum 2003/2004?

Theo: Es wird einen Querschnitt durch die letzten drei Album plus einen oder zwei Songs aus unseren Anfangstagen geben. Hier und da gibt es auch Parts, die wir für den Liveeinsatz umarrangiert oder ausgebaut haben, so dass das Publikum auch mit der einen oder anderen Überraschung rechnen kann.

 

Einer der Höhepunkte auf "Chemical Chaos" ist für mich die zauberhafte unplugged und SloMo-Version Eures Klassikers (und bisher wohl größten Erfolges) "Access Denied" – von wann stammt die und in welcher Fassung spielt Ihr das Stück derzeit live?

Volker: Die Unplugged-Version von Access Denied ist direkt im Anschluss an die regulären Aufnahmen entstanden und war für uns eine interessante Erfahrung: einen klasse Song kann man auf verschiedene Art arrangieren. Live werden wir aber die ursprüngliche Version zum Besten geben, weil der Soundcheck einfach zu aufwändig wäre.

 

Volker, als Deine musikalischen Haupteinflüsse gibst Du auf Eurer Site David Gilmour, Rush, aber etwas überraschenderweise auch Iron Maiden an. Wirst Du Dir deren aktuelle Tour ansehen, von der gewöhnlich gut gerüchtende Kreise munkeln, es könnte die Letzte sein?

Volker: Ich denke nicht. Außerdem glaube ich kaum, dass es ihre letzte Tour sein wird. Die können genauso wenig loslassen wie all die anderen alten Helden.

 

Ist "Chemical Chaos" ein Konzeptalbum im klassischen Sinne?

Volker: Es gibt tatsächlich einen roten Faden. Es ist aber kein starres Konzept, wo ein Song auf den nächsten aufbaut. Alle Songs sind Teil innerhalb einer gewissen Thematik.

 

Nach Aussagen von Band und Label dreht sich das Hauptthema des Albums um Schicksal und so etwas wie den "Butterfly Effect" – selbst kleinste Details können globale Auswirkungen haben. Was meint ihr damit konkret? Was bedeuten Dir Chemie und Naturwissenschaften sowie globale Zusammenhänge ganz persönlich?

Volker: Die Idee dazu hatte ich, nachdem ich den Film "Matrix" gesehen habe, der mich sehr fasziniert hat. Die Frage, die ich mir gestellt habe, ist: inwieweit ist mein Denken und Handeln selbstbestimmt oder bin ich nur ein Teil einer fortlaufenden chemischen Formel. Wenn nämlich das Leben wie eine mathematische Gleichung funktioniert, würde die Zukunft schon heute feststehen. Und wenn alles vorherbestimmt ist, wäre eigenes Handeln sinnlos. Es wäre z.B. egal, wie man sich entscheidet, da nur eine einzige Entscheidung in die “kosmische Gleichung” passen würde. Welchen Effekt hätte es auf den Lauf der Dinge, wenn es mich nie gegeben hätte? Das sind die Fragen, mit denen ich mich auf “chemical chaos” beschäftige. Die Naturwissenschaften haben mich schon immer fasziniert, besonders die Schnittstellen zu den philosophischen Themen, auf die man noch keine Antworten weiß, reizen mich sehr.

 

Das Interview führte Klaus Reckert

 

Weiterführende Links Poverty's No Crime

>> Homepage Poverty's No Crime

>> Tourinfo Poverty's No Crime bei POP FRONTAL

>> Poverty's No Crime: Chemical Chaos: Reinhören und kaufen bei amazon.de

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Poverty's No Crime: Chemical Chaos

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(InsideOut/SPV)

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