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Gesehen! ProgPower Europe Festival 2007 / 05.-06.10.07 (1./2. Tag), Baarlo (NL), Sjiwa

PROGial Networking

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: Stephan Kunze

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Dieses Festival fühlt sich nach all den Jahren immer mehr wie ein Familientreffen an. Nur gottlob ohne die streitlustige Cousine Chantal mit der spitzen Zunge. Und ohne Opa Jeff, der immer hinter’s Sofa kotzt. Richtig kuschelig also. Dazu heuer noch extrem nette neue "Familienmitglieder" kennengelernt. Für uns neu, obwohl auch sie schon ProgPower-Veteranen sind. Außerdem die beste Unterbringungslösung bislang gefunden: Kasteel de Berckt - oder in des Fotografen Worten: "Burg Bröckelstein". Und dann spendierte St. Progpetrus noch absolutes Hammerwetter, sommerlicher als es der Sommer war...

Oceans Of Sadness

Oceans Of Sadness

Last but not least gab's auch noch ein umwerfend gutes Festival-Billing - weniger durch einzelne Superhighlights als vielmehr durch grandiose Gesamtleistungen, fast ohne Ausfälle. Alles zusammen machte diese Ausgabe (nicht nur) für uns zur bislang gelungensten Ausgabe dieser europäischen Prog-Festival-Institution seit 2001!

Aufgrund der musikalischen Klasse der Pre-Party am Freitag (siehe unten) und den vielen bekannten Gesichtern im Publikum lachte an diesem Samstagmittag nicht nur die Sonne sehr breit, als Non-Divine ihre "Blondinen"-Show (vgl. Galerie zum 1./2. Tag) abzogen. Das Quartett erschien in Patientenjacken gewandet (passend zum aktuellen Album "Asylum 45"), frisch gefönt und mit starken Ventilatoren auf der Bühne versorgt, so dass schön synchron die Matten flatterten. Auch musikalisch wurde viel geboten. Nummern zwischen Power und Progmetal wie "Mended Doll", "Sleep", "In Shame" oder das eher rock'n’rollende "New Die-Hard Vampire" erledigten den Aufwärmerjob jedenfalls prächtig.

Spannende bis lehrreiche Randszenen in der Umbaupause: Hier war beispielsweise zu erfahren, dass Non-Divine mit "Asylum" Platte des Monats in der niederländischen Metalprawda "Aardschok" geworden sind, diese Ehrung aber gekauft worden sein soll. Ein glaubhaft versichertes Gerücht. Ohne Gewähr. Definitiv aber lernten wir beispielsweise John & Jon, die sympathischen Begründer des ProgPower UK-Festivals, und ihren lustigen Tross kennen. Und Kim, das noch fast frisch geborene Töchterlein von Rene Janssen (Begründer von ProgPower Europe) wurde mehr als einmal vorbei geschoben.

Oceans Of Sadness, die zweite Band des Tages, lieferte gleich einen der Festivalhöhepunkte ab. Das herrliche "... Send In The Clowns"-Album der Belgier sowie der Nachfolger "Mirror Palace" hatten ja schon auf einiges vorbereitet. So beispielsweise auf einen Stilmix aus Thrash, Prog, MeloDeath, Gothic, TechnoMetal. Aber nicht auf diese Optik und diese Ausstrahlung von Sänger Tys Vanneste - einem echten Bühnentier. Er beherrscht eine enorme Bandbreite von unaufgeregter mittlerer Tonlage, über tiefe Growls bis hin zu einem Panterfauchen kurz vor dem Prankenschlag. Dabei tobt er wie ausgebrochen über die Bühnenbretter, strippt, lässt dabei jedoch sein Publikum nie aus den Augen und behält es unter Kontrolle... Seine Band unterlegt diese Performance mit Monstergrooves, virtuosen Soli und einer Dramatik, die der vom Frontmann aufgebauten kaum nachsteht. Das zunächst mehrheitlich verdatterte Publikum taute bei Stücken wie "Cruel Sacrifice" oder "Sleeping Dogs" zusehends auf. Um dann beim Alice In Chains-Cover "Them Bones" auszurasten. Ein sympathisches Dankeschön an Non-Divine für eine Verstärker-Leihgabe und das abgrundtiefe Gurgeln von "Intoxicate Me" beendeten einen zutiefst beeindruckenden Auftritt.

 

 

Weiter ging’s mit DGM. Die Italiener haben sich seit diesem Auftritt von ihrem Sänger Titta Tani getrennt. Am von ihm in Baarlo gebotenen Posing kann das eigentlich nicht gelegen haben. Denn der gute Wille war fraglos - und auch bei allen Bandmitgliedern - da. Doch nach dem gerade zuvor erlebten Gefühls- und Stahlgewitter erschien der nette, gefällige Progmetal im Gefolge von Symphony X, deren Klasse aber nie erreicht wird, wohl nicht nur uns etwas belanglos. Zeit also für eine Pause. Und für .. Nahemah! Die spanische Truppe um Chefcharismatiker und Sänger Pablo Egido siedelt ihre Musik selbst zwischen Opeth (sehr nachvollziehbar), Dark Tranquillity und Mogwai (!?) an. Stücke wie "Change" oder "Subterranean Airports" vom Lifeforce-Debüt "The Second Philosophy" erinnerten uns außerdem noch an die großen portugiesischen Kollegen Moonspell. Pedros Mix aus klarem, folkig geschultem und verzerrtem (Melo)Death-Metal-Gesang sowie sein unheilschwangeres Stageacting sorgen für eine wirklich eigene Atmosphäre. Zu "Labyrinthine Straight Ways" von der gleichen CD erheben sich die "Evil"-Handzeichen im Publikum jedenfalls schon wie eine Wand. Irgendwann sang Pedro dann "vom Megaphon zum Mikrophon". Um sein Publikum zu erreichen, hatte er das allerdings schon lange nicht mehr nötig.

Zu den ProgPower-Wiederholungstätern von Orphaned Land konnte man nach dem Gig die unterschiedlichsten Einschätzungen vernehmen. Wir haben sie - u.a. in Wacken - jedenfalls schon in weit besserer Form erlebt. Einigkeit bestand jedoch über die absolute Großartigkeit des erneuten Gastauftritts des Thanatos- und Asphyx-Chefgrunzers Paul Bayens - Growlen im Duett, einfach nett! Weiter spricht für Orphaned Lands menschenfreundliches und "völkerverbindendes" Credo, dass während ihres Auftrittes eine gewisse Angela die Gelegenheit erhielt, die Bühne zu erklimmen und von dort um die Hand des Vaters ihres Kindes anzuhalten. Übrigens mit Erfolg...

Auch die Headliner des Tages, die australischen Alchemist, waren schon zum zweiten Mal zu Gast beim ProgPower. Ihre In-die-Fresse-Ausgabe von ProgThrash hat sich entweder mit dem aktuellen Album "Tripsis" verfeinert. Oder es steigert bei dieser Art Musik noch mehr als bei anderer den Genuss, wenn man zumindest Teile des Materials bereits kennt. Beispielsweise das Gemetzel von "Wrapped In Guilt", das à la Meshuggah kopfverdrehende "Tongues And Knives" oder das atemberaubende Gejage von "Anticipation Of A High" ließen sich so weit besser goutieren. Besonders beeindruckend ist Frontmann, Sänger, Gitarrist und Gelegenheitskeyboarder Adam Agius, wenn er beispielsweise bei "Substance For Shadow" in Sekunden von tiefsten Growls zu höchstem Keifen wechselt. Insgesamt ein würdiger Abschluss eines phantastischen Festivaltages.

 

Die Pre-Party

Obwohl die Teilnahme an der Pre-Party für die nicht-niederländische und/oder arbeitende Bevölkerung mindestens den Einsatz eines halben Urlaubstages erfordert, war das Erscheinen in diesem Jahr unumgänglich. Denn neben den Lokalmatadoren von Picture Of The Moon waren auch Thessera angekündigt, die mit "Fooled Eyes" eines der bisherigen Progmetal-Highlights des Jahres haben aufleuchten lassen. Das zuvor aufspielende niederländische Quintett war durch die kurzfristige Absage von Mechanical Poet auf’s Billing geraten. Und sollte nicht nur unserer Meinung nach den einzigen wirklichen Ausfall im gesamten Dreitagesprogramm abgeben. Da man - wie meist im Basement des Jugendzentrums Sjiwa - mit massiven Soundproblemen kämpfte, ist anzunehmen, dass die junge Formation unter Studiobedingungen nicht ganz so schmerzhaft rüberkommt, wie hier erlebt. Doch es steht zu befürchten, dass ihr leicht angeproggter, mit einigen Growls angereicherter Powermetal auch dann noch vorhersagbar erscheint. Und dass Sänger Michiel Borkent auch dann nicht allzu überzeugend wirken dürfte. In jedem Falle aber erledigten die Mondkälber die nicht ganz einfache Aufgabe, für das ganze Festival anzuheizen, mit viel Engagement. Unterdes betätigte sich der Schreiber dieses Textes, vor dem beständigen Soundclipping flüchtend, gerne noch als Begrüßungskomitee und Parkeinweiser für die gerade aus Spanien einlaufenden Nahemah.

Doch nun war es Zeit für die Progmetal-Hoffnung aus Brasilien, Thessera, die auch gleich mit dem ouvertürenhaften ersten Lied ihres Debüt(!)-Konzeptalbums einstiegen. Unmittelbar auffallend die Klasse von Sänger Marcelo Quina, der nicht nur durch seinen extrem wandlungsfähigen, sehr emotionalen Vortrag, sondern auch durch seine ebenmäßigen Züge (soweit die endlose Matte diese mal freilässt) stark an den sehr jungen Daniel Gildenlöw erinnert. Überhaupt gemahnte die enorm tight und spielfreudig agierende Kombo mehr als einmal an Pain of Salvation aus einer Zeit, als diese sich noch nicht der Aufgabe unterzogen, die Welt mit Video-Einspielungen und der Ausbreitung lexikographischen Wissens in Prog-Alben retten zu wollen. Weitere Assoziationen zu der letztlich aber sehr eigenständigen Mannschaft: Vanden Plas.

Bemerkenswert das zahnradmäßig synchronisierte Highspeed-Zusammenspiel der beiden Gitarristen, die sich bis fast zum Ende des Konzertes kein einziges Mal anschauen. Hier können im Sekundentakt schon mal heavy Shredding-Parts auf jazzige Linien folgen, abgerundet durch barocke Keyboard-Riffs. Spätestens ab dem Album-Höhepunkt "Party's On" war auch das restliche Publikum entflammt. Nachdem die Höhepunkte von "Fooled Eyes" schon kaum noch zu toppen schienen, legte die ungemein sympathische Truppe mit Deep Purples "Pictures Of Home", Dios "Don't Talk To Strangers" und dem beeindruckend interpretierten "Under A Glass Moon" von Dream Theater noch derartig überzeugend nach, dass sie seither als deutliche Kandidaten für die Mainstage kommender ProgPower-Ausgaben gelten. Dieser Auftritt war einer der ersten der jungen Band in Europa. Und lässt wirklich einiges für die Zukunft von Thessera erwarten.

 

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Links:

>> Festival-Info ProgPower Europe 2007 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht ProgPower Europe 2005 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht ProgPower Europe 2004 bei POP FRONTAL

>> Homepage ProgPower Europe

>> Homepage Jugendzentrum Sjiwa in Baarlo

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Non-Divine

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Oceans Of Sadness

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DGM

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Nahemah

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Orphaned Land

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Alchemist

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Alchemist

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Picture Of The Moon

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Thessera

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